Im letzten Jahrzehnt hat sich China immer stärker von der «Werkbank der Welt» hin zu einem Standort für Hochtechnologien gewandelt. So hat das Land etwa eine eigene Chipindustrie aufgebaut und auch im Automobilsektor hat das Land mindestens zu den westlichen Anbietern aufgeschlossen.
Darüber hinaus treten chinesische Anbieter auch zunehmend als Mitbewerber in den Branchen Maschinenbau, Elektrotechnik, Chemie und Medizintechnik auf, wie die Experten der UBS in ihrem am Donnerstag publizierten Wirtschaftsausblick für die Schweiz schreiben.
Eintrittshürden schützen Pharmabranche
Wie schnell eine Industrie durch chinesische Konkurrenz durcheinandergewirbelt werden kann, zeigt das Beispiel Deutschland. Hier haben chinesische Autobauer vor allem im E-Autos-Segment die grossen deutschen Konzerne teils hinter sich gelassen und ihnen deutlich Marktanteile abgenommen. Mit ein Grund für die tiefe Krise der deutschen Autoindustrie.
In der Schweiz hat die Pharma-Branche einen ähnlichen Stellenwert, wie die Autos in Deutschland. UBS-Ökonomin Meret Mügeli sieht aber keine direkten Parallelen. «Die Lage ist im Moment nicht so bedrohlich, wie für die deutsche Autoindustrie», sagte sie.
Insbesondere die hohen Eintrittshürden würden die Pharmaindustrie schützen. So gebe es ein hohes Mass an Regulierungen, Patenten oder auch Vorschriften für klinische Studien, welche einen Markteintritt deutlich verlangsamten. Ein Auto zu entwickeln gehe dagegen deutlich schneller.
China als Chance für die Pharma-Branche
China wird von der Schweizer Pharmabranche derzeit eher als Chance denn als Bedrohung gesehen. Dies gilt insbesondere mit Blick auf die Produktpipelines. So wird mittlerweile rund ein Drittel aller klinischen Studien von chinesischen Biotechunternehmen durchgeführt. Auch Lizenzvereinbarungen mit chinesischen Unternehmen gewinnen an Bedeutung.
Gleichzeitig entwickelt sich der Handel weiterhin positiv. Die Exporte des Schweizer Pharmasektors sind in den vergangenen Jahren weiter gestiegen. Auch China importiert nach wie vor mehr Pharmaprodukte.
Dennoch dürfe sich die Schweizer Pharmabranche nicht in Sicherheit wiegen, warnte Mügeli. Entscheidend sei, dass neben den Exporten auch möglichst viele Innovationen und Vorleistungen in der Schweiz blieben. Nur so lasse sich die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts langfristig sichern.
Wichtig seien zudem Freihandelsabkommen mit wachstumsstarken Märkten, um den Marktzugang zu sichern. Das aufgefrischte Freihandelsabkommen mit China sei in diesem Zusammenhang ein gutes Signal.
cg/ra
(AWP)
