Einschätzungen von Ökonomen zu den geldpolitischen Beschlüssen im Überblick:
Bernd Weidensteiner, Volkswirt bei der Commerzbank
«Die Fed hat auf ihrer heutigen Sitzung die Leitzinsen erwartungsgemäss unverändert gelassen. Die Entscheidung fiel mit zwei Gegenstimmen, die eine Zinserhöhung befürworteten. Offensichtlich will die Notenbank zunächst weitere Informationen sammeln. Wir erwarten weiterhin, dass die kommenden Daten einen anhaltend hohen Inflationsdruck zeigen werden und rechnen daher mit einer Zinserhöhung bei der nächsten Sitzung im Dezember.»
Elmar Völker, Analyst bei der Landesbank Baden-Württemberg
«Mit Blick auf die nächste Fed-Sitzung im Dezember dürften sich die Gewichte der Argumente pro und contra Zinsanhebung u.E. massgeblich zur 'Pro-Seite' verschieben. Es gilt nicht zuletzt zu berücksichtigen, dass die weit überwiegende Mehrheit der US-Währungshüter im September ausweislich der damaligen Leitzinsprojektion eine weitere Zinsanhebung bis Jahresende 2026 für angemessen hielt. Dass bis dato jegliche Entspannung bei den Energiepreisen fehlt, verleiht der Eindeutigkeit des damaligen Meinungsbilds einstweilen zusätzlichen Nachdruck. Wir vermuten, dass die US-Notenbanker selbst im Falle einer günstigen Entwicklung im Nahen Osten bis zur Dezember-Sitzung nicht von der ins Auge gefassten Zinsanhebung abrücken würden.»
Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank
«Im Dezember, wenn die Währungshüter das nächste Mal tagen, wird es aber zu einer erneuten Zinsanhebung kommen. Die Pressemitteilung lässt keine andere Schlussfolgerung zu: Die Fed betont darin, dass sich die wirtschaftliche Aktivität kräftig ausweitet. Während die Unsicherheit - unter anderem aufgrund geopolitischer Entwicklungen - weiterhin hoch bliebe, würden sich die inländischen Ausgaben als widerstandsfähig erweisen. Die Inflation bleibe weiterhin hoch. (...) Die Fed wird diesen falkenhaften Worten Taten folgen lassen. Eine Zinsanhebung im Dezember ist nahezu in Stein gemeisselt. Zwei Ratsmitglieder hätten bereits jetzt im Oktober den Leitzins weiter angehoben. Dazu zählen Lisa Cook und Beth Hammack.»
Timo Emden, Chefmarktanalyst von CapTrader
«Die Fed vermeidet es, in einem unsicheren Umfeld vorschnell am geldpolitischen Steuer zu drehen. Der geldpolitische Motor läuft damit weiterhin bei unveränderter Drehzahl. Für die US-Notenbank dürfte es ein Drahtseilakt bleiben, die Inflation nachhaltig zu bekämpfen, ohne den Konjunkturmotor zum Stottern zu bringen.»
Samuel Tombs, US-Chefvolkswirt Pantheon Macroeconomics
«Wir gehen weiterhin davon aus, dass der Ausschuss die Zinsen im Dezember um 25 Basispunkte anheben wird, da ein durch die Energiepreise bedingter Anstieg der Kernwarenpreise die Kern-PCE-Inflation im vierten Quartal leicht nach oben treiben wird. Ein bis ins Jahr 2027 andauernder Zinserhöhungszyklus erscheint jedoch weiterhin unwahrscheinlich. Die Unterstützung des BIP-Wachstums durch steigende Aktienkurse und fiskalische Impulse wird nachlassen, und die Arbeitslosenquote dürfte langsam ansteigen, da die KI die Arbeitsnachfrage im Dienstleistungssektor belastet. Wir gehen weiterhin davon aus, dass sich die Risikobilanz im Jahr 2027 rasch verschieben wird, was den Ausschuss dazu veranlassen wird, bis Mitte des Jahres die geldpolitische Lockerung wieder aufzunehmen und die Zinsen bis zum Jahresende um insgesamt 75 Basispunkte zu senken.»/jsl/he
(AWP)
