Banken - Sergio Ermotti: «Keine Negativzinsen für UBS-Kleinkunden»

Im Gegensatz zu reichen Privatkunden will die UBS Kleinsparer vor Strafzinsen verschonen, wie Konzernchef Sergio Ermotti in einem Interview sagt.
21.11.2019 11:00
Von Marc Forster
Sergio Ermotti, CEO der UBS-Bankengruppe, in einem früheren Interview auf cash.ch.
Sergio Ermotti, CEO der UBS-Bankengruppe, in einem früheren Interview auf cash.ch.
Bild: cash

Reiche Vermögenverwaltungskunden bezahlen bei der UBS solche Strafzinsen, wenn sie zu viele Barbestände in ihren Depots horten. Ab zwei Millionen Franken zwackt die Bank 0,75 Prozent ab, in Übereinstimmung mit dem aktuell geltenden negativen Leitzins der Schweizerischen Nationalbank (SNB).

Die UBS habe womöglich "keine andere Wahl", als noch vermehrt Negativzinsen an Kunden weiterzureichen, sagte Ermotti in Peking am Rande einer Konferenz zu Bloomberg. Die Schwelle ist immer noch hoch, sagt Ermotti im Bloomberg-Interview. Eine Gruppe will Ermotti auf jeden Fall vor Negativzinsen auf dem Konto verschonen: Die Retail-Kunden.

Im Bloomberg-Interview spricht Ermotti auch über die US-Präsidentenwahlen, die Lage in Asien, mögliche Deals oder Kooperationen der UBS und seinen Rückzugstermin als CEO.

Die UBS, grösste Bank der Schweiz und weltgrösster Verwalter von Privatvermögen, betreut in der Schweiz nach wie vor einen Stamm von mehreren Hunderttausend Kleinkunden, die bei der Bank herkömmliche Spar- und Privatkonten unterhalten. Um ein wirkliches Versprechen des Banken-CEOs, der unbestätigten Berichten zufolge seinen Posten 2021 abgeben will, handelt es aber nicht.

Ermotti macht eher eine vorsichtige Zusicherung: "Es ist schwer, im Moment Voraussagen zu treffen, aber wir sind ziemlich überzeugt, dass dies nicht zu kleineren Anlegern herabreichen wird." Die Negativzinsen, welche der Aufwertung des Franken entgegenwirken sollen, dürften noch lange andauern: Nachdem die Geldpolitik in der Eurozone wieder gelockert worden ist, wird gar darüber spekuliert, ob die Nationalbank den Leitzins nicht irgendeinmal von -0,75 auf -1 Prozent ausweiten wird müssen.

Zwar gewährt die SNB Banken, die bei ihr Sichtguthaben unterhalten, gewisse Freibeträge. Diese seit seit vergangenen September gar noch etwas grosszügiger dimensioniert als davor. Trotzdem setzen die Negativzinsen Banken durchs Band unter Druck, weil die für den Ertrag wichtigen Zinsmargen kleiner werden. Und diesen Druck geben mehr und mehr Banken an Kunden weiter. 

Banken, die Retail- und Privatkunden Negativzinsen belasten

Retailbanken Betroffene Konten Negativzins Betroffene
Vermögensgrösse
Alternative Bank der Schweiz (ABS) Privatkonten -0,125 Prozent
-0,75 Prozent
bis 50'000 Franken
über 50'000 Franken
Postfinance Privat- und 
Sparkonten
-1 Prozent ab 250'000 Franken¹
Migros Bank Privatkonten -0,75 Prozent ab 1 Mio. Franken
Swissquote Sparkonten -0,75 Prozent ab 1 Mio. Franken
Graubündner Kantonalbank (GKB) Privat- und
Sparkonten
-0,75 Prozent 250'000 Franken²/
3 Mio. Franken
bzw. Gegenwerte in Euro
Aargauische Kantonalbank (AKB) Privat- und 
Sparkonten
-0,8 Prozent
-0,5 Prozent
2 Mio. Franken
500'000 Euro 
Vermögensverwalter   Negativzins Betroffene
Vermögensgrösse
Lombard Odier   -0,75 Prozent ab 100'000 Franken
Pictet   -0,75 Prozent ab 1 Mio. Franken
Julius Bär   -0,75 Prozent ab 500'000 Franken 
ab 100'000 Euro 
UBS   -0,75 Prozent
-0,6 Proient
ab 2 Mio. Franken
ab 500'000 Euro
Credit Suisse   -0,4 Prozent ab 1 Mio. Euro
       
Zürcher Kantonalbank (ZKB)   -0,75 Prozent Gewisse hohe Vermögen
Zuger Kantonalbank   k.A.  einzelne Kunden
cash Zweiplus   -0,75 Prozent ab 100'000 Franken

Stand: November 2019 / ¹Ab 1. Dezember 2019 / ²Neue Konten seit 1. April 2019 / Alle Angaben: Eigene Recherchen/moneyland.ch/Bloomberg

Bei den Vermögensverwaltern, denen in aller Regel hohe Privatvermögen anvertraut sind, sind Negativzinsen gang und gäbe. Auch die Credit Suisse hat diesen Herbst bekannt gegeben, dass sie solche Abgaben erhebt. Privatbanken wie Lombard Odier, Pictet oder Julius Bär haben teils schon kurz nach der Einführung der SNB-Negativzinsen im Januar 2015 zu diesem Instrument gegriffen.

In der Vermögensverwaltung wollen Kunden allerdings auch dazu animiert sein, Gelder möglichst in Finanzprodukten anzulegen. Heikler wird es, wenn Banken normale Sparkunden mit Negativzinsen belegen.

Die betont auf soziale und ökologische Aspekte fokussierte Alternative Bank der Schweiz erhebt als bisher einzige Schweizer Bank auf allen Guthaben den Strafzins. Von sich reden gemacht hat unter anderem die Postfinance, die vor kurzem die Schwelle von 500'000 auf 250'000 Franken gesenkt hat.

 

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