Sprecher der beiden Unternehmen wollten sich auf Anfrage nicht zu den aktuellen Nachrichten äussern. Zuletzt hatten - ebenfalls unbestätigt - 22,15 Euro je Aktie oder in Summe rund 10,3 Milliarden Euro im Raum gestanden. Der Aktienkurs von Evonik schloss am frühen Freitag mit 21,26 Euro, was einem Tagesplus von 2,7 Prozent entspricht. BASF-Aktien gingen mit einem moderaten Gewinn ins Wochenende.
RAG-Stiftung grösste Evonik-Anteilseignerin
Ende September hatten die beteiligten Unternehmen sowie die RAG-Stiftung als grösste Evonik-Anteilseignerin bekannt gemacht, dass es ein Übernahmeangebot gibt. Besonderes Gewicht mit Blick auf die Pläne der BASF hat die RAG-Stiftung, denn sie hält aktuell rund 43 Prozent der Evonik-Aktien.
Aufgabe der RAG-Stiftung ist die dauerhafte Finanzierung der Folgekosten des 2018 eingestellten deutschen Steinkohlebergbaus. Erwirtschaftet werden die Ewigkeitskosten aus zahlreichen Kapitalanlagen. So ist die Stiftung unter anderem an mehr als 20.000 Unternehmen beteiligt. Grösste Einzelbeteiligung ist der Evonik-Anteil.
Arbeitsplätze im Fokus
Neben einem für die Stiftung lukrativen Preis im Fall einer Evonik-Akquisition spielen aber auch politische Bedenken - vor allem mit Blick auf Arbeitsplätze in der ohnehin schon kriselnden deutschen Chemieindustrie - eine wichtige Rolle. Dem Kuratorium der Stiftung gehören 13 Mitglieder an, vor allem Politikerinnen und Politiker.
Fünf davon sind automatisch durch ihr Amt Mitglied: die jeweiligen Ministerpräsidenten von NRW und dem Saarland, die Bundesminister für Wirtschaft und Finanzen sowie der Vorsitzende der Gewerkschaft IG BCE. Das Kuratorium bestellt den Vorstand. «Über Entscheidungen von grundlegender Bedeutung wird das Kuratorium regelmässig informiert», heisst es auf der Internetseite der Stiftung.
BASF will Standortvereinbarung übernehmen
Um Bedenken entgegenzutreten, hatte sich BASF-Chef Markus Kamieth in einer am Donnerstag veröffentlichten Video-Botschaft geäussert. Demnach würde die BASF im Zuge eines Evonik-Kaufs die bestehenden Standortvereinbarungen auch übernehmen. «Betriebsbedingte Kündigungen blieben bis 2032 ausgeschlossen. Tarifverträge und Sozialpartnerschaft bleiben unangetastet. Wir würden weiter in die Ausbildung junger Menschen investieren.»
Zudem betonte er, dass die Heimatstadt von Evonik, Essen, und Nordrhein-Westfalen als Standort wichtig bleiben würden. «Mit mindestens einem Vorstandsressort und der Leitung von Geschäfts- und Funktionseinheiten. Wir werden prüfen, welche gemeinsamen Aktivitäten wir von Essen aus führen könnten. Wir möchten NRW als Forschungs- und Entwicklungsstandort stärken.»
Und: Kamieth stellte auch auf den von Evonik geplanten Verkauf des Chemieparkbetreibers Syneqt mit seinen rund 3.500 Beschäftigten ab. «Wir glauben, dass wir die Parks in Marl und Wesseling selbst auch weiter betreiben könnten.»
BASF-Betriebsratschef Sinischa Horvat sieht in den Übernahmeplänen «Chancen für den Chemiestandort Deutschland und seine Beschäftigten liegen», wie er dem «Mannheimer Morgen» sagte, fügte aber auch hinzu: «Eine mögliche Übernahme von Evonik muss sich aus unserer Sicht daran messen lassen, welche Perspektiven sie für die Unternehmen, ihre Standorte und vor allem für die Beschäftigten eröffnet.» Er besteht auf Jobsicherheit für die Beschäftigten des BASF-Stammwerks in Ludwigshafen und Investitionen in den Standort. Die bestehende Standortvereinbarung dürfe «durch eine mögliche Übernahme weder infrage gestellt noch durch deren Finanzierung oder Folgekosten ausgehöhlt werden»./mis/men/stk/DP/mis
(AWP)
