28. WEF-Afrikatagung - WEF-Gründer Klaus Schwab: «Afrika kann sich keinen Rückstand leisten»

Afrika braucht nach Ansicht von Weltwirtschaftsforums-Gründer Klaus Schwab neue Regelwerke für seine wirtschaftliche Entfaltung. Die 28. WEF-Afrikatagung wurde überschattet von Protesten.
05.09.2019 13:23
Die 28. WEF-Afrikatagung findet in Kapstadt statt.
Die 28. WEF-Afrikatagung findet in Kapstadt statt.
Bild: ZVG

Der Kontinent könne als Katalysator für den Sprung in die technologischen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts dienen. "Afrika kann es sich nicht leisten, zurückzubleiben", forderte Schwab bei der offiziellen Eröffnung der bereits am Vortag begonnen kontinentalen Tagung des Weltwirtschaftsforums (WEF). Er empfahl Afrikas Regierungen spezielle Digitalisierungs-Minister.

Das Treffen war überschattet von Protesten in einigen afrikanischen Staaten gegen gewalttätige Übergriffe und Plünderungen in dem Kap-Staat, die sich überwiegend gegen Ladenbesitzer und Lastwagenfahrer aus anderen afrikanischen Staaten richteten. In Nigeria etwa wurde Südafrikas Botschaft vorübergehend geschlossen. "Hier in Südafrika machen wir gerade eine schwierige Zeit durch", gab der südafrikanische Finanzminister Tito Mboweni zu und meinte: "Eine Mehrheit der Südafrikaner ist dagegen, was da passiert ist."

Mboweni vertrat bei der Eröffnung den Präsidenten des Gastgeber-Landes, Cyril Ramaphosa, der laut WEF-Organisatoren unvorhergesehen ins Parlament gerufen wurde. Mboweni musste sich vor diesem Hintergrund auch Fragen afrikanischer Teilnehmer nach ausländerfeindlicher Gewalt in dem Kap-Staat stellen. Freihandel setze auch die Freizügigkeit bei interkontinentalen Reisen oder die Niederlassungsfreiheit voraus, meinte er. "Als Afrikaner sollte ich mich überall in Afrika niederlassen können; diese künstlichen Grenzen müssen wirklich ein Ding der Vergangenheit sein", sagte Mboweni. Wenn ein Nigerianer in Johannesburg wohnen wolle, müsse er das können.

Schwab warnte davor, die vierte industrielle Revolution nur als isoliertes Ereignis zu betrachten: Sie betreffe alle Bereiche. Anders als früher etwa würden nicht mehr die Älteren die Jüngeren beraten, sondern heute sei es umgekehrt. Auch die Regierungen müssten sich offen für Manöverkritik zeigen. "Wenn die Türen geschlossen sind, brecht sie einfach auf", meinte er.

Die stellvertretende UN-Generalsekretärin Amina Mohammed betonte: "Wir befinden uns am Beginn einer neuen Ära." Der technologische Fortschritt eröffne auch vielen Menschen in ärmeren Ländern Zugang zu Bildung oder auch Bankgeschäften. Allerdings geniessen nicht alle Menschen Zugang - das Risiko eines gesellschaftlichen Ausschlusses bestehe. Ziel müsse eine inklusive digitale Wirtschaft sein, bei der niemand zurückgelassen werde. Die Regierungen müssten sich dabei an klar definierten Schritten messen lassen: "Es reicht nicht, einfach einen Plan vorzustellen". Die 28. WEF-Tagung mit rund 1100 Teilnehmern in Kapstadt endet diesen Freitag.

(AWP/cash)