Die grössten Banken der Welt sind auf dem besten Weg, in diesem Jahr mit Rohstoffen ein Vermögen zu machen. Sie würden damit die Rekordsummen übertreffen, die sie während der Finanzkrise erzielt haben. So werden die 100 umsatzstärksten Banken bis zum Jahr 2022 einen Umsatz von 18 Milliarden Dollar erzielen, gemäss Schätzungen des Londoner Analyseunternehmens Vali Analytics. Das würde den bisherigen Höchststand von 2009 überbieten.

Die Vorhersage ist der jüngste Beweis dafür, dass die wilden Schwankungen der Energiepreise, die durch den Krieg in der Ukraine ausgelöst wurden, einen Segen für die Rohstoffhändler darstellen. Gleichzeitig stürzen die europäischen Länder dadurch in eine Energiekrise.

Das Jahr 2022 könnte sich für den Rohstoffbereich der Grossbanken zum lukrativsten seit 14 Jahren entwickeln. (Grafik: Bloomberg)

Nicht nur Banken als Profiteure

Vali Analytics hat Daten zusammengestellt, welche die fünf führenden Banken im Rohstoffhandel umfassen: Macquarie, Goldman Sachs, JPMorgan, Citigroup und Morgan Stanley. Sie sind aber nicht die einzigen Unternehmen, die von der gestiegenen Volatilität profitiert haben. Handelshäuser für physische Rohstoffe wie Vitol, Trafigura und Glencore haben in diesem Jahr Rekordgewinne erzielt und rohstofforientierte Hedgefonds haben ebenfalls hervorragende Renditen erwirtschaftet.

Für die Banken markieren die möglichen Rekordeinnahmen den Höhepunkt einer Wiederbelebung des Rohstoffhandels. Dieser steckte nämlich für mehrere Jahre in einer Flaute. Die aufsichtsrechtliche Prüfung nach der Finanzkrise hat Banken wie Morgan Stanley und JPMorgan dazu veranlasst, grosse Teile ihres Rohstoffgeschäfts abzustossen. Sogar Goldman Sachs, lange Zeit der Marktführer unter den Wall-Street-Banken im Rohstoffbereich, erlitt eine Krise, als 2017 die Gewinne eingebrochen sind.

Aber in den letzten Jahren profitierten sie von steigenden Preisen und Marktverwerfungen, ausgelöst durch die Corona-Restriktionen. Im Jahr 2020 konnten sie eine Preisverschiebung zwischen den grössten Goldmärkten ausnutzen und eine Frostwelle in Texas im Jahr 2021 hat im Gas- und Stromhandel zu hohen Gewinnen geführt.

Es war aber der Einmarsch Russlands in die Ukraine, der zu einer der dramatischsten Preisentwicklungen im Rohstoffsektor geführt hat. Die europäischen Gaspreise stiegen im letzten Jahr zeitweise um mehr als 500 Prozent, während der Preis von Nickel sich innerhalb von zwei Tagen um 250 Prozent erhöht hat. Der Erdöl-Kurs schnellte im März nach oben, bevor er anschliessend wieder abgestürzt ist.

(Bloomberg/cash)