Immer mehr Unternehmen setzen sich konkrete Ziele bei Nachhaltigkeit und Klimaneutralität. Doch reicht es aus, Ziele für die Reduktionen beim CO2-Ausstoss in 10 oder 30 Jahren zu setzen? Nein, meint Vincent Kaufmann, Chef der Anlagestiftung Ethos. Die Aktionäre sollten bei den Klimazielen mehr Mitsprache erhalten. Er fordert, dass die Pläne an den Generalversammlungen jedes Jahr zur Abstimmung gestellt werden.

Derzeit führe man mit Nestlé und LafargeHolcim Diskussionen. "Diese beiden Unternehmen stellen rund 60 Prozent des CO2-Fussabdrucks aller an der Schweizer Börse SIX kotierten Unternehmen dar", so der Ethos-Chef. LafargeHolcim komme auf rund 140 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr und Nestlé - inklusive der Scope-3 Emissionen der Lieferkette - auf rund 110 Millionen Tonnen. "Das ist zusammen rund sechsmal so viel wie der Ausstoss in der Schweiz im Jahr 2018", betont Kaufmann.

Nestlé und LafargeHolcim haben Ziele für eine CO2-Reduktion bis 2030 und zur Klimaneutralität bis 2050 gesteckt. "Ein heutiger CEO wird im Jahr 2050 nicht mehr da sein", sagt Vincent Kaufmann im Interview mit AWP. "Es ist wichtig, dass der Fortschritt und der Kurs jährlich an den Generalversammlungen überprüft werden kann. Und wenn wir als Investor nicht zufrieden sind, können wir beim Votum ein Signal senden."

Der Ethos-Chef begrüsst es zwar, wenn der Gegenvorschlag des Bundesrats zur Konzernverantwortungsinitiative in Kraft tritt, der eine Abstimmung über einen Nachhaltigkeitsbericht vorsieht. "Nachhaltigkeit heisst aber nicht verbindliche Klimaziele." Der Gegenvorschlag sei in dieser Hinsicht sehr vage formuliert. "Was wir begrüssen ist der Appell zur freiwilligen Annahme der TCFD-Empfehlungen durch den Bundesrat, die auch bindend eingeführt werden sollten."

"Der Druck auf die Unternehmen und auch der Druck auf die Investoren ist gestiegen". "Die Rahmenbedingungen für Firmen haben sich geändert. Das bedeutet auch, dass die Firmen durch die CO2-Problematik viel Risiko im Portfolio haben." Das werde auch in den Unternehmen erkannt. "Steigen die Emissionen weiter, dürfte auch der CO2-Preis steigen und die Marge des Unternehmens sinkt. Also müssen sie ihre Emissionen reduzieren."

(AWP)