Asien - Schwarze Schwäne als Nahrungsmittel: Nordkorea steckt tief in der Krise

Mit dem Druck von Coupons als Ersatzgeld und der Zucht von schwarzen Zierschwänen als Nahrungsmittel stemmt sich Nordkoreas kommunistische Führung gegen den Mangel.
30.10.2021 05:00
Jedes einzelne Reiskorn muss gesichert werden, ordnete Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un in der Wirtschaftskrise an.
Jedes einzelne Reiskorn muss gesichert werden, ordnete Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un in der Wirtschaftskrise an.

Das weitgehend isolierte Land steckt seit langem in der Wirtschaftskrise und sucht nach immer neuen Mitteln gegen die Lebensmittelknappheit. Dass Nordkorea, das nach offiziellen Angaben keinen einzigen Corona-Fall aufweist, im Zuge der Pandemie seine Grenzen noch stärker abgeriegelt hat, verschärft die Probleme. Vor dem Ende der diesjährigen Ernte schätzen internationale Beobachter die Ernährungs- und Wirtschaftslage des Landes als gefährlich ein. Es gibt Anzeichen, dass Nordkorea umfassende Hilfslieferungen aus dem Nachbarland China erhält, dem wichtigsten Verbündeten.

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Jedes einzelne Reiskorn müsse gesichert werden, ordnete Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un dem südkoreanischen Geheimdienst zufolge an. Von der Landwirtschaft habe er große Anstrengungen gefordert. Der Geheimdienst rechnet damit, dass die Ernte in Nordkorea wegen des sonnigeren Wetters besser ausfallen könnte als im vergangenen Jahr. Außerdem unternehme das Land Schritte, um seine Grenzen zu China und Russland in den kommenden Monaten wieder zu öffnen, berichteten südkoreanische Abgeordnete unter Berufung auf den in einer Parlamentsanhörung vorgelegten Geheimdienstbericht.

Kim Jong Un hat eine angespannte Ernährungslage eingeräumt und um Entschuldigung für die Opfer gebeten, die seinen Landsleuten abverlangt würden, um einen Ausbruch des Coronavirus zu verhindern. Er hat auch erklärt, dass sich die Wirtschaftslage in diesem Jahr verbessert habe. Erst kürzlich wies Nordkorea einen UN-Bericht zurück, wonach Tausende Menschen zu verhungern drohten. Den Vereinten Nationen (UN) zufolge hat Nordkorea unlängst damit begonnen, wieder Hilfslieferungen zuzulassen. Von China veröffentlichte Daten belegen auch einen langsamen Anstieg des Handels zwischen beiden Staaten.

Mangel an Bargeld

Weil es an Bargeld mangelt, hat die nordkoreanische Zentralbank Medienberichten zufolge Coupons im Wert von jeweils etwa einem US-Dollar gedruckt. Es habe zum Teil schlicht an Papier und Druckerfarbe für Won-Scheine gemangelt, berichtete die in Japan ansässige Internet-Seite Rimjin Gang, die von nordkoreanischen Überläufern betrieben wird. Denn das Material für das offizielle Geld liefert China. Die Coupons seien mindestens seit August im Umlauf. Der Bargeld-Mangel könne auch dadurch verschärft worden sein, dass die Führung in Pjöngjang gegen die Verwendung ausländischer Währungen vorgeht, vor allem von US-Dollar und chinesischem Renminbi, berichtete NK News in Südkorea.

In dieser Woche warben die Staatsmedien für den Verzehr von Schwanenfleisch. Eine neue industrielle Züchtung werde dazu beitragen, das Leben der Menschen zu verbessern. "Das Fleisch des schwarzen Schwans ist köstlich und hat einen medizinischen Wert", schrieb die Regierungszeitung "Rodong Sinmun". Es sei eine wertvolle Nahrungsquelle.

Schon Anfang 2019 haben die nordkoreanischen Behörden NK News zufolge damit begonnen, in der Zucht von Ziervögeln zur Lebensmittelversorgung zu forschen. Schulen, Fabriken und andere Unternehmen wurden angewiesen, Lebensmittel anzubauen und Fische sowie weitere Tiere zu züchten, um die Selbstversorgung auszuweiten. Damit solle zum einen das Versagen der Agrar-Großbetriebe wettgemacht werden, die gesamte Bevölkerung ausreichend mit Lebensmitteln zu versorgen, berichtete NK News. Zum anderen sollten auch die Folgen der drastischen Corona-Maßnahmen ausgeglichen werden. Denn seit Anfang 2020 wurde der Import von Lebensmitteln und anderen wichtigen Gütern weitgehend blockiert.

Gründe für den Mangel in Nordkorea sind aber seit langem auch Misswirtschaft und harte internationale Sanktionen, weil das Land immer wieder gegen die UN-Auflagen wegen seines Atom- und Raketenprogramms verstößt. Naturkatastrophen haben ihr Übriges beigetragen. 

(Reuters)