Das russische Unternehmen KS Logistika hatte Präsident Wladimir Putin Mitt August aufgefordert, fünf russische Nestlé-Gesellschaften unter eine vorübergehende Verwaltung zu stellen. Eine solche Massnahme kann ein erster Schritt zu einem späteren Eigentümerwechsel sein.
KS Logistika begründet den Vorstoss demnach unter anderem damit, dass Nestlé seine Produktionskapazitäten nicht ausbaue und keine in Russland hergestellten Waren mehr exportiere.
Ein Rückzug aus dem Land sei kein Thema, sagte ein Nestlé-Sprecher damals. Nestlé hatte nach dem russischen Angriff auf die Ukraine 2022 entschieden, sein Geschäft in Russland trotz Kritik nicht vollständig einzustellen. Der Konzern begründete dies damals damit, dass als Lebensmittelhersteller auch in Konfliktregionen die Bevölkerung weiterhin mit grundlegenden Nahrungsmitteln versorgen wolle.
Nestlé erwirtschaftet in Russland rund 2 Prozent des Konzernumsatzes. Das Unternehmen betreibt sechs Produktionsstandorte in Russland und stellt dort unter anderem Kaffee, Süsswaren, Babynahrung und Tierfutter her.
Russland verschärfte in den vergangenen Jahren die Rahmenbedingung für ausländische Unternehmen. Unter anderem schuf das Regime Instrumente, um mehr Einfluss auf Firmen nehmen zu können.
Nestlé hatte nach dem russischen Angriff auf die Ukraine 2022 entschieden, sein Geschäft in Russland nicht vollständig einzustellen. Der Konzern begründete dies damals damit, dass als Lebensmittelhersteller auch in Konfliktregionen die Bevölkerung weiterhin mit grundlegenden Nahrungsmitteln versorgen wolle.
Die Analysten der US-Bank JPMorgan hielten Mitte August einen Verlust des Russland-Geschäfts für möglich. Sollte Nestlé zu einem Verkauf gezwungen werden und dabei kaum einen Erlös erzielen, könnte dies den Gewinn je Aktie um rund 3 bis 4 Prozent schmälern.
JPMorgan erwartete zudem, dass die Entwicklung den Druck auf Nestlé erhöhen könnte, sich ganz aus Russland zurückzuziehen. Der Fall wäre kein Novum: Der französische Lebensmittelkonzern Danone verlor 2023 die Kontrolle über sein Russland-Geschäft, nachdem die Behörden es unter vorübergehende staatliche Verwaltung gestellt hatten. Danone verkaufte das Geschäft 2024 schliesslich für rund 180 Millionen Euro und verbuchte insgesamt einen Verlust von 1,2 Milliarden Euro.
Ähnlich erging es dem dänischen Brauereikonzern Carlsberg. Dessen Russland-Geschäft wurde ebenfalls 2023 unter staatliche Verwaltung gestellt. Ende 2024 schloss Carlsberg den Rückzug mit einem Management-Buyout über 320 Millionen Dollar ab. Heineken wiederum gab seine russische Tochter für den symbolischen Preis von einem Euro ab und verbuchte einen Verlust von insgesamt 300 Millionen Euro.
(AWP/cash)
