Das organische Wachstum beschleunigte sich im dritten Quartal 2026 auf 4,0 Prozent nach 3,7 Prozent im Vorquartal. Vor allem die Absatzmengen legten kräftig zu. Diesbezüglich handelte es sich um das beste Quartal seit dem vierten Quartal 2021: Das sogenannte interne Realwachstum (RIG) erreichte 2,8 Prozent nach 1,8 Prozent im zweiten und 1,2 Prozent im ersten Quartal. Preiserhöhungen steuerten noch 1,1 Prozentpunkte bei.

Damit übertraf Nestlé die Erwartungen klar. Von der Nachrichtenagentur AWP befragte Analysten hatten lediglich 3,5 Prozent organisches Wachstum und 1,7 Prozent Mengenwachstum erwartet. Der Umsatz blieb in den ersten neun Monaten mit 65,87 Milliarden Franken praktisch auf Vorjahresniveau.

Katzenfutter und Hitzesommer helfen

Besonders stark entwickelte sich das Wassergeschäft. Dank des heissen Sommers in Europa wuchs es organisch um 12,3 Prozent. Das Tierfuttergeschäft legte um 5,3 Prozent zu. In Nordamerika verbesserte sich die Verfügbarkeit von Katzenfutter, während sich der Kaffeeabsatz nach früheren Preiserhöhungen erholte.

Auch Lebensmittel und Snacks mit Marken wie Maggi und Kitkat liefen gut. In China beschleunigte sich das Wachstum auf 4,2 Prozent, wobei eine niedrige Vergleichsbasis half. Schwach blieb dagegen das Geschäft mit Babynahrung und Nahrungsergänzungsmitteln.

Für den seit gut einem Jahr amtierenden Konzernchef Philipp Navratil ist vor allem das Mengenwachstum entscheidend. Nach Jahren hoher Preiserhöhungen und schwachen Verkäufen hat er die Rückkehr zu nachhaltigem Wachstum zur obersten Priorität erklärt. Dazu investiert Nestlé stärker in Marken, Innovationen und Werbung und will gleichzeitig Kosten senken.

«Ich bin zuversichtlich, dass wir auf dem richtigen Weg sind», sagte Navratil in einer Telefonkonferenz mit Analysten. «Ich freue mich über unsere Fortschritte. Aber zufrieden bin ich noch nicht.» Er pocht weiter auf den Fokus auf stärkere Marken, neue Produkte und einen effizienteren Konzern.

Analysten sehen Trendwende

An der Börse sorgten die Zahlen für Freude. Die Nestlé-Aktie gewann am Donnerstagvormittag zeitweise bis zu 2,6 Prozent, während der Leitindex SMI leicht nachgab. Bereits in den beiden vorangegangenen Wochen hatte der Titel kräftig zugelegt.

Das Analystehause Bernstein sprach von einem weiteren wichtigen Schritt bei der operativen Trendwende. Auch die Bank Vontobel sieht die Erholung bestätigt. Die US-Bank JPMorgan hält nach vier Jahren mit praktisch stagnierenden Absatzmengen eine nachhaltige Verbesserung für möglich.

Ein Unsicherheitsfaktor bleibt Russland. Nachdem Moskau die Kontrolle über die dortigen Nestlé-Gesellschaften übernommen hat, nimmt der Konzern das Geschäft ab dem vierten Quartal aus seiner Rechnung. Damit fallen Vermögenswerte von rund 1,6 Milliarden Franken aus der Bilanz. Hinzu kommt eine nicht liquiditätswirksame Belastung von rund 1,4 Milliarden aus Wechselkurseffekten.

Russland steuerte bisher rund 2 Prozent zum Umsatz und 3 bis 4 Prozent zum bereinigten Betriebsgewinn bei. Ab dem vierten Quartal fällt dieser Beitrag weg. Die Folgen für die bereinigte Gewinnmarge 2026 sollen laut Nestlé aber begrenzt bleiben.

Prognose bleibt unverändert

Trotz des Absatzschubs bleibt das Management vorsichtig. Für das Gesamtjahr erwartet Nestlé weiterhin ein organisches Wachstum von 3 bis 4 Prozent und eine Verbesserung der bereinigten operativen Marge.

Finanzchefin Anna Manz wollte auch auf Nachfrage keine höhere respektive engere Prognose in Aussicht stellen. Bei Lebensmitteln und Snacks hätten teilweise vorgezogene Weihnachtsbestellungen geholfen. Zudem werde die Vergleichsbasis im US-Tierfuttergeschäft im Schlussquartal anspruchsvoller, sagte sie.

Analysten sehen aber weitere Chancen für 2027, etwa durch die Erholung in den USA und den Schwellenländern. Barclays mahnt allerdings zur Vorsicht: Das schwächere Preiswachstum bei steigenden Produktionskosten könnte die Margen belasten. Nestlé müsse nun zeigen, dass der Absatzschub von Dauer ist, hiess es.

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(AWP)