Aktien Schweiz: Konjunktursorgen belasten SMI - Bankaktien unter Druck

Die Schweizer Börse tritt am Donnerstag den Rückzug an. Konjunktur- und politische Sorgen verunsicherten die Anleger und veranlassten sie zu Gewinnmitnahmen, heisst es am Markt. Auslöser dieser Bewegung ist unter anderem die US-Notenbank Fed, die sich gemäss dem am Vorabend veröffentlichten Sitzungsprotokoll der Juli-Sitzung negativ über die weiteren Aussichten geäussert hatte. Das Fed hatte wirtschaftliche Risiken im Zusammenhang mit dem weiteren Verlauf der Coronakrise hervorgehoben und damit die Konjunktursorgen weiter angefacht. Zudem verschoben die Währungshüter den Zeitpunkt, an dem sie für mehr Klarheit beim künftigen Zinspfad sorgen wollten, auf "irgendwann".
20.08.2020 11:30

Dazu kommen laut Händlern auch die rasant steigenden Corona-Infektionszahlen, der brodelnde US-chinesische Handelsstreit und die Iran-Politik der US-Regierung, die weiter auf Konfrontation setzt, als verunsichernde Faktoren hinzu. Dies zeigt sich auch im Volatilitätsindex VSMI, er um über 10 Prozent gestiegen ist.

Der SMI büsst bis um 11.05 Uhr 0,74 Prozent auf 10'233,79 Punkte ein. Der SLI, in dem die 30 wichtigsten Aktien enthalten sind, verliert 0,89 Prozent auf 1'558,13 und der breitgefasste SPI 0,61 Prozent auf 12'749,02 Zähler. 27 der 30 SLI-Werte geben nach und drei sind höher.

Die Aktien von Swiss Life steigen dank einer Kaufempfehlung um 1,2 Prozent auf 363,50 Franken. Die UBS hat den Titel des Lebensversicherers auf "Buy" von "Neutral" hochgestuft und das Kursziel mit 440 Franken festgelegt.

Etwas höher sind Logitech (+0,2%). Ein Händler verweist dabei auf einen am Vortag gemeldeten Insiderkauf und den "guten Lauf" der Aktie.

Dagegen stehen Bankaktien zuoberst auf der Verkaufsliste der Marktteilnehmer. Die Titel von Credit Suisse (-2,2%) und UBS (-2,0%) sowie des Vermögensverwalters Julius Bär (-1,4%) stehen unter Druck. "Wie immer in Phasen mit erhöhter Konjunktursorge kippen die Anleger nicht nur Zykliker sondern auch Banken aus den Depots", sagt ein Händler.

Temenos verlieren 1,9 Prozent. "Wenn es den Banken nicht rund läuft, leiden auch die Zulieferer wie der Hersteller von auf Banken spezialisierter Software", sagt ein Händler.

Die Aktien von Alcon sinken um 3,1 Prozent. Der Titel der auf Augenheilkunde spezialisierten Medizintechnikfirma werde wie zu Handelsbeginn am Vortag von Abgaben im Zusammenhang mit dem enttäuschenden Quartalsbericht erfasst, heisst es.

Zu den grössten Verlierern gehören auch die Anteile von ABB (-1,8% auf 23,65 Fr.). Berenberg hat die Analyse des Elektrotechnikkonzerns mit dem Rating "Sell" wieder aufgenommen. Das Kursziel beträgt 20 Franken.

Die Anteile der Luxusgüterproduzenten Swatch (-1,2%) und Richemont (-1,7%) können sich den Abgaben nicht entziehen. Die Uhrenexporte sind im Juli nominal um 17 Prozent gesunken.

Besser als der Markt halten sich defensive Werte wie Vifor (-0,02%) und die Schwergewichte Roche (+0,04%) und Novartis (-0,1%). Nestlé (-0,8%), ein weiteres Schwergewicht, büssen dagegen klar an Terrain ein.

Aktien zyklischer Firmen wie Adecco, Sika, SGS und Kühne+Nagel zeigen sich mit Einbussen von 0,5 Prozent und weniger als vergleichsweise robust.

Am breiten Markt, wo zahlreiche Firmen ihre Ergebnisse veröffentlicht haben, fallen Kudelski (-12%) negativ auf. Die Technologiefirma ist während der Corona-Pandemie tief in die roten Zahlen gerutscht.

Tiefer sind Zur Rose (-6,4%), die laut Händlern unter Anschlussverkäufen nach dem schlechter als erwartet ausgefallenen Zwischenbericht vom Vortag leiden.

Die Aktien von Achiko gewinnen 50 Prozent auf 1,375 Franken. Das indonesische Fintech will laut Angaben vom Vortag einen einfachen und günstigen Corona-Schnelltest noch in diesem Jahr auf den Markt bringen. Zudem lanciert die Firma ihre Gesundheits-App Teman Sehat in mehr Hotels, Märkten und Freizeitparks in der indonesischen Provinzhauptstadt Pekanbaru.

Mit Relief Therapeutics (+16%) und Igea Pharma (+5,9%) reissen sich die Anleger auch noch um andere Penny Stocks.

pre/kw

(AWP)