Banken - Aktie auf Rekordtief: Commerzbank steht vor harten Entscheidungen

Seit vier Jahren versucht Martin Zielke, die Commerzbank profitabler zu machen und am umfangreichen Filialnetz festzuhalten. Aber der Coronavirus-Ausbruch könnte ihn letztlich zum Handeln zwingen.
17.05.2020 07:51
Commerzbank-CEO Martin Zielke an der Bilanzpressekonferenz am 13.02.2020 in Frankfurt.
Commerzbank-CEO Martin Zielke an der Bilanzpressekonferenz am 13.02.2020 in Frankfurt.
Bild: imago images / STAR-MEDIA

Die zweitgrösste börsenkotierte Bank Deutschlands sagte vor wenigen Tagen, dass ein Verkauf einer Tochtergesellschaft, der zur Finanzierung geplanter Kostensenkungen dienen sollte, wegen des Virus nicht stattfinden werde. Mitte Woche gab die Commerzbank die Zahlen fürs erste Quartal bekannt. Trotz guter Geschäfte vor allem mit Privat- und Unternehmerkunden stand zum Ende des Quartals unter dem Strich ein Minus von 295 Millionen Euro in den Büchern. Ein Jahr zuvor hatte das Geldhaus 122 Millionen Euro Überschuss ausgewiesen. Die seit Wochen ohnehin stark unter Druck stehende Aktie fiel auf ein Rekordtief.

Diese Gewinnaussichten sowie die tiefste globale Rezession seit fast einem Jahrhundert erhöhen die Dringlichkeit einer Strategie-Überpüfung, die in diesem Jahr begonnen hat. Nachdem sein ursprünglicher Plan vor weniger als einem Jahr scheiterte, hat der Bankchef McKinsey beauftragt, bei einer umfassenden Überprüfung des Geschäftsmodells zu helfen, hatte Bloomberg berichtet.

Commerzbank braucht eine tiefgehende strategische Überprüfung”, sagt Dieter Hein, Analyst bei Fairesearch and AlphaValue, der die Aktie mit Verkaufen einstuft. “Aber CEO Martin Zielke und die gesamte Führung haben seit 2009 kontinuierlich ihre Ziele verfehlt in einem besseren Konjunkturumfeld. Ich bezweifele, dass sie diesmal besser abschneiden.”

Mit der Angelegenheit vertraute Personen sagen, dass die Commerzbank wahrscheinlich bei dem neuen Plan Kernprinzipien von Zielkes ursprünglicher Strategieankündigung von 2016 fallen lassen wird. Die Bank könnte eine umstrittene Entscheidung, die sogenannnte Mittelstandsbank einzustellen, teilweise rückgängig machen. Sie könnte auch das Zielke-Dogma aufgeben, dass die Commerzbank ein starkes Filialnetz brauche, um konkurrieren zu können. Desweiteren könnte ein Fokus auf Kundenakquise weiter verwässert werden, sagen die informierten Personen.

Unerwarteter Rettungsring für den angeschlagenen Commerzbank-Chef

Spekuliert wurde zuletzt in Presseberichten über eine deutliche Ausdünnung des Filialnetzes von 1000 Standorten auf 400 bis 500 Geschäftsstellen. Die Bank hatte Mitte Februar angekündigt, man werde spätestens zur Vorlage der Zahlen zum zweiten Quartal Anfang August Details zu den Sparbemühungen nennen.

Zielke hatte bewusst entschieden, an den Filialen festzuhalten im Gegensatz zu Konkurrenten, die abbauen. Im vergangenen Jahr hatte er die Schliessung von etwa 200 Filialen angekündigt. Aber den informierten Kreisen zufolge argumentieren einige Aktionäre nun, dass ihre Zahl um die Hälfte gesenkt werden solle. Zielkes neue Strategie könnte auch das bestehende Kostensenkungsziel verdoppeln und das mittelfristige Rentabilitätsziel um mindestens die Hälfte erhöhen, hieß es weiter.

Paradoxerweise erweist sich die gegenwärtige Krise als ein unerwarteter Rettungsring für den angeschlagenen Commerzbank-Chef, sagten die Personen. Als eines der größten Kreditinstitute für die deutschen Exporteure ist die Commerzbank ein wichtiger Transmissionskanal für die Notfallkredite der Bundesregierung, so dass Zielke zumindest temporär nicht um seinen Job fürchten muss, sagten sie. Die Krise habe den Vorstand geeint, die Belegschaft angespornt und die Arbeitsmoral gestärkt, sagen die Personen. Sie erlaube auch Zielke eine gesichtswahrende Trendwende, sagten verschiedene Personen.

(Bloomberg)

 
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