Ein Barrel (159 Liter) Rohöl der Referenzsorte Brent aus der Nordsee mit Lieferung im November wurde bei 94,38 US-Dollar gehandelt. Das ist ein Plus von mehr als vier Prozent im Vergleich zum Vortag; damit wurde der höchste Stand seit gut einer Woche erreicht.
Der Preis für Rohöl der US-Sorte Brent kletterte erstmals seit Ende Juli wieder über 90 Dollar. Auch hier betrug der Aufschlag zuletzt gut vier Prozent.
Bereits am Montag waren die Ölpreise zeitweise um zweieinhalb Prozent gestiegen, nachdem der Iran-Krieg nach gegenseitigen Militärschlägen der USA und des Iran wieder eskaliert war. Darüber hinaus meldete das auf maritime Sicherheit spezialisierte Beratungsunternehmen Marisks, dass jüngst zwei Rohöl-Tanker von unbekannten Geschossen getroffen worden seien. Dessen Angaben zufolge befanden sich beide Schiffe gerade auf der Ausfahrt aus dem Persischen Golf.
Zuvor hatte bereits die britische Behörde zur Sicherheit der Schifffahrt in der Nacht gemeldet, dass in der Strasse von Hormus erneut ein Öltanker angegriffen worden sei. Demnach wurde er während der Ausfahrt aus der Meerenge von Geschossen getroffen. Wer für den Angriff verantwortlich war, blieb unklar.
Für den jüngsten Schub beim Ölpreis sorgte die Nachricht, dass das US-Militär nach eigenen Angaben neue Angriffe gegen den Iran gestartet hat. Die Angriffe seien eine Reaktion auf die jüngsten Angriffsversuche der iranischen Revolutionsgarden gegen die Handelsschifffahrt in der Strasse von Hormus und gegen in der Region stationierte US-Soldaten, hiess es von dem für die Region zuständige US-Militärkommando.
«Die in der letzten Woche aufgekommenen Hoffnungen auf eine baldige Öffnung der Strasse von Hormus für den Schiffsverkehr haben einen herben Dämpfer erhalten», sagte Rohstoffexperte Carsten Fritsch von der Commerzbank. Am Markt herrsche derzeit Ungewissheit, wie es mit dem Iran-Krieg weitergehe, beschrieb Rohstoffstratege Bart Melek von der kanadischen Investmentbank TD Securities die Stimmung. Er rechnet eher mit weiter steigenden Rohölpreisen, da es «keine Anzeichen dafür gibt, dass der normale Transit durch die Strasse von Hormus in naher Zukunft wieder aufgenommen wird».
Die Analysten Salih Yilmaz und Will Hares von der internen Research- und Analyseabteilung der Nachrichtenagentur Bloomberg wiesen darauf hin, dass zwar in den letzten Wochen einige Massnahmen und Entwicklungen dazu beigetragen hätten, den Brent-Preis unter 100 Dollar je Barrel zu halten. Die Experten verwiesen auf unbemerkt gebliebene Transporte, Ausweichrouten und die Erholung der Exporte aus der Golfregion.
Doch die erneuten Feindseligkeiten zwischen den USA und dem Iran unterstreichen den Analysten zufolge das Risiko, dass weitere Beeinträchtigungen einen ohnehin schon angespannten Markt schnell in ein noch viel engeres Gleichgewicht treiben könnten. In einem solchen Fall könnte das Angebot die Nachfrage nur noch gerade so bedienen, und schon kleine Störungen in der Lieferkette könnten zu einem rasanten Preisanstieg führen.
Allgemein wird immer mehr damit gerechnet, dass die Feindseligkeiten zwischen den USA und dem Iran noch über Monate andauern könnten. Hinzu kommt der Krieg zwischen Russland und der Ukraine mit immer neuen Angriffen auf die russische Ölindustrie, die derzeit das Angebot insbesondere bei Diesel verknappen./jkr/jsl/he/la/he
(AWP)
