Nestlé erklärte am Freitag in einer kurzen Stellungnahme, alle notwendigen Schritte unternehmen zu wollen, um seine Rechte in Russland zu schützen und den Geschäftsbetrieb aufrechtzuerhalten. Welche Optionen der Konzern konkret prüft, liess er offen.

Russlands Präsident Wladimir Putin hatte am Donnerstag die beiden lokalen Nestlé-Gesellschaften Nestlé Russia und Nestlé Kuban unter vorübergehende externe Verwaltung gestellt. Nestlé bleibt demnach Eigentümer, verliert aber die Kontrolle über die Gesellschaften.

Der Kreml begründete den Schritt am Freitag mit der Herkunft der betroffenen Unternehmen aus sogenannten «unfreundlichen Ländern». Diese unterstützten die Ukraine militärisch und seien an Handlungen gegen Russland beteiligt, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow.

Die Schweiz trägt unter anderem die internationalen Sanktionen gegen Russland mit. Neben Nestlé aus der Schweiz sind etwa auch der Detailhändler Auchan und das frühere Russland-Geschäft der Baumarktkette Leroy Merlin aus Frankreich von der Zwangsverwaltung betroffen.

Schweizer Behörden besorgt

Die Schweizer Behörden zeigten sich derweil «besorgt» über die Zwangsverwaltung des Russlandgeschäfts von Nestlé. Das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) und das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) stehen deswegen seit einigen Wochen in engem Kontakt mit dem Schweizer Nahrungsmittelkonzern, erklärte ein Seco-Sprecher in einer Stellungnahme.

Man unterstütze Nestlé auf diplomatischem Weg, so der Sprecher weiter. Ziel der Unterstützung durch die Schweiz sei es, Nestlé die Möglichkeit zu verschaffen, ihren Standpunkt gegenüber den russischen Behörden darzulegen und auf eine Rücknahme der Zwangsverwaltung hinzuwirken.

Aktie gibt nach

An der Börse kam die Nachricht schlecht an. Die Nestlé-Aktien lagen am Freitagnachmittag an einem insgesamt schwächeren Schweizer Gesamtmarkt mit rund 2,4 Prozent im Minus, während sich der Gesamtmarkt kaum bewegte. Analysten stuften die finanziellen Folgen allerdings als überschaubar ein.

Die US-Grossbank JPMorgan schätzte, dass Russland für rund 2 Prozent des Gesamtumsatzes von Nestlé von gut 89 Milliarden Franken und 3 Prozent des operativen Gewinns steht. Ein vollständiger Verlust des Geschäfts könnte den Gewinn je Aktie um 3 bis 4 Prozent schmälern. Die Bank Vontobel geht wegen des seit 2022 stark reduzierten Geschäfts inzwischen sogar von nur noch etwas mehr als 1 Prozent Umsatzanteil aus.

Den Wert der Russland-Aktivitäten von Nestlé schätzt die Luzerner Kantonalbank auf rund 1,75 Milliarden Franken. Bei einem Verlust könnten entsprechende Abschreibungen nötig werden. Vontobel sieht zudem das Risiko, dass Nestlé bei einem Verkauf nur ungünstige Konditionen erzielen könnte.

Welche Optionen bleiben?

Wie es weitergeht, ist offen. Denkbar sind rechtliche Schritte, Verhandlungen mit Moskau oder letztlich ein Verkauf. Auch eine längere Fremdverwaltung ist möglich. Die ZKB sieht Nestlé dabei in einem Dilemma: Zusätzliche Investitionen könnten Reputations- und Boykottrisiken auslösen, ohne Investitionen drohe dagegen der Verlust des Geschäfts.

Wie ein Ausstieg enden könnte, zeigen andere westliche Konzerne. Danone verlor 2023 unter der Fremdverwaltung die Kontrolle über sein Russland-Geschäft und verkaufte es 2024 für rund 180 Millionen Euro. Dabei verbuchte der Konzern einen Verlust von 1,2 Milliarden Euro. Carlsberg verkaufte sein Russland-Geschäft nach einem ähnlichen Eingriff Ende 2024 für 320 Millionen Dollar. Heineken gab seine russische Tochter sogar für den symbolischen Preis von einem Euro ab und schrieb 300 Millionen Euro ab.

Nestlé hatte sein Russland-Geschäft nach dem Angriff auf die Ukraine 2022 stark zurückgefahren, sich aber gegen einen vollständigen Rückzug entschieden. Der Konzern betreibt dort weiterhin sechs Produktionsstandorte. Dazu gehört in Timaschewsk in der Schwarzmeer-Region eine der weltweit grössten Nestlé-Fabriken für löslichen Kaffee, in der unter anderem Nescafé produziert wird.

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(AWP)