Betroffen sind öffentlich zugängliche Daten wie Kontrollschildnummern sowie Name und Adresse der Fahrzeughalterinnen und -halter, schrieben die Deutschschweizer Kantone und die Waadt am Freitag in einer Mitteilung. Angaben, die Personen für die öffentliche Bekanntgabe haben sperren lassen, sind nicht betroffen.

Der Datenabruf geschah auf kantonalen Fahrzeug-Indexen, nicht auf dem ähnlich benannten «eautoindex» der Vereinigung der Strassenverkehrsämter (Asa). Dieser laufe weiterhin stabil und sicher, wie es am Freitagnachmittag auf der Website der Asa hiess.

Wie viele Daten insgesamt betroffen sind und wie sich diese auf die Kantone aufteilen, lasse sich nicht aufschlüsseln, hiess es auf Anfrage von Keystone-SDA bei Larissa Probst, Mediensprecherin des Luzerner Justizdepartements. Auf der betroffenen Plattform gehen täglich mehr als 10'000 Halterabfragen für Auskünfte zu Fahrzeugen aus den fünf betroffenen Kantonen ein.

Die massenhafte Zusammenstellung der Daten könnte der missbräuchlichen Verwendung dienen, hiess es in der Mitteilung weiter. Denkbar seien etwa «täuschend echt wirkende» Zahlungsaufforderungen zu angeblichen Bussen, Gebühren, Motorfahrzeugkontrollen oder ausländischen Mautgebühren.

Anzeige nach Erpressungsversuch

Gegenüber der Betreiberin des Portals, der Firma Viacar AG mit Sitz in Aarau, und dem Kanton Waadt sei es zu Erpressungsversuchen gekommen. Die fünf Kantone haben bereits oder werden noch Anzeige erstatten, hiess es weiter. Ob der Datenabruf von einer Einzelperson oder mehreren Personen begangen wurde, sei nicht bekannt, wie Probst weiter sagte.

Der Abruf der Daten erfolgte gemäss bisherigen Erkenntnissen über eine technische Schnittstelle, die ausschliesslich den Zugang zu öffentlich einsehbaren Daten erlaubte. Dass gesperrte Daten abflossen, könne ausgeschlossen werden, so Probst. Es handle sich nicht um ein eigentliches Datenleck, sondern um die missbräuchliche Nutzung einer öffentlichen Auskunftsmöglichkeit.

Kantone mahnen zur Vorsicht

Um die Daten im grossen Stil abzusagen, seien Schutzmechanismen umgangen worden. Für gewöhnlich ist die Anzahl Anfragen auf dem Portal pro Person und Tag auf fünf beschränkt. Die Viacar AG habe nun zusätzliche Beschränkungen eingeführt und prüfe weitere Massnahmen.

Die Kantone mahnen zur Vorsicht. Unerwartete Schreiben, E-Mails oder SMS seien kritisch zu prüfen. Insbesondere, wenn zur raschen Zahlung aufgefordert oder persönliche Angaben verlangt sind. Wer sich bei einem erhaltenen Schreiben nicht sicher sei, soll die zuständige Behörde kontaktieren.

Die Halterdaten können gemäss Strassenverkehrsgesetz des Bundes öffentlich bekannt gegeben werden. Wer dies nicht will, kann auf der Webseite des Strassenverkehrsamts des Wohnkantons kostenlos eine Sperre beantragen.

Geburtsdatenabfrage im Wallis

Der Kanton Wallis vermeldete in einer separaten Mitteilung ebenfalls automatisierte Abrufe von entsprechenden Daten. Dabei geht es um eine andere Plattform. Hier seien auch ungefähre Angaben zu Geburtsdaten der Fahrzeughalterinnen und -haltern gesammelt worden, teilte der Kanton mit. Diese Informationen seien bei einer gewöhnlichen Suche nicht zugänglich.

(AWP)