"Die zweite Corona-Welle ist schneller gekommen als der Impfstoff", sagte ein Händler. Am Markt werde befürchtet, dass nun Teile der Wirtschaft zur Bekämpfung des Virus wieder heruntergefahren werden könnten. Weiterhin belasteten aber auch die Verhandlungen in den USA um ein weiteres Corona-Konjunkturpaket die Nerven der Anleger. Mit dem Nahrungsmittelkonzern Nestlé konnte derweil hierzulande ein weiteres Börsenschwergewicht gute Quartalszahlen vorlegen.

Der SMI schloss um 1,54 Prozent tiefer auf 9'989,75 Zählern und damit auf seinem Tagestief. Der SLI, in dem die Gewichtung der drei Schwergewichte gekappt ist, sank um 1,38 Prozent auf 1'548,19 Punkte und der umfassende SPI gab 1,45 Prozent auf 12'494,64 Punkte nach. Im 30 Werte umfassenden SLI standen 28 Verlierer zwei Gewinnern gegenüber.

Stark belastet wurden die Indizes von den schwachen Pharma-Schwergewichten Roche (-2,6%) und Novartis (-1,8%). Möglicherweise würden die Börsen bereits einen Wahlsieg der Demokraten bei den US-Präsidentschaftswahlen einpreisen, meinte ein Marktbeobachter. Eine demokratische geführte US-Regierung würde nach Ansicht vieler Beobachter für Druck auf die Medikamentenpreise im lukrativen US-Markt sorgen.

Deutliche Abgaben entfielen auch auf die Titel des Bankensoftwareunternehmens Temenos (-3,6%). Die Analysten von Berenberg senkten im Nachgang zu den letzte Woche vorgelegten Zahlen zum dritten Quartal das Kursziel für die Titel deutlich. Klare Abschläge gab es etwa auch für die Titel des Warenprüferkonzerns SGS (-2,2%) oder der Uhrentitel Swatch (-2,0%) und Richemont (-1,6%).

Im Fokus standen die Titel des SMI-Schwergewichts Nestlé (-0,8%), die nach einer festeren Handelseröffnung ebenfalls klar im Minus schlossen. "Am Zahlenkranz kann es nicht liegen, das Wachstum war ja geradezu bombastisch", sagte ein Händler. Der weltgrösste Nahrungsmittelhersteller war im Berichtszeitraum schneller gewachsen als erwartet und schraubte seine Wachstumsprognose für das Gesamtjahr nach oben.

Dem Abwärtssog konnten sich auch die Bankentitel nicht entziehen. Die Aktien der Grossbank UBS (-0,9%), die am Dienstag gute Zahlen vorgelegt hatte und des Vermögensverwalters Julius Bär (-1,0%), der am Montag mit seinem Zwischenbericht positiv überrascht hatte, drehten im Handelsverlauf ins Minus. Noch schwächer waren die Aktien der Credit Suisse (-1,8%) unterwegs.

Die Aktien des Computer-Peripheriegeräteherstellers Logitech (-1,2%) schlossen nach dem Kurssprung vom Vortag ebenfalls tiefer. Am Mittwoch erhöhten die US-Analysten von Goldman Sachs sowie von Citigroup ihre Kursziele für die Titel und bekräftigten ihre jeweiligen Kaufempfehlungen.

Gewinne verbuchten dagegen die Titel des Personalvermittlers Adecco (+0,8%), die laut Händlern von einem guten Quartalsergebnissen der Konkurrenten Randstad sowie Manpower profitierten. Mit Aufschlägen gingen auch Kühne+Nagel (+2,2%) aus dem Handel, nachdem sie am Vortag nach guten Zahlen bereits zugelegt hatten.

Im breiten Markt vollführten die Zur Rose-Titel (+13%) einen Kurssprung. Die Versandapotheke erwirtschaftete in den ersten neun Monaten mehr Umsatz als erwartet und bestätigte die Ziele für 2020. Am Vortag hatte die Aktie allerdings noch knapp 6 Prozent eingebüsst.

Die Aktien des angeschlagenen Asset Managers GAM (-2,9%) schlossen nach dem Quartalsbericht im Minus. GAM musste auch im dritten Quartal einen Abfluss der verwalteten Vermögen verbucht. Noch deutlichere Abschläge erlitten Inficon (-3,9%). Das Messtechnikunternehmen hatte im dritten Quartal einen Gewinneinbruch erlitten und enttäuschte die Markterwartungen klar.

tp/mk

(AWP)