Kolumne

Banken - Der zukünftige Post-Chef Christian Levrat kann der Credit Suisse Danke sagen

Das Gebaren der Credit Suisse ruft uns in Erinnerung, wie riskant das Investmentbanking sein kann. Der zukünftige Post-Chef Levrat erhält so neue Munition, um sich gegen die Privatisierung von Postfinance zu stemmen.
19.04.2021 06:43
Von Claude Chatelain
Der zukünftige Post-Chef Christian Levrat kann der Credit Suisse Danke sagen
Bild: Shane Wilkinson

 

Die Kolumne "Gopfried Stutz" erschien zuerst im 

4,4 Milliarden Franken kostet der Credit Suisse ihr waghalsiges Engagement beim Pleite gegangenen Hedgefonds Archegos. Was lehrt uns das? Zum einen, dass es in der Person von Urs Rohner durchaus möglich ist, als VR-Präsident einen Skandal nach dem anderen zu verantworten und trotzdem im Sessel zu kleben. Zum anderen ruft uns das Milliardenloch in Erinnerung, wie riskant das Investmentbanking sein kann.

Auch bei der UBS lag die Ursache beim Investmentbanking, als die Grossbank von uns Steuerzahlenden gerettet werden musste. Damals sagte man, das Bankensystem, namentlich Zahlungsverkehr und Kreditgeschäft, wären ohne staatliche Rettung zusammengebrochen und hätten die gesamte Wirtschaft lahmgelegt.

Nach der Finanzkrise von 2008 sind neue Vorschriften erlassen worden. Too-big-to-fail-Banken müssen mehr Eigenmittel anhäufen und Notfallpläne haben, damit bei einem erneuten Crash der systemrelevante Teil ohne Staatshilfe gerettet werden kann. Ob solche Pläne auch in jedem Fall funktionieren, weiss niemand.

Wäre aber die Wirtschaft ohne die Rettung der UBS auch wirklich lahmgelegt worden? Jürg Bucher war Chef von Postfinance und von 2009 bis 2012 Chef der Post, ehe er das Präsidium der Valiant Holding übernahm. Im Mai 2001 erklärte er mir in einem Interview: "Wenn eine Grossbank zugrunde geht, dann würde das in der inländischen Bankversorgung grosse Turbulenzen verursachen. Aber zusammenbrechen würde die Geldversorgung nicht." Der Schweizer Finanzplatz wäre mit Postfinance im Verbund mit anderen Banken in der Lage, beim Ausfall einer Grossbank den Zahlungsverkehr und die gesamte Geldversorgung sicherzustellen.

Auch was das Kreditgeschäft angeht, hätte Postfinance dank der hohen Kundenvermögen von damals knapp 90 Milliarden Franken einen substanziellen Beitrag in den Kreditmarkt einschiessen können, rechnete mir Jürg Bucher vor.

Ich erzähle dies vor dem Hintergrund, dass der Bundesrat eine Privatisierung von Postfinance anstrebt. Dies fordern bürgerliche Politiker schon längst. Nun wurde aber Christian Levrat an die Postspitze berufen. Manche befürchten, die Chancen einer Privatisierung seien mit der Ernennung des ehemaligen Gewerkschafters und SP-Präsidenten an der Postspitze gesunken. Gut so.

Marktfetischisten werden einwenden, es sei nicht Aufgabe des Staates, eine Bank zu führen. Ihnen ist entgegenzuhalten, dass es auch nicht Aufgabe von uns Steuerzahlenden ist, Banken zu retten. Allein die Tatsache, dass einzelne Geldhäuser too big to fail sind, zeugt von einem Marktversagen. Der erneute Fall der CS zeigt nun, dass es gar nicht so schlecht ist, ein stabilisierendes Gebilde in unserem Finanzsystem zu wissen, dem es verwehrt ist, Milliarden von Franken in Hedgefonds zu verjubeln.

 

Claude Chatelain

Claude Chatelain (geb. 1953) ist Kolumnist beim «SonntagsBlick». In der Kolumne «Gopfried Stutz» beschreibt er wöchentlich seine Beobachtungen auf dem Gebiet der Vorsorge, der Versicherungen und der Anlageberatung. Zuvor schrieb der langjährige Wirtschaftsjournalist für die Wirtschaftszeitung Cash und die «Berner Zeitung». Von 1991 bis 1998 betreute der studierte Ökonom im «Blick» die Ratgeber-Kolumne «Chatelain rät».

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