Für eine österreichische Urlauberin beispielsweise wurde der Vulkanausbruch zur persönlichen Odyssee. Ihr Flug sollte ursprünglich am Montagmorgen starten, zunächst wurden mehrere Flüge gestrichen. Kurz darauf sagte die Airline auch ihren Flug ab. «Es war echt knapp», erzählte sie der Deutschen Presse-Agentur. Glück hatte sie, weil sie zu diesem Zeitpunkt noch in ihrer Unterkunft im Zentrum von Catania war. Sonst hätte sie mitten im Chaos am Flughafen gestanden.

Lange Schlangen, überfüllte Schalter am Flughafen

Denn am Flughafen zeigt sich das ganze Ausmass des Reisechaos: Lange Schlangen bildeten sich vor den Schaltern der Airlines, Reisende suchten verzweifelt nach Alternativen, Flüge werden teils kurzfristig gestrichen, verspätet oder umgeleitet. Familien stehen mit ihren Koffern verzweifelt auf dem Airport und richten sich erst einmal notgedrungen auf den Sitzbänken ein.

«Es gibt Menschen, die sich keine Hotelübernachtungen leisten können, und andere, die hier sind und hoffen, dass sich die Lage jeden Moment bessert und sie abreisen können», sagte Anna Quattrone von der Betreibergesellschaft des Flughafens der Tageszeitung «La Repubblica».

Und in der Warteschlange vor einem Info-Schalter sagte eine italienische Passagierin der Zeitung: «Der Urlaub war wunderschön, aber dieses Ende hätten wir uns wirklich sparen können.» Es herrsche grosses Chaos und niemand sage etwas: «Wir navigieren auf Sicht und behalten die Anzeigetafeln im Auge.»

Mehrere Stunden am Handy zum Umbuchen

Für die Österreicherin gestaltete sich Suche nach einer Alternative auch schwierig. Das Buchungsportal der Airline war überlastet. Mehrere Stunden habe sie mit Umbuchungsversuchen verbracht, über App, Chatbot und Kundenservice. Am Ende entschied sie sich für eine umständliche Verbindung mit mehrmaligem Umsteigen vom italienischen Festland aus. Um aber dort hinzukommen, musste sie den Zug inklusive Fährfahrt nehmen, um von Neapel abfliegen zu können.

Ihre Erfahrung steht beispielhaft für die derzeit angespannte Lage. Wer Catania und die Gegend an der Ostküste Siziliens verlassen will, weicht - wenn er kann - auf andere Flughäfen aus. Die Inselhauptstadt Palermo ist zwar nicht von der Aschewolke betroffen, in der Hauptreisezeit sind viele Verbindungen am dortigen Flughafen jedoch bereits ausgebucht. Andere Reisende nehmen den Zug Richtung Festland. Doch auch dort sind die Kapazitäten inzwischen sehr begrenzt.

Wie lange bleibt der Airport geschlossen?

Für viele Urlauber bleibt nun die bange Frage, wann und wie sie überhaupt nach Hause kommen. Für die Reisenden in Catania heisst das also weiter: warten. Der Flughafen bleibt wegen der Asche bis mindestens 18.00 Uhr komplett geschlossen. Ob danach wieder Flugzeuge starten und landen können, ist aber offen. Es ist nicht klar, wie oft die Sperre noch verlängert wird. Entsprechend gross ist die Unsicherheit bei den Passagieren, die auf ihre Heimreise warten.

Die österreichische Urlauberin hat es inzwischen aufs Festland geschafft. Für sie ist vor allem eines hängen geblieben: «Es war aufregend.» Und sie fügt hinzu: Für Menschen, die weniger reiseerfahren sind oder mit digitalen Buchungen nicht gut zurechtkommen, könne die Situation «sehr viel stressiger» sein. Für Familien mit kleinen Kindern oder ältere Menschen dürfte die Lage zwischen Warteschlangen, Schaltern und Koffern belastender gewesen sein.

Vulkan liefert spektakuläre Bilder, aber sorgt für Reisechaos

Und so wird der Ätna für manche Urlauber vom spektakulären Fotomotiv zum unfreiwilligen Reisebegleiter. Lava, Asche und Rauch gehören vor Ort zum Leben mit dem Vulkan - Ausbrüche sind keine Seltenheit. Doch wenn die Aschewolken den Flugverkehr treffen, beginnt jedes Mal aufs Neue das Reisechaos. Die glühende Lava ist faszinierend, doch wer ihretwegen nicht nach Hause kommt, dürfte das Naturschauspiel mit gemischten Gefühlen betrachten./rme/DP/stk

(AWP)