Artificial Intelligence - Keine Angst vor künstlicher Intelligenz

Autofahren, Einkäufe tätigen, Operieren: «Denkende» Maschinen werden künftig noch mehr Aufgaben übernehmen. Nebst Risiken wie Jobverlust hat künstliche Intelligenz aber viele positive Effekte, von denen alle profitieren.
15.08.2017 17:00
Von Ivo Ruch
Menschen werden in den verschiedensten Bereichen zusehends von Maschinen ersetzt.
Menschen werden in den verschiedensten Bereichen zusehends von Maschinen ersetzt.
Bild: pixabay.com

Kaum ein Branche, die derzeit nicht über den Einsatz von künstlicher Intelligenz nachdenkt, darüber forscht - oder bereits Roboter im Einsatz hat. Die Pharmaindustrie will mit Hilfe moderner Supercomputer und maschineller Lernsysteme vorhersagen, wie sich Moleküle verhalten. Bei Banken werden bereits Anlageentscheidungen von Algorithmen gefällt. Und wer will, kann sich von einem Tesla durch die Gegend chauffieren lassen, ohne das Lenkrad zu berühren.

Solche Trends werden branchenübergreifend mit dem Begriff "Industrie 4.0" zusammengefasst. Sie werden, so die Meinung von Experten, die Wirtschaftswelt zum vierten Mal revolutionieren: Auf Mechanisierung, Elektrifizierung und Automatisierung folgt in der Industriegeschichte also nun Digitalisierung und Vernetzung. Laut einer Studie des Beratungsunternehmens Accenture können Effizienzsteigerungen bis 2035 eine Verdoppelung des Wirtschaftswachstums in Industrieländern bewirken.

Häufig genannte positive Anwendungsbereiche von "artificial intelligence" sind folgende:

  • Medizin: Neue Medikamente und Behandlungsmethoden sollen mit Hilfe künstlicher Intelligenz einfacher und effizienter entwickelt werden können. Maschinelle Lernsysteme sollen Tests teilweise ersetzen und das Sammeln von Daten erleichtern. Brillen zum Erleben von erweiterter oder künstlicher Realität kommen zudem bei der Ausbildung von Chirurgen zum Einsatz und sollen auch Operationsresultate verbessern.
  • Verkehr: Mehrere Hersteller entwickeln Technologien, die selbstfahrende Autos ermöglichen. Mit Ultraschallsensoren, Radar und Kameras ausgerüstet, könnten beispielsweise Teslas bereits jetzt autonom herumkurven – wenn sie vielerorts nicht durch haftungsrechtliche Hürden gebremst würden. Die Hoffnungen in Roboterautos: Weniger Unfälle, weniger Stau, effizientes Zeitmanagement. Auch mit Modellen zum Carsharing soll das Verkehrsaufkommen reduziert werden.
  • Supercomputer: Die Kapazität von Computern wird immer grösser – ihr Einsatzgebiet somit breiter. IBM rechnet damit, dass sogenannte Quantencomputer das Wetter besser vorhersagen oder Verschlüsselungen schaffen können, die fast nicht zu knacken sind. Die Simulation nuklearer Explosionen oder die Katalogisierung menschlicher DNA sind weitere Anwendungsgebiete.
  • Ausbildung: Intelligente Maschinen verändern auch die Art und Weise, wie Wissen vermittelt wird. Lernende Computer können zusehends die Rolle von Lehrern einnehmen, anstatt blosses Wissen abzufragen. Eine individuelle Förderung ist so viel eher möglich. An das revolutionäre Potenzial von personalisiertem Lernen glaubt auch Mark Zuckerberg. Zusammen mit seiner Frau Chan ist er einer der grössten "Edtech"-Investoren.
  • Finanzwelt: Digitalisierung ist eine der grossen Herausforderungen für die Banken- und Versicherungsbranche. Immer mehr Kunden verlangen nach Dienstleistungen, die sie überall und jederzeit durchführen können. Bei Anlageentscheidungen greifen viele Banken bereits auf Computerprogramme zurück, fast alle Bankgeschäfte werden bereits online angeboten. Mit der Folge, dass die Finanzwelt transparenter wird, die Kunden sich einen Überblick über die verschiedenen Angebote machen können und letztendlich auch die Kosten unter Druck kommen.
  • Industrie: Roboter sind in vielen Fabriken schon lange im Einsatz. Sie nehmen dort den Arbeitern eintönige Aufgaben ab und steigern die Effizienz. Wie weit diese Automatisierung noch fortschreitet, hängt von der jeweiligen Branche ab. Um Innovation voranzutreiben, werden digitale Vernetzung und Datenvielfalt für Industrieunternehmen aber immer wichtiger. Neuartige Produkte und erfolgreiche Firmen sind die Folge.

Die Kehrseite dieser Entwicklungen: Wo vermehrt Roboter zum Einsatz kommen, braucht es weniger menschliche Arbeitskraft. Jobverlust ist deshalb eine der meistgenannten Gefahren künstlicher Intelligenz. Die Prognosen dazu gehen auseinander. In einer viel zitierten Studie der Universität Oxford ist die Rede davon, dass in den nächsten 25 Jahren 47 Prozent der Jobs in den USA auf dem Spiel stehen.

Andere Szenarien sehen etwa Lastwagenfahrer und Telefonisten besonders in Gefahr, rechnen aber mit neuen Jobs, die heute noch niemand auf dem Radar hat. Doch selbst der Technologie-Pionier und Tesla-Gründer Elon Musk attestiert "artificial intelligence" das Potenzial, die Menschen dereinst zu dominieren und fordert daher eine proaktive Regulierung.

Welche Folgen eine solche Umkehr der Machtverhältnisse zwischen Mensch und Maschine im Extremfall haben könnte, zeigt das folgende Video. Eine Familie schafft sich mehrere "smarte" Lautsprecher an, die ihnen den Alltag erleichtern sollen. Doch bald übernehmen die Geräte das Kommando im Haushalt und die Situation beginnt aus dem Ruder zu laufen...