Die Entspannung erklärten Beobachter mit Gewinnmitnahmen nach dem jüngsten Höhenflug. Zudem sorgten die von US-Präsident Donald Trump eingeführten Zölle auf 60 Handelspartner für Verunsicherung. Diese könnten die Weltwirtschaft belasten und so die Nachfrage nach Rohöl dämpfen.
Eine Entspannung der Lage im Nahen Osten ist allerdings nicht in Sicht. Trump versucht im Konflikt, um die Strasse von Hormus den Druck auf den Iran zu erhöhen. Während das US-Militär in der 13. Nacht in Folge Ziele in dem Land bombardierte, kündigte Trump an, Schäden an Schiffen und Frachtgut würden von den USA ab sofort mit iranischem Geld beglichen. Gemeint sind offensichtlich Teherans eingefrorene Vermögenswerte. Der Iran bleibt jedoch hart.
Der zwischenzeitlich von den Konfliktparteien zurückgefahrene Iran-Krieg war Anfang des Monats aufs Neue eskaliert, nachdem Irans Streitkräfte Handelsschiffe in der Strasse von Hormus beschossen hatten. Am Donnerstag war der Brent-Preis zeitweise über 101 Dollar gestiegen, nachdem er zum Wochenstart noch bei rund 88 Dollar gelegen hatte.
Der jüngste Preissprung wurde auch vom Eingreifen der mit dem Iran verbündeten Huthi-Miliz aus dem Jemen ausgelöst. Die hatte Angriffe auf zwei saudische Öltanker für sich reklamiert, die eine von ihr ausgerufene «Blockade» im Roten Meer missachtet hätten. Damit ist eine weitere kritische Front entstanden. Denn: Das Rote Meer ist für Saudi-Arabien eine wichtige alternative Exportroute, auf die zumindest ein Teil des Ölverkehrs umgeleitet werden kann, der sonst durch die Strasse von Hormus geht
Sollte der Verkehr im Roten Meer minimal werden, wäre mit einem Ölpreis von 120 Dollar zu rechnen, sagte Jay Hatfield, Geschäftsführer vom Investmenthaus Infrastructure Capital Management der Nachrichtenagentur Bloomberg. «Wenn kein Transport stattfindet, muss man sparsam mit dem Öl umgehen. Und Sparsamkeit erreicht man durch höhere Preise.»
In den Fokus rückt zudem Kasachstan. Das ölreiche zentralasiatische Land hatte am Vortag nach massenhaften ukrainischen Drohnenschlägen in Russland eine Drosselung seiner Fördermengen bekanntgegeben. Das Energieministerium in der Hauptstadt Astana begründete den Schritt mit der Sicherheitslage am Terminal des Kaspischen Pipeline-Konsortiums im russischen Schwarzmeer-Hafen Noworossisjk. Die Verladestelle für das über die Kaspische Pipeline transportierte Öl war zuletzt wiederholt das Ziel ukrainischer Drohnenangriffe./jsl/jha/
(AWP)
