Die Nestlé-Aktie gewinnt um 09.30 Uhr 2,1 Prozent auf 85,22 Franken (SMI -0,3 Prozent), das bisherige Tageshoch liegt mit 85,71 Franken noch etwas höher. Das Papier hatte sich in den letzten Wochen bereits stark erholt (+12 Prozent über letzte 2 Wochen) und lag vor dem heutigen Handelsbeginn rund 6 Prozent über dem Stand von Ende 2026.

Nestlé hat mit seinem internen Realwachstum (RIG) von 2,8 Prozent in der Periode von Juli bis September 2026 mehr als einen Prozentpunkt über dem AWP-Konsens abgeschnitten. Da die Verkaufsmenge in der ersten Hälfte der 2020er-Jahre wegen starker Preiserhöhungen (Covid, Ukraine-Krieg etc.) unter Druck geraten war, ist das Mengenwachstum unter dem seit gut einem Jahr amtierenden neuen CEO Philipp Navratil seit einiger Zeit nun stärker im Fokus.

Die ersten Kommentare von Analysten sind entsprechend sehr wohlwollend. Das US-Haus Bernstein etwa wertet die Quartalszahlen als «weiteren wichtigen Schritt bei der operativen Trendwende». Besonders der RIG habe positiv überrascht und der genannte Wert sei der höchste seit 2021.

Der zuständige Vontobel-Experte äussert sich ähnlich und wertet die Zahlen ebenfalls als «weiteren Beleg für die operative Erholung». Auch er betont vor allem die RIG-Entwicklung. Wachstumstreiber seien dabei vor allem die Bereiche Tiernahrung und Wasser gewesen, dagegen hätten Kaffee und insbesondere Nutrition enttäuscht.

Bei JPMorgan sieht man Nestlé nach vier Jahren mit praktisch stagnierendem Mengenwachstum auf dem «Weg zu einer nachhaltigen Erholung». Ein RIG von über 2 Prozent dürfte mittelfristig auch wieder ein organisches Wachstum von rund 4 Prozent ermöglichen, meint der zuständige Analyst. Für 2027 erwartet er Rückenwind durch einfachere Vergleichsbasiswerte im Bereich Nutrition und in den USA sowie eine Erholung des US-Geschäfts und eine bessere Entwicklung in den Schwellenländern. Und auch bei der Marge sieht er Potential.

Kaum Kritik

Kritische Kommentare gibt es derweil nicht allzu viele. Die britische Barclays Bank etwa weist trotz der starken Zahlen auf gewisse Risiken hin. Im vierten Quartal etwa drohten anspruchsvollere Vergleichswerte im US-Tiernahrungsgeschäft, heisst es. Kritisch wird auch das schwächere Preiswachstum bei gleichzeitig steigenden Produktionskosten bewertet.

Als einen Wermutstropfen sehen Analysten zudem die bevorstehende Dekonsolidierung des Russland-Geschäftes. Dieses hat laut Nestlé rund 3 bis 4 Prozent zum Gewinn beitragen, was entsprechend zu leichten negativen Gewinnschätzungsrevisionen führen wird. Für Vontobel hat die Russland-Sache aber auch etwas Gutes. Sie bringe zusätzliche Klarheit, wobei das Jahresergebnis 2026 nur begrenzt belastet werde.

uh/tt

(AWP)