Der Hersteller von Nespresso-Kaffee, Maggi-Würze und Purina-Tierfutter kommt bei der operativen Erholung unter dem seit Herbst amtierenden CEO Philipp Navratil voran. Im zweiten Quartal beschleunigte sich das organische Wachstum leicht auf 3,7 Prozent nach 3,5 Prozent im Vorquartal.
Besonders wichtig für Investoren: Das interne Realwachstum (RIG), das die Entwicklung der Absatzmengen misst, zog von 1,2 auf 1,8 Prozent an. Damit wurde das Wachstum ausgewogener von Preisen und Absatzmengen getragen. Preisanpassungen machten 1,9 Prozent aus.
«Es gibt noch mehr zu tun»
«Unsere vom internen Realwachstum getragene Wachstumsstrategie zeigt Wirkung», erklärte Konzernchef Philipp Navratil. Zwar habe Nestlé im ersten Halbjahr «gute Fortschritte erzielt», «aber es gibt noch mehr zu tun».
Getragen wurde die Entwicklung vor allem von den Schwellenländern sowie den Sparten Kaffee und Tierfutter. China stabilisierte sich nach dem tiefgreifenden Umbau des Geschäfts erstmals wieder und wuchs im zweiten Quartal wieder aus eigener Kraft. Auch in den Industrieländern blieb die Nachfrage nach Angaben des Konzerns robust.
Der ausgewiesene Halbjahresumsatz sank wegen negativer Währungseffekte leicht auf 43,1 Milliarden Franken. Diese Kennzahl ist für Anleger allerdings zweitrangig, da sie auch durch Wechselkurseffekte sowie Zu- und Verkäufe von Unternehmensteilen beeinflusst wird.
Profitabilität unter Druck
Bei der Profitabilität stand Nestlé weiter unter Druck. Hohe Kaffee- und Kakaopreise, US-Zölle sowie höhere Investitionen in Werbung, Innovation und Marken belasteten das Ergebnis. Die bereinigte operative Marge sank leicht auf 16,4 Prozent.
Analysten verwiesen zudem darauf, dass ausserdem ein positiver Einmaleffekt aus einer Änderung eines Pensionsplans für die Mitarbeitenden enthalten sei. Ohne diesen wäre die Margenentwicklung somit noch schwächer ausgefallen.
Der Reingewinn brach wegen Wertberichtigungen auf zum Verkauf stehende Geschäfte um rund einen Drittel auf rund 3,5 Milliarden Franken ein.
Den Ausblick bestätigte Nestlé im Wesentlichen. Weiterhin erwartet der Konzern ein organisches Wachstum von 3 bis 4 Prozent, wobei in der Formulierung das bisherige Wort «rund» gestrichen wurde. Die operative Marge soll sich gegenüber dem Vorjahr verbessern.
Beim Schuldenabbau kam Nestlé ebenfalls voran. Dank eines deutlich höheren freien Cashflows sank die Nettoverschuldung innert Jahresfrist auf 56,3 Milliarden Franken von 60,0 Milliarden im letzten Sommer. Für zusätzlichen Spielraum sollen künftig auch die Erlöse aus den laufenden Portfoliobereinigungen sorgen.
Auslagerung des Wassergeschäfts
Parallel zu den Halbjahreszahlen brachte Nestlé den seit langem erwarteten Umbau seines europäischen Wassergeschäfts unter Dach. Zusammen mit der US-Beteiligungsgesellschaft Platinum Equity gründet der Konzern das Gemeinschaftsunternehmen Peranel, an dem beide Partner je 50 Prozent halten.
Das Geschäft mit Marken wie Perrier, San Pellegrino, Acqua Panna, Vittel oder Henniez wird dabei mit 4,5 Milliarden Franken bewertet. Nestlé fliessen daraus nach Abschluss der Transaktion im ersten Halbjahr 2027 rund 2,8 Milliarden Franken zu.
Mit dem Schritt trennt sich Nestlé teilweise von einem seit Jahren schwächelnden Geschäft, das zuletzt unter dem Mineralwasserskandal in Frankreich litt. Gleichzeitig schärft Navratil den Fokus des Konzerns auf die vier Kernbereiche Kaffee, Tierfutter, Ernährung sowie Nahrungsmittel und Snacks.
Trotz der operativen Fortschritte reagierten die Anleger enttäuscht. Die Aktien sackten zeitweise um 7 Prozent ab.
to/uh
(AWP)
