Die Swiss sei eigenständig, aber auch Teil einer Gruppe. «Anders geht es nicht. Oder kennen Sie in Europa oder Nordamerika noch eine Airline mit gut hundert Flugzeugen, die selbständig überleben kann?» Das Fliegen sei nun einmal ein Skalengeschäft. Für die Zukunft gebe es «nur ein Miteinander und kein Entweder-oder». Alles andere sei Nostalgie.
Er verstehe die Sorgen in der Schweiz um die Swiss zwar. «Aber manchmal kommen sie mir vor wie Phantomschmerzen, die man noch Jahre nach einer Amputation empfindet - anstatt sich damit zu beschäftigen, wie man künftig zusammen besser werden kann.»
«Schwachstellen anpacken»
Seine wichtigste Aufgabe sei es, dafür zu sorgen, dass Zentraleuropa mit der Lufthansa weiterhin eine leistungsfähige grosse Airline hat. «Wir haben in der Finanz- und in der Corona-Krise erlebt, wie gefährlich es ist, wenn internationale Akteure plötzlich ausfallen. Wir müssen fähig sein, Kerninfrastrukturen selber zu betreiben - ob im Finanzwesen, bei der Energie oder eben in der Logistik.» Europa dürfe sich nicht von Chinesen, Amerikanern oder anderen abhängig machen.
Die gesamte Gruppe müsse wieder in eine Position der Stärke zurückfinden, sagte Teyssen darauf angesprochen, dass die Swiss die Ertragsperle der Lufthansa sei und andere Airlines wie Austrian, Brussels Airlines oder die Kernmarke Lufthansa kaum Gewinn oder sogar Verlust machten. Er wolle die Schwachstellen «anpacken».
Es sei allerdings noch zu früh, konkrete Massnahmen zu kommunizieren. «Die Gruppe ist enorm komplex. Sie hat über 100'000 Mitarbeiter und ist für 3000 Flüge am Tag verantwortlich. Sie ist ja nicht soeben 100 Jahre alt geworden, weil sie nichts kann. Ich gehe mit viel Respekt an meine Aufgabe.»
Teyssen ist noch bis Herbst auch Alpiq-Verwaltungsratspräsident. Seit Mai ist er Aufsichtsratschef der deutschen Lufthansa und wird daher sein Amt beim Schweizer Stromkonzern niederlegen.
ys/jb
(AWP)
