Zum ersten Vorfall sagte Israels Armee weiter, Soldaten seien in der Stadt Dschenin, die als Hochburg militanter Palästinenser gilt, im Einsatz gewesen. Soldaten hätten auf den mutmasslichen Angreifer geschossen. Auf israelischer Seite habe es keine Verletzten gegeben. Palästinensischen Medien zufolge widersetzte sich der Getötete israelischen Einsatzkräften, als diese sein Haus stürmten. Dabei sei er erschossen worden.

Mehrere Medien berichteten übereinstimmend, der Mann sei der Vater eines Palästinensers gewesen, der im April 2022 bei einem Anschlag in Israels Küstenmetropole Tel Aviv drei Menschen tötete. Demnach lobte der Vater seinen Sohn damals für die Tat.

Radikale Siedler belagern weiter Häuser in Kusra

In dem Dorf Kusra, das ebenfalls im Norden des Westjordanlands liegt, belagern radikale israelische Siedler Berichten zufolge unterdes weiterhin die Häuser mehrerer palästinensischer Bewohner. Die palästinensische Nachrichtenagentur Wafa meldete unter Berufung auf den Dorfvorsteher Abdul Asim al-Wadi, dass die Betroffenen weiterhin ihre Häuser nicht verlassen könnten. Demnach sind Lebensmittel und einige Medikamente bereits knapp.

Ein Angehöriger der Bewohner sagte jüngst, diese blieben in ihren Häusern aus Angst, Siedler könnten sie andernfalls besetzen. Der siedlerfreundliche US-Botschafter Mike Huckabee nannte die Siedler in Kusra zuletzt «israelische Terroristen».

Verschärfte Gewalt seit Hamas-Massaker

Die Lage im besetzten Westjordanland hat sich seit dem Hamas-Massaker am 7. Oktober 2023 in Israel und dem dadurch ausgelösten Gaza-Krieg noch einmal verschärft. Nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums wurden im Westjordanland seitdem mehr als 1.105 Palästinenser bei israelischen Militäreinsätzen, bewaffneten Auseinandersetzungen und eigenen Anschlägen getötet.

Aber auch die Gewalt radikaler israelischer Siedler gegen Palästinenser hat stark zugenommen. Dem israelischen Militär wird dabei immer wieder vorgeworfen, nicht entschlossen genug gegen solche Angriffe vorzugehen.

Umstrittenes Siedlungsprojekt im Westjordanland

Für Unruhe im Westjordanland sorgt zudem, dass Israel zugleich ein äusserst umstrittenes Siedlungsvorhaben vorantreibt. Das Bauministerium hatte diese Woche eine Ausschreibung für den Bau von mehr als 1.200 Wohneinheiten für das Projekt veröffentlicht. Konkret geht es um das sogenannte E1-Gebiet zwischen Ost-Jerusalem und der Siedlung Maale Adumim.

Eine Bebauung in dem Gebiet würde das Westjordanland faktisch in einen nördlichen und einen südlichen Teil aufspalten. Damit würde die Schaffung eines zusammenhängenden Territoriums für einen künftigen palästinensischen Staat erschwert oder gar unmöglich gemacht./mak/DP/jha

(AWP)