Trump hatte am Samstag überraschend den Bau der Audi-Fabrik mit 4.500 Arbeitsplätzen in Perry im US-Bundesstaat Georgia angekündigt. Döllner trat anschliessend auf die Bühne und dankte dem US-Präsidenten für dessen Unterstützung. In den USA stehen am 3. November die Zwischenwahlen an.
Wem Chefs verpflichtet sind
Unternehmenschefs sind nach Einschätzung des Wirtschaftswissenschaftlers Christian Strenger jedoch mehr als nur ihren Aktionären und dem Gewinn des Unternehmens verpflichtet. «Die Vorgabe ist, dass man mit allen Stakeholdern - den Aktionären, Mitarbeitern, der Umwelt, der Politik - ein nachhaltig tragendes Verhältnis aufbauen muss», sagte Strenger der Deutschen Presse-Agentur. Sich nur auf die Aktionäre zu konzentrieren «geht gar nicht».
Der Döllner-Auftritt sei unangemessen gewesen, sagte der Corporate-Governance-Experte. «Da hat er sich zur Unzeit vorführen lassen.» Einen solchen Auftritt mit Trump zu machen, sei «zum falschen Zeitpunkt genau das Verkehrte». Strenger verwies auch auf die Konzernregeln, die vor Wahlen politische Neutralität gebieten. Zudem betonte er, es liessen sich immer Wege für eine adäquate politische Begleitung finden. «Dass Döllner sich da selbst gezeigt hat, war weit mehr als eine Frage des schlechten Geschmacks.»
Wettet Audi auf ein totes Pferd?
Umweltminister Schneider kritisierte auch den strategischen Kurs des Autobauers: «Während sich weite Teile der Welt aufmachen hin zur technisch überlegenen Elektromobilität, wettet Audi auf fossile Energien und damit auf ein totes Pferd», sagte Schneider dem «Kölner Stadt-Anzeiger». «Mal ganz abgesehen von den mehr als unappetitlichen Umständen dieser Verkündung muss man auch Zweifel an der Zukunftsfähigkeit dieser Entscheidung haben.»
Ein Regierungssprecher hatte zu Wochenbeginn eine Kommentierung des Auftritts abgelehnt. Es gehe hier um eine unternehmerische Entscheidung. In Georgia will Audi SUVs bauen, unter anderem den neuen besonders grossen und damit auf den US-Markt zugeschnittenen Q9 sowie Q7 und Q8. Zu Antriebsarten macht Audi keine Angaben.
In den USA haben Elektroautos aber nur einen sehr kleinen Marktanteil: Nach Zahlen des Beratungsunternehmens PwC lag er in den ersten neun Monaten des Jahres bei lediglich 6 Prozent - trotz der hohen Spritpreise ist das weniger als im Gesamtjahr 2025. Selbst inklusive Hybridfahrzeugen liegt der Anteil elektrifizierter Autos deutlich unter einem Viertel. Das ist sehr viel weniger als in anderen grossen Märkten.
Welle der Kritik
Seit dem Auftritt steht der 57-jährige Döllner von verschiedenen Seiten in der Kritik. Die Linke forderte bereits seinen Rücktritt - mehr als 100.000 Internetnutzer sehen es auch so. Sie schlossen sich einer entsprechenden Petition von Campact an. Der Auftritt am Wochenende sei «heuchlerisch, unterwürfig sowie politisch ein Kniefall vor Trumps Erpressungsversuchen», heisst es darin. Der Manager solle zurücktreten. Die spendenfinanzierte Kampagnenorganisation Campact hat sich die Stärkung der Demokratie, den Einsatz für soziale Gerechtigkeit und den Kampf für Umwelt- und Klimaschutz auf die Fahnen geschrieben./kf/wim/bf/ruc/DP/mis
(AWP)
