Automiete: Vorsicht vor diesen Schikanen

Das Mieten von Autos sorgt oft für einen stressigen Ferienanfang. Mit diesen Tipps vermeiden Sie Ärger und schonen Ihr Portemonnaie.
13.07.2016 06:45
Von Ivo Ruch
Ein Mietwagen ist für viele Urlauber Inbegriff von Freiheit in den Ferien.
Ein Mietwagen ist für viele Urlauber Inbegriff von Freiheit in den Ferien.
Bild: pixabay.com

Einen solchen Ferienanfang wünscht man niemandem: Frau Z. möchte in Süditalien einen Mietwagen in Empfang nehmen, den ihr Mann bei Europcar reserviert und mit seiner Kreditkarte bereits bezahlt hatte. Denn genau für solche Situationen hat sich das Ehepaar Z. eine Partnerkreditkarte besorgt: eine Nummer, zwei verschiedene Namen. Doch am Europcar-Schalter gibt es ein Problem. Die Angestellte akzeptiert die Kreditkarte von Frau Z. nicht, mit der sie die Kaution bezahlen möchte.

Das Argument von Europcar: Bezahlung und Kaution müssen über denselben Namen laufen, auch wenn die Kreditkartennummer identisch ist. Frau Z. bleibt nichts anderes übrig, als vor Ort einen neuen Wagen zu mieten. Die Preisdifferenz zur ursprünglichen Buchung: 300 Euro. Der Ärger ist perfekt.

Ähnliche Situationen haben schon manche Reisenden erlebt. In Erwartung von Unabhängigkeit und Freiheit erleben sie nach Ankunft in der Feriendestination erst einmal unfreundliche und wenig kooperative Autovermietungen. Der zunehmende Preisdruck lässt viele Firmen zu undurchsichtigen Geschäftspraktiken greifen. Viel Ungemach können sich die Konsumenten aber auch ersparen, indem sie die elf wichtigsten Punkte bei der Automiete beachten.

1. Preisvergleich

Ein Auto sollte immer vor der Abreise gebucht werden - je früher, desto besser. Vor Ort sind die Preise praktisch immer höher, und auch die Verfügbarkeit kann ein Problem sein. In den letzten Jahren sind viele neue Anbieter in den Markt getreten, die mit Spezialangeboten und Rabatten um Kunden buhlen.

Um im Dickicht von Sixt, Hertz, Goldcar und Co. den Durchblick zu behalten, schaffen Vergleichsportale wie autoeurope.ch, billiger-mietwagen.de oder mietwagen-check.de Abhilfe. Dort können nicht nur Zusatzversicherungen und Zubehör gebucht werden, auch Bewertungen ehemaliger Kunden sind wertvoll. Bei der Miete ist auch entscheidend, dass Kreditkarteninhaber, Hauptfahrer und derjenige, der den Wagen abholt, ein und dieselbe Person sind.

2. Tankregelung

Normalerweise steht das Auto vollgetankt bereit. Die erste Tankfüllung ist also im Mietpreis eingerechnet. Wichtiger ist aber die Regelung für die Rückgabe. Hier sind zwei Optionen verbreitet: Man gibt den Wagen vollgetankt oder leer zurück. Mit der ersten fahren Sie meistens am besten, obwohl die Variante "leer zurück" bei der Buchung oft günstiger ist. Bei der Option "voller Tank bei Annahme/voller Tank bei Abgabe" aber unbedingt in der Nähe des Rückgabeortes selber auftanken. Der Vermieter verrechnet sonst nebst einem hohen Treibstoffpreis für das Auftanken auch einen Servicezuschlag.

Dasselbe geschieht schliesslich auch bei der Variante "leer zurück", die sowieso unrealistisch ist. Denn wer geht schon das Risiko ein, mit leerem Tank zum Flughafen zu rollen? Das Restbenzin im Tank nimmt der Autovermieter dankend entgegen.

3. Mehr als ein Fahrer

Wer einen Wagen reserviert, gilt automatisch als Hauptfahrer. Sitzen weitere Personen hinter dem Steuer, müssen diese aus Gründen der Versicherung ebenfalls angegeben werden. Je nach Vermieter muss für diese Zusatzfahrer ein Aufschlag bezahlt werden. Die meisten Anbieter verlangen dafür über 10 Franken pro Tag. Bei längerer Feriendauer kann das also ins Geld gehen.

Wird ein Zusatzfahrer nicht angegeben, erlischt bei einem Unfall der Versicherungsschutz. Ebenfalls wichtig: Einige Autovermieter verlangen ein Mindestalter (meistens zwischen 21 und 25 Jahren). Andere bestehen darauf, dass die Fahrprüfung mehr als ein Jahr zurückliegt. Auch gibt es Verleiher, die ab einem bestimmten Alter (75 bis 79 Jahre) eine Zusatzgebühr oder ein ärztliches Attest einfordern.

4. Zusatzversicherungen

Viele Vermieterfirmen bezahlen ihren Mitarbeitenden Provisionen, wenn diese Zusatzleistungen verkaufen, zum Beispiel für unbegrenzte Haftpflicht oder eine spezielle Kaution. So kann sich der Gesamtpreis schnell vervielfachen. Dementsprechend aggressiv belagern manche Verkäufer die Touristen vor Ort. Viel entspannter ist es, die notwendigen Versicherungen schon bei der Buchung abzuschliessen. Empfehlenswert ist in jedem Fall eine Vollkasko-Versicherung ohne Selbstbeteiligung, Diebstahl-, Glas- und Reifenschutz sowie eine Haftpflichtsumme von mindestens einer Million.

Verweigert ein Vermieter die Herausgabe des Wagens ohne Abschluss einer Zusatzversicherung, sollte man sich das schriftlich bestätigen lassen. So kann das Geld nach den Ferien zurückgefordert werden. Auch mit einem Upgrade der Wagenkategorie versuchen viele Vermieter zusätzliches Geld hereinzuholen. Ist die gebuchte und bezahlte Kategorie nicht verfügbar, muss der Anbieter einen "besseren" Wagen bereitstellen. Hilfreich können in solchen Belangen auch Online-Bewertungen von früheren Kunden auf Mietportalen wie billiger-mietwagen.de sein.

5. Teures Zubehör

Möchten Sie die Velos mit nach Mallorca nehmen oder brauchen Sie Kindersitze für den Nachwuchs? In diesem Fall muss eine Extraausstattung gebucht werden - und die kann ins Geld gehen. Ein Kindersitz kostet pro Woche rund 80 Franken, ein Navigationsgerät 90 Franken. Einen Veloständer bieten viele Vermieter gar nicht erst an. Auch hier lohnt sich deshalb ein Vergleich der verschiedenen Anbieter. Lösung bei Kindersitzen, wer den Aufwand nicht scheut: Kindersitze selber mitnehmen. Die meisten Fluggesellschaften, so etwa Easyjet, transportieren die Autokindersitze kostenlos.

6. Mehrkilometer

Bei bestimmten Angeboten dürfen Sie nur eine begrenzte Anzahl Kilometer abspulen. Wenn immer möglich sollte eine unbeschränkte Variante gebucht werden. Schliesslich weiss bei der Buchung kaum ein Reisender, ob er dann vor Ort nicht doch zu diesem romantischen Leuchtturm hinausfahren oder jene archäologische Grabungsstätte besuchen will.

7. Wartezeit verkürzen

Gerade wenn Sie während der Hauptsaison reisen, können die Schlangen an den Mietwagenschaltern sehr lang sein. Bei mindestens zwei Reisenden lohnt es sich deshalb, dass einer auf das Gepäck wartet und der andere bereits die Abholstation aufsucht. Achtung: Verwenden Sie die richtige Kreditkarte (siehe Punkt 1). Viele Vermieter bieten zudem sogenanntes "First Class Check-in" an. Gegen einen Aufpreis sind Sie schneller an der Reihe.

8. Fahrzeugzustand

Ein korrekter Vermieter begleitet den Kunden zum Auto, das gemeinsam auf Kratzer, Dellen oder andere Abnützungen untersucht wird. Dazu gehören die Reifenprofile mit einer Tiefe von mindestens zwei Millimetern. Auch kleine Beschädigungen sollten im Protokoll notiert werden, weil diese bei der Rückgabe auf Sie zurückfallen können.

9. Reisen über die Grenze

In Europa sind Grenzüberschreitungen mit dem Mietwagen weniger ein Problem als in den USA. Dort darf man höchstens nach Kanada fahren. Andere Länder sind, wenn überhaupt, nur gegen einen Aufpreis erreichbar. So oder so informieren die Mietbedingungen über die möglichen Grenzbewegungen. Richtig ins Geld geht es, wenn ein Wagen im Land A abgeholt und im Land B retourniert wird.

10. Panne

Erkundigen Sie sich beim Abholen des Wagens nach dem Vorgehen im Pannenfall. Kommt es zu einem Zwischenfall, kontaktieren Sie Ihren Vermieter und den Pannendienst. Die meisten Autovermietungen bieten kostenlos einen Ersatzwagen an. Welche weiteren Versicherungsleistungen inbegriffen sind, steht im Mietvertrag.

11. Rückgabe

Rechnen Sie dafür genügend Zeit ein. Es gibt Anbieter, die jede Minute über der vertraglich vereinbarten Zeit penibel verrechnen. Geben Sie den Wagen ausserhalb der Öffnungszeiten zurück, können Handyfotos den Fahrzeugzustand dokumentieren.