An der Basis hat sich in den letzten Monaten viel Frust über die Bundespolitik angestaut. Schon vor dem Treffen machten viele Kreisvorsitzende ihrem Ärger Luft. In der Diskussion mit dem Kanzler dürfte es zur Sache gehen.
Die Alarmlampe leuchte «dunkelrot», sagt die CDU-Kreisvorsitzende Désirée Schrade aus Frankfurt (Oder). Es gebe Parteiaustritte in «spürbarem» Umfang, die alle mit der Unzufriedenheit mit der Bundespolitik begründet würden. «Da kann man nicht den Deckmantel des Schweigens drüber werfen.»
Das meint auch der Dresdner Kreisvorsitzende Ingo Flemming. «Die Bürger haben eben nicht den Eindruck, dass Berlin den Schuss gehört hat», sagt er. «Und das ist das, was natürlich hier an der Basis zur Verhärtung führt, was natürlich auch zu einer Diskussion über den Bundeskanzler führt.»
Die Forderungen: Zuhören und Entscheiden
Die Kreisvorsitzenden aus dem gesamten Bundesgebiet, mit denen die Deutsche Presse-Agentur vor der Konferenz gesprochen hat, fordern einhellig vor allem drei Dinge von der Parteiführung: Dass sie der Basis zuhört, sich weniger mit sich selbst beschäftigt und Entscheidungen trifft, die für die Bürger spürbar sind.
Aber auch der Autoritätsverlust des Kanzlers in den letzten Monaten ist unter den Kreischefs Thema. Fehlende Führungsstärke wird bemängelt. Einzelne legen Merz nahe, den Parteivorsitz abzugeben.
Kreisvorsitzende als Sprachrohre der Basis
Die CDU hat knapp 330 Kreisverbände, die das Bindeglied zwischen den Ortsverbänden als kleinste Parteigliederungen und den Bezirks- und Landesverbänden bilden. Ihre Chefs sind quasi die Sprachrohre der Parteibasis. Mit 164 sind nur etwa die Hälfte der Kreisvorsitzenden angemeldet, was auch mit beruflichen Verpflichtungen zusammenhängt - die Konferenzen wurde an zwei Werktagen angesetzt.
Das Treffen zwischen CDU-Führung und -Basis findet mitten in einer der schwersten Krisen der Partei in ihrer 81-jährigen Geschichte statt. Im September ist die CDU in Mecklenburg-Vorpommern erstmals aus einem Landtag geflogen, auf Bundesebene ist sie nach der Wahl 2025 von der AfD in den Umfragen als stärkster Kraft abgelöst und weit abgehängt worden. Kanzler Merz kommt zudem auf historisch schlechte Beliebtheitswerte./mfi/DP/zb
(AWP)
