Aktien Schweiz: SMI baut Verluste am Vormittag aus

Die Schweizer Börse präsentiert sich am Dienstagvormittag negativ. Unter dem Eindruck der Turbulenzen am Ölmarkt verbucht der Schweizer Leitindex SMI kräftige Abschläge. Angebot und Nachfrage am Ölmarkt klaffen derzeit stark auseinander, die Preise sind im Keller. "Solche Preisasymmetrien wie am Ölmarkt setzen nicht nur Ölförderunternehmen unter Druck, sie ziehen oft auch grössere Handelsverluste bei Investmentbanken und Hedgefonds nach sich, die dann wiederum Geld aus andere Anlagen wie etwa Aktien oder Anleihen abziehen müssen", erklärte ein Marktexperte.
21.04.2020 11:30

"Ich hätte nie gedacht, dass ich den Tag erlebe, an dem Öl so niedrig handelt", kommentierte ein anderer Börsianer den drastischen Absturz. Der Einbruch der Nachfrage aufgrund der Coronakrise habe auch am Ölmarkt somit für einen historisch einmalig Moment gesorgt. Neben den Verwerfungen am Ölmarkt kommen aktuell noch Spekulationen über die politische Entwicklung in Nordkorea ins Spiel. Der Diktator des Landes, Kim Jong Un, soll sich Berichten zufolge nach einer Operation in kritischem Zustand befinden. Hierzulande sind im März aufgrund der Folgen der Pandemie die Uhrenexporte um rund einen Viertel eingebrochen.

Der SMI verliert gegen 11.00 Uhr 1,45 Prozent auf 9'643,14 Punkte. Der SLI, in dem die 30 wichtigsten Akten enthalten sind, fällt um 1,50 Prozent auf 1'393,67 Zähler, der breit gefasste SPI etwas weniger deutlich um 1,19 Prozent auf 11'886,78 Zähler. Faste alle der 30 SLI-Titel verzeichnen Verluste.

Im SMI belaufen sich diese auf -0,1 Prozent bei Titeln wie Temenos bis -8,7 Prozent bei Swiss Re (-6,90 auf 71,82 Franken), die somit das Index-Schlusslicht bilden. Allerdings werden die Titel des Versicherers am Dienstag mit einem Dividendenabschlag von 5,90 Franken gehandelt. Zu den grössten Verlierern gehören am Vormittag aber auch die Titel anderer Versicherer wie Swiss Life (-1,8%) oder Zurich (-1,6%).

Daneben geben die Bankenpapiere deutlich nach, wie ein Blick auf UBS (-2,7%) und CS (-2,3%) zeigt. Sie würden in Sippenhaft genommen, denn der Kollaps der Ölpreise mache den Banken in den USA zu schaffen, sagte ein Händler. Die Anleger fürchteten, dass die Ölproduzenten wegen der tiefen Preise nicht nur nicht mehr kostendeckend fördern, sondern auch ihre Schulden bei den Geldhäusern nicht mehr bedienen könnten.

Klare Abgaben gibt es ausserdem bei Swatch und Richemont. Sie verlieren 2,0 respektive 1,4 Prozent. Sie leiden unter den im März deutlich gesunkenen Uhrenexporten. Die Zahlen seien zwar keine Überraschung, doch zeigten sie, wie schwierig sich das Marktumfeld mit Ausgangs- und Reisebeschränkungen in vielen Ländern für die Uhrenhändler präsentiere.

Schliesslich müssen auch konjunktursensitive Titel wie ABB (-2,1%) oder Adecco (-2,0%) klare Abschläge hinnehmen.

Zumindest etwas besser präsentiert sich die Lage bei den defensiven Index-Schwergewichten Roche (-1,0%) und Novartis (-1,2%). Der Konzern unter Führung von Vas Narasimhan hat am Morgen neue Daten für das Mittel Mayzent bei Multipler Sklerose vorgelegt. Roche erhielt für ein Testverfahren zur Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs die US-Zulassung.

Am anderen Ende der Tabelle stehen die Valoren von Sika. Mit einem Plus von 3,5 Prozent sind sie nebst Vifor und Givaudan (je +0,3%) einer von drei positiv tendierenden SLI-Titeln. Wenig überraschend hat der Spezialist für Bauchemie im ersten Quartal unter der Coronavirus-Krise gelitten. Die echte Bewährungsprobe komme zwar noch; zuversichtlich stimme aber, dass die Innerschweizer an ihren Mittelfristzielen festhielten, hiess es im Handel.

Im breiten Markt stehen Sulzer (-0,5%) im Fokus. Mit dem Bestellungseingang im ersten Quartal hat das Unternehmen die Erwartungen der Analysten klar übertroffen. Da sich dies aber im zweiten Quartal ändern dürfte, hat das Unternehmen einen Kapazitätsabbau im Bereich Energie sowie Sparmassnahmen angekündigt.

Nach einer Gewinnwarnung geht es im breiten Markt dafür mit den Titeln der TX Group (-2,6%) talwärts. SIG Combibloc (-3,0%) können derweil von einem Grossauftrag aus Deutschland nicht profitieren.

kw/rw

(AWP)

 
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