Banken-Refinanzierung - Fed bereitet zweite Geldspritze für nervösen Repo-Markt vor

Die Händler der US-Notenbank haben erstmals seit über einem Jahrzehnt wieder Liquidität in den Geldmarkt gepumpt.
18.09.2019 10:45
Brunnenanlage im Park am Sitz der Federal Reserve in Washington DC.
Brunnenanlage im Park am Sitz der Federal Reserve in Washington DC.
Bild: ZVG

Am frühen Dienstag sah es noch so aus, als ob sie damit Erfolg hätten: Die kurzfristigen Zinsen gaben sofort nach, nachdem die Sätze zuvor auf mehr als 10 Prozent hochgeschossen waren.Doch der Effekt hielt nicht lange an.

Bis zum Ende der Sitzung stiegen die Übernachtsätze wieder an und veranlassten die Fed-Mitarbeiter, eine zweite Liquididtätsspritze anzukündigen. Am Mittwochmorgen New Yorker Zeit sollen an dem wichtigen Finanzierungsmarkt weitere 75 Milliarden Dollar an Barmitteln angeboten werden. Die Repo-Sätze lagen Jefferies zufolge zuletzt bei etwa 4 Prozent.

Repo-Geschäfte sind Rückkaufvereinbarungen, bei denen Wertpapiere gegen Liquidität verkauft werden, mit der gleichzeitigen Vereinbarung, diese zu einem bestimmten Zeitpunkt und Preis zurückzukaufen. Wird der Zugang zu dieser Liquidität erschwert, hat dies gravierende Auswirkungen auf alle möglichen Bereiche, vom Bondhandel bis hin zur Kreditvergabe an Unternehmen und Privatkunden.

«Nur ein kleines Pflaster»

Die Kapriolen verdeutlichen, wie sehr sich die strukturellen Probleme am US-Geldmärkt vertieft haben. Die grossen Wall-Street-Konzerne verfügen nämlich häufig nicht über genügend freie Barmittel, um den Finanzierungsbedarf an einem Markt zu decken, der ein Rekordvolumen an Staatsanleihen zu verdauen versucht, das zur Deckung des US-Haushaltsdefizits nötig ist. Die Lösung wäre nach Einschätzung eines langjährige Marktbeobachters, dass die Fed wieder regelmässig Liquidität zuführt.

"Das zugrunde liegende Problem ist, dass es nicht genügend Liquidität im System gibt, um die Nachfrage zu befriedigen, und die Aufgabe der Zentralbank besteht darin, diese Liquidität bereitzustellen", sagte Roberto Perli, ehemaliger Fed-Ökonom und Partner bei Cornerstone Macro in Washington. "Was die Fed gemacht hat, war nur ein kleines Pflaster."

Kreditkosten können steigen

Grund für die Spannungen am Repo-Markt dürfte ein Ungleichgewicht von Angebot und Nachfrage gewesen sein. Während eine Menge neuer Staatsanleihen an den Markt kam - was die Bilanzpositionen der Dealer erhöhte -, standen die vierteljährlichen Steuervorauszahlungen an. Da die Unternehmen Gelder an den Staat abführen mussten, verringerten sich die Bargeldbestände.

Sollte die Explosion der Geldmarktsätze unkontrolliert bleiben, kann der Anstieg der Übernachtzinsen der Gesamtwirtschaft schaden, da die Fremdkapitalkosten für Unternehmen und Verbraucher steigen.

Eingriffe der Fed am Repo-Markt - wie am Dienstag und für Mittwoch geplant - gehörten vor der Finanzkrise Jahrzehnte lang zur Tagesordnung. Sie wurden im Rahmen einer Politikänderung der Zentralbank eingestellt, als die Fed ihre Bilanz erweiterte und ein Zielband für die Zinsen verwendete.

Fed müsste Bilanz ausweiten

Es gibt noch andere mögliche Abhilfen. Die Fed hat die Einführung eines neuen Instruments, einer Overnight-Repo-Fazilität, erwogen, wodurch der Druck auf die Geldmärkte verringert werden könnte. Einige Strategen sagen voraus, dass es heute im Rahmen der Fed-Zinsentscheidung eine weitere technische Anpassung beim Zinssatz für Überschussreserven geben könnte, um die Märkte wieder in ein Gleichgewicht zu bringen. Ausserdem könnte die Fed ihre eigene Bilanz wieder durch Anleihekäufe aufweiten.

"Es gab eine Zusammenspiel von Faktoren, die die Probleme in dieser Woche ausgelöst haben", sagte Darrell Duffie, Finanzprofessor an der Stanford University, der gemeinsam mit Fed-Mitarbeitern Forschungsarbeiten zu Repos verfasst hat. "Aber die Tatsache, dass es passiert, bedeutet, dass etwas bei der Fed getan werden sollte. Damit die Fed wirklich zuversichtlich sein kann, dass das Problem gelöst ist, muss die Bilanz ausgeweitet werden."

(Bloomberg)