Altersvorsorge - «Eine Reform der beruflichen Vorsorge wäre relativ einfach»

Die obligatorischen Altersrenten der zweiten Säule sind zu hoch, findet Donald Desax, Leiter Berufliche Vorsorge bei Helvetia. Im cash-Interview sagt er, wo der rentenbestimmende Umwandlungssatz eigentlich liegen müsste.
16.05.2019 15:30
Von Pascal Züger
Donald Desax ist Leiter Marktbereich Berufliche Vorsorge Schweiz bei Helvetia.
Bild: cash

Es gebe drei Punkte, die in der Schweiz eine Systemkrise bei der Altersvorsorge erzeugen, sagt Donald Desax: "Die nachhaltig tiefen Zinsen, die zunehmende Lebenserwartung und die geburtenstarken Jahrgänge, die in den nächsten zehn Jahren in Pension gehen", sagt der Leiter Berufliche Vorsorge von Helvetia im Interview mit cash.

Ein Dorn im Auge ist Desax derzeit vor allem die vorgeschriebene Rentenhöhe. Rentnern wird im obligatorischen Teil der zweiten Säule - unter diesen Bereich fallen Löhne bis zu 84'600 Franken - 6,8 Prozent des angesparten Alterskapitals in jährlichen Renten ausbezahlt.

Auf politischer Ebene hat es bereits mehrfach Versuche gegeben, diesen Satz zu reduzieren: 2010 war eine Senkung auf 6,4 Prozent vorgesehen, was vor dem Volk mit einem 73 Prozent Nein-Anteil wuchtig abgeschmettert wurde. 2017 war - als Bestandteil der Rentenreform "Altersvorsorge 2020" - eine Senkung auf 6 Prozent vorgesehen. Aber auch hier legte das Volk sein Veto ein.

Trotzdem fordert Desax eine Senkung des Umwandlungssatzes auf 6 Prozent und eine Erhöhung der Altersgutschriften. Er schlägt auch die Einführung einer Prämie für bestehende Rentenumwandlungsverluste und eine Kompensation für die Übergangsgeneration vor. Und fügt an: "Dann wäre die Reform schon in trockenen Tüchern." Eine Reform der zweiten Säule wäre eigentlich relativ einfach. Es brauche keine neuen, kreativen Ideen, sagt Desax.

«Langsamer» politischer Prozess

Derzeit wird in Bundesbern tatsächlich ein nächster Anlauf vorbereitet, um die berufliche Vorsorge zu reformieren: "Ich glaube, der Gedanken ist da, aber der politische Prozess geht etwas langsam", sagt Desax, der Mitglied der Eidgenössischen Kommission für berufliche Vorsorge ist. Bundesrat Alain Berset habe ja jüngst einen Sozialpartnerschaftsdialog in Auftrag geben.

Im Sommer 2019 soll ein Bericht mit Reformvorschlägen vorgelegt werden. Es geht dabei darum, mehrheitsfähige Lösungen zu finden. Der Bundesrat wiederum präsentiert dann im Herbst Eckwerte der neuen Reform.

Alle Infos zur nahenden Abstimmung: Das Wichtigste zur AHV-Steuervorlage

Zunächst stehen jedoch mit der "AHV-Steuervorlage" an diesem Sonntag und mit der "AHV21" zu einem etwas späteren Zeitpunkt Reformen an, die sich der ersten Säule, also der AHV, widmen. Vorgesehen ist etwa das Rentenalter 65 für Frauen und Männer, aber auch eine Erhöhung der Mehrwertsteuer ab dem Jahr 2021. Die Details sind noch nicht definiert.

Ist folglich der Reformbedarf in der ersten Säule grösser als in der zweiten? "Für mich sind beide Säulen zwingend zu reformieren", äussert sich dazu Desax. Unmittelbar nach der "AHV21" müsse dann die Reform der beruflichen Vorsorge angepackt werden.

Im cash-Video-Interview sagt Donald Desax ausserdem, ob Vorsorgegelder bald negativ verzinst werden, was er von der vorgeschriebenen Mindestverzinsung hält und weshalb Vorsorgeeinrichtungen nicht stärker in Aktien investieren.