Warum sind Offline-Kartenzahlungen wichtig?
Immer mehr Zahlungen werden in der Schweiz bargeldlos abgewickelt. Das kann zu grossen Problemen führen, wenn der Datenverkehr zwischen Kartenanbietern, Banken und Zahlterminal in den Geschäften nicht oder nur eingeschränkt funktioniert. Laut dem Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung (BWL) soll für solche Fälle neben Bargeld eine Alternative zu digitalen Zahlungsmitteln zur Verfügung stehen. Das soll den Menschen den Einkauf lebenswichtiger Güter ermöglichen und die Wirtschaft am Laufen halten.
Ab wann und wo ist offline zahlen möglich?
Breit eingeführt werden sollen die Offline-Zahlungen bis Ende 2027. Eine Mehrheit der Marktteilnehmer hat sich laut BWL dazu bekannt, die Offline-Zahlungslösung einzuführen. Weitere können sich noch anschliessen, wenn sie das wollen. Offline mit Karte bezahlt werden sollen - um das Risiko klein zu halten - lediglich lebenswichtige Güter, also Nahrungsmittel, Medikamente und Treibstoffe. Offline-Zahlungen sind ein Notsystem. Sie werden aktiviert bei Ausfällen der Daten- und Netzwerkverbindung, bei Störungen der Kommunikation mit Autorisierungssystemen oder an der Infrastruktur.
Warum die Begrenzung?
Das Notsystem funktioniert dort, wo für den Grundbedarf eingekauft wird, also im Wesentlichen in Lebensmittelläden, Apotheken und an Tankstellen. Die Möglichkeit, offline zu bezahlen, ist zudem begrenzt - es gibt festgelegte Limiten für die Anzahl der Zahlungen und die Höhe der Beträge. Das soll die Risiken für Missbräuche und Ausfälle begrenzen. Um zu verhindern, dass Offline-Zahlungen gezielt ausgenutzt werden, kommunizieren die zuständigen Stellen diese Limiten nicht. Sie seien so ausgestaltet, dass der Grundbedarf an lebenswichtigen Gütern für etwa eine Woche gedeckt werden könne.
Wer trägt die Ausfallrisiken?
Kommt es bei Offline-Zahlungen zu Ausfällen, müssen primär die beteiligten Finanzinstitute dafür aufkommen. Sie übernähmen bewusst einen Teil des Risikos, um sicherzustellen, dass der Zahlungsverkehr auch in ausserordentlichen Situationen weiter funktionieren könne, schreibt das BWL dazu. Es gibt allerdings Limiten und technische Sicherheitsmassnahmen, um die Risiken für die Banken zu begrenzen. Diese entstehen, weil bei der Zahlung nicht sofort geprüft werden kann, ob das Konto hinter der Karte auch gedeckt ist.
Wie funktioniert das Notsystem?
Wer ohne Online-Verbindung ohne Bargeld etwas bezahlen will, braucht eine physische Kredit- oder Debitkarte mit Pin-Nummer, und zwar eine inländische. Die Karte wird ins Terminal gesteckt und die Zahlung mittels Pin bestätigt. Damit finde eine grundlegende Sicherheitsprüfung statt, schreibt das BWL. Das Konto des Käufers oder der Käuferin wird allerdings erst belastet, wenn die Verbindungen wieder in Gang sind. Offline zum Bezahlen nicht genutzt werden können Handy und Smartwatch; auch ausländische Karten sind dafür nicht brauchbar. Der Bund rät deshalb, immer eine Kredit- oder Debitkarte dabei zu haben, um das Notfallsystem nutzen zu können. Damit dieses funktioniert, müssen die Kartenleser mit Strom versorgt werden.
Wie wird das System aktiviert?
Gar nicht. Es greift automatisch, sobald ein Zahlungsterminal keine Verbindung mehr herstellen kann zum Zahlungsanbieter. «Die Entscheidung erfolgt systemisch im Zusammenspiel von Karte und Terminal», schreibt das BWL. Sind die Systeme wieder verfügbar, wechselt der Zahlungsverkehr automatisch in den normalen Betrieb. Für Kundinnen und Kunden ist häufig nicht ersichtlich, ob eine Zahlung online oder offline abgewickelt werde.
Wer ist an der Branchenlösung beteiligt?
Banken, Zahlungsdienstleister und Detailhändler haben unter Federführung der Wirtschaftlichen Landesversorgung (WL) und der Schweizerischen Nationalbank (SNB) vereinbart, diesen Zahlungsweg freiwillig einzuführen. In einer gemeinsamen Absichtserklärung (Joint Commitment) einigten sich Banken, die Zahlungsverkehrsbranche und Detailhändler auf eine freiwillige Einführung. Entwickelt wurde die Lösung vom BWL, der SNB, den Finanzinstituten als Kartenherausgeber, den Unternehmen der Zahlungsverkehrsinfrastruktur und dem Detailhandel. Ein Grossteil des Lebensmittelhandels und fast alle Kartenherausgeber machen bereits mit. Weitere können sich freiwillig anschliessen.
Gibt es Offline-Kartenzahlungen anderswo?
Schweden habe bereits eine Offline-Zahlungsmöglichkeit, und in weiteren Staaten Nordeuropas wird sie zurzeit eingeführt. Die Schweiz sei aber das erste Land in Zentraleuropa, das Offline-Kartenzahlungen ermögliche, schreibt das BWL. Wirtschaftsminister und Bundespräsident Guy Parmelin, SNB-Präsident Martin Schlegel und Roland Pfister, der Delegierte für Landesversorgung, lobten an einem Anlass in Bern das freiwillige und gemeinsame Engagement der Beteiligten für mehr Resilienz.
(AWP)
