Der Delegierte für wirtschaftliche Landesversorgung, Roland Pfister, bewilligte die Freigabe der Pflichtlager für Protein-Futtermittel, wie die Wirtschaftliche Landesversorgung (WL) am Montag mitteilte. Konkret handelt es sich um eine sogenannte temporäre Bedarfsdeckungsunterschreitung. Diese erlaubt es den Unternehmen, ab dem 1. September 2026 auf die Lager zuzugreifen.
Bis Ende Februar 2027 dürfen maximal 20 Prozent der eingelagerten Protein-Futtermittel - knapp 16'000 Tonnen - aus den Pflichtlagern bezogen werden. Betroffen sind eiweissreiche Futtermittel wie Sojaschrot, das für die Rindvieh-, Schweine- und Geflügelhaltung verwendet wird.
Engpass bei Transport, nicht bei Ware
Der Grund für den Engpass liegt nicht bei der Verfügbarkeit der Ware, sondern bei den Transportwegen in die Schweiz. Auf dem Weltmarkt sind laut WL genügend Proteinträger erhältlich. Wegen des wochenlangen Niedrigwassers auf den zentralen Schifffahrtsrouten Rhein und Donau stocken jedoch die Importe. Da auch andere Güter vermehrt auf Strasse und Schiene transportiert werden, sind die Kapazitäten für die Futtermittelimporteure ausgelastet.
Die Versorgung der Schweiz mit anderen lebenswichtigen Gütern sei derzeit sichergestellt. Erschwerend zur Transportproblematik kommt hinzu, dass wegen der anhaltenden Trockenheit weniger Raufutter für die Tiere verfügbar ist.
Es ist erst das zweite Mal, dass eine solche Freigabe dieses Pflichtlagers erfolgt, wie es vom Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung (BWL) auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA hiess. 2018 wurde ebenfalls wegen des Rhein-Niedrigwassers eine Freigabe von Pflichtlagern für proteinhaltige Futtermittel bewilligt. Zu tatsächlichen Bezügen kam es damals jedoch nicht, da sich die Versorgungslage rasch wieder entspannte.
Abhängigkeit von Soja-Importen
Bei den Proteinträgern handelt es sich um eiweissreiche Bestandteile von Tierfutter. Eine besondere Bedeutung kommt dabei dem Sojaschrot zu, bei dem die Schweiz fast vollständig von Importen abhängig ist. Sojaschrot ist ein Nebenprodukt, das bei der Herstellung von Sojaöl aus Sojabohnen anfällt.
Futtermittelhersteller verarbeiten den Sojaschrot zusammen mit Getreide und anderen Komponenten zu Mischfutter. Dieses wird insbesondere in der Haltung von Rindvieh, Schweinen und Geflügel eingesetzt. Die Pflichtlager für Protein-Futtermittel sind darauf ausgelegt, den Bedarf für zwei Monate zu decken.
(AWP)
