Die Unternehmen fordern in einem am Dienstag veröffentlichten offenen Brief unter anderem höhere Gesundheitsausgaben, schnellere klinische Studien, einen stärkeren Schutz geistigen Eigentums und eine innovationsfreundliche Digitalpolitik.

Unterzeichnet ist der Aufruf von den Verwaltungsratspräsidenten bzw. Konzernchefs von AstraZeneca, Boehringer Ingelheim, Chiesi, Ipsen, GSK, Novo Nordisk, Novartis, Roche und Sanofi. Die Manager kritisieren, dass Regierungen Medikamente zu stark als Kostenfaktor betrachteten, Budgets begrenzten und Ausgaben nicht ausreichend an Inflation und steigenden Bedarf anpassten.

Forschungsanteil gesunken

Der Anteil Europas an der weltweiten Pharmaforschung sei in der Folge von 43 Prozent im Jahr 1990 auf heute 31 Prozent gesunken und gehe weiter zurück. Auch bei kommerziellen klinischen Studien verliere Europa an Bedeutung. Ihr Anteil habe sich innerhalb eines Jahrzehnts auf 9 Prozent halbiert. China habe Europa bei klinischen Studien, Pharma-Patenten und der Entwicklung neuer Medikamente überholt.

Für Patienten habe diese Entwicklung konkrete Folgen. Rund 40 Prozent der neu zugelassenen Therapien erreichten europäische Patienten demnach nicht. Bei den verfügbaren Medikamenten vergingen im Schnitt fast 600 Tage bis zur Behandlung.

Entscheidende Hebel

Die EU könne durch schnellere klinische Studien, den Schutz geistigen Eigentums und eine innovationsfreundliche Digitalpolitik gegensteuern. Zugleich brauche es mehr finanziellen Spielraum für Mitgliedstaaten, die in Gesundheit und innovative Medikamente investieren.

Die entscheidenden Hebel lägen bei den nationalen Regierungen, etwa bei den Gesundheitsbudgets, der Geschwindigkeit von Bewertungs- und Finanzierungsentscheiden sowie der Modernisierung der Gesundheitssysteme.

Gemeinsame Vorstösse

Der Vorstoss ist nicht die erste gemeinsame Warnung der Branche. Bereits im April 2025 hatten rund 32 Pharmaunternehmen die EU-Kommission vor einer Verlagerung von Forschung, Entwicklung und Produktion in die USA gewarnt.

Die heutigen Unterzeichner fordern nun, moderne Medikamente ähnlich wie Verteidigung oder Energie als strategische Infrastruktur zu behandeln. Europa könne seine Wettbewerbsfähigkeit zurückgewinnen, wenn Gesundheit und innovative Arzneimittel stärker als strategische Investitionen betrachtet würden.

ra/tp

(AWP)