«Für den Wettbewerb ist es schmerzlich, dass ein weiterer Händler vom Markt verschwindet», sagte der Präsident der Monopolkommission, Tomaso Duso, und warnte vor einer zu hohen Marktkonzentration und damit Nachteilen für die Konsumentinnen und Konsumenten. «Die Behörden werden jetzt noch intensiver darauf achten müssen, dass die grossen Vier die Preise nicht hochtreiben oder Innovationen verhindern.» Mit den grossen Vier gemeint sind Edeka, Rewe, Aldi und die Schwarz-Gruppe, zu der Lidl und Kaufland zählen.
Das deutsche Bundeskartellamt hatte kürzlich grünes Licht gegeben für die Übernahme von 178 Tegut-Standorten durch Edeka. Damit darf sich die Handelskette 24 weniger Märkte einverleiben als geplant. Nach Einschätzung des Kartellamts wird dadurch verhindert, dass es in den betroffenen Regionen durch die Übernahme zu Verschlechterungen für die Konsumenten kommt.
Vier Grosse dominieren den Lebensmitteldetailhandel
An dieser Einschätzung hat die Monopolkommission aber Zweifel. Die vier grossen Handelsketten in Deutschland vereinten schon heute mehr als 90 Prozent der Umsätze des hiesigen Lebensmitteldetailhandels auf sich, heisst es von dem unabhängigen Beratungsgremium. «Ein zentraler Bereich der Versorgung in Deutschland ist damit in den Händen von nur vier Unternehmen», so Duso.
Das Sortiment sei weitgehend gleich, die Unternehmen könnten sich in einem sehr transparenten Markt recht leicht aufeinander einstellen. Die Lieferanten wiederum seien abhängig von den vier Grossen, es könne zu «Missbräuchen von Nachfragemacht» kommen. Die Lieferanten scheuten den Konflikt mit den vier Grossen. Das mache es für Behörden schwierig, solche Missbräuche abzustellen.
Die Monopolkommission hatte bereits im November 2025 in einem Sondergutachten vor einer hohen und zunehmenden Konzentration im Lebensmitteleinzelhandel gewarnt.
Entscheidung für Rewe steht noch aus
Die Migros Zürich hatte im März angekündigt, Tegut verkaufen zu wollen. Die deutsche Kette hat rund 300 Standorte. Auch andere deutsche Handelsketten wollen Filialen erwerben und weiterbetreiben.
Die Smart-Store-Kette Tante Enso erhielt im Juni bereits die Freigabe für 36 Supermärkte. Auch die Rewe-Gruppe möchte bis zu 40 Filialen übernehmen. Die Entscheidung steht noch aus. Was aus den übrigen Tegut-Filialen wird, ist noch unklar.
Tegut wurde 1947 in Fulda gegründet und gehört seit 2013 zur Migros-Gruppe. Laut der Migros hat Tegut knapp 7500 Beschäftigte. Die Marke soll aufgegeben werden.
ls/to
(AWP)
