Hügli meint

Banken - Nach dem Rausschmiss von Horta-Osorio darf es bei der Credit Suisse keine Tabus mehr geben

Die Probleme bei der Credit Suisse bleiben nach dem Abgang von Präsident Antonio Horta-Osorio die alten. Der Handlungsdruck bei der zweitgrössten Schweizer Bank wird nun immer grösser.
17.01.2022 11:31
Von Daniel Hügli, Chefredaktor cash
Daniel Hügli, Chefredaktor cash.ch.
Daniel Hügli, Chefredaktor cash.ch.
Bild: Geri Born

Ist ein Verwaltungsratspräsident einer grossen Bank, der zweimal in überheblicher Art und Weise Corona-Regeln missachtet, noch glaubwürdig und haltbar? Nein, das ist er nicht. Insbesondere dann, wenn dieser Präsident ein Amt angetreten ist, um das Risikoverhalten in einem Unternehmen zum positiven zu wenden. "Credit Suisse Ousts Culture-Fixing Boss After His Own Scandal", formuliert Bloomberg treffend.

Insofern ist der Rausschmiss von Antonio Horta-Osorio folgerichtig. Aber die Übertretung der Corona-Regeln war nicht der einzige Grund für den Abgang. Denn mit der Fehlbesetzung von Horta-Osorio verloren auch andere Exponenten innerhalb der Credit Suisse weiter an Glaubwürdigkeit. Insbesondere CS-Vizepräsident Severin Schwan, im Hauptberuf CEO von Roche. Schadensbegrenzung in eigener Sache war hier der Beweggrund für das Handeln.

Dazu kommt: Horta-Osorio hat mit seinem Abgang den internen Machtkampf gegen CEO Thomas Gottstein verloren. Die beiden Top-Leute haben sich offensichtlich mit gezielten Indiskretionen ein Duell in den Medien geliefert. So etwas geht in der Regel nicht lange gut. Doch bleibt Gottstein nun tatsächlich der Sieger?

Schliesslich ist auch die Leistung von Horta-Osorio in seiner kurzen Amtszeit bei der CS ein Grund für den Rücktritt. Den Investoren konnte der Portugiese keine überzeugende Strategie präsentieren. Abzulesen ist dies am Aktienkurs der Credit Suisse, der im Dezember auf den tiefsten Stand seit 17 Monaten fiel. Zuletzt machten gar Spekulationen die Runde, dass Horta-Osorio für einen Verkauf der CS ins Ausland einstand. 

Ob Nachfolger Axel Lehmann, ein Urgestein der Schweizer Finanzszene mit Vergangenheit bei der UBS und Zurich, die Credit Suisse wieder in die Erfolgsspur bringt? Klar ist: Die Probleme bei der CS bleiben die alten. Ebenso klar ist: Den Investoren ist nach all den Jahren mit Skandalen und ohne Return die Geduld ausgegangen. Und in einer solchen Situation sind keine Themen tabu. Ein Verkauf von Unternehmensteilen, eine Aufspaltung der Bank - oder ein Verkauf als Ganzes. 

 
Aktuell+/-%
CS Group N6.582+0.83%
Roche Hldg G319.70+0.88%
Zurich Insur Gr N432.20-0.39%
UBS Group N17.225+1.03%