Banknoten im Umlauf - Die Deutschen haben den Euro wirklich sehr, sehr gern

Deutschlands Zentralbank ist mit weitem Abstand der grösste Emittent von Banknoten in der Währungsunion. Warum das so ist und was deutsche Touristen damit zu tun haben.
12.03.2017 06:05
Die deutsche Bundesbank hat seit der Einführung des Euro im Jahr 2002 rund 327 Milliarden in Umlauf gebracht.
Die deutsche Bundesbank hat seit der Einführung des Euro im Jahr 2002 rund 327 Milliarden in Umlauf gebracht.
Bild: Pixabay

Mit zunehmenden Sorgen über die Zukunft der Eurozone verdoppelt das grösste Mitglied der Gemeinschaft seinen Einsatz auf eine nicht ausreichend gewürdigte Art und Weise.

Die Deutsche Bundesbank brachte mehr Banknoten in Umlauf, als alle anderen Zentralbanken zusammen. Die Grösse dieses Ungleichgewichts wird durch jüngste Daten der Europäischen Zentralbank gestützt, die den Beitrag der einzelnen Staaten zum konsolidierten Finanzausweis des Eurosystems zeigen.

Jede nationale Zentralbank, auch NCB für National Central Bank genannt, verfügt über eine nominale Zuteilung an Banknoten. Die Höhe der Allokation orientiert sich dabei nach dem jeweiligen Länderanteil am Kapital des Eurosystem. Zum Ende des vergangenen Jahres waren insgesamt 1,1 Billionen Euro im Umlauf.

Woher die Banknoten kommen

Dies zeigt wie die Euro-Banknoten in der Theorie aufgeteilt sein sollten. Um herauszufinden, wie viele Banknoten tatsächlich ausgegeben wurden, muss eine Anpassung der Zahlen vorgenommen werden, um zu berücksichtigen wie hoch die Nachfrage nach Bargeld tatsächlich ausfällt. Dies führt in manchen Ländern zu höheren Zahlen, in anderen zu niedrigeren. Diese Anpassung sieht wie folgt aus:

Die Bundesbank hat seit der Einführung des Euro im Jahr 2002 netto 327 Milliarden Euro über der auf dem Papier zur Verfügung gestellten Allokation in Umlauf gebracht. Werden nun die beiden Zahlen kombiniert, erhalten wir das wahre Bild über die Herkunft der Banknoten in der europäischen Wirtschaft:

Per Ende 2016 haben insgesamt 592 Milliarden der 1,1 Billionen Euro an Banknoten ihren Lebenszyklus bei der Bundesbank begonnen.

Auf Nachfrage bei der Europäischen Zentralbank, mit der Bitte um Erläuterung, wie es dazu kommt, dass die Bundesbank zum produktivsten Emittenten von Euro-Banknoten wurde, sagte das Institut folgendes:

"Die Ausgabe von Euro-Banknoten ist ein vollständig auf Nachfrage basierender Prozess und keine der NCBs kann die Migration seiner ausgegebenen Banknoten kontrollieren. Als Folge kann die Zahl der Banknoten, die an eine Zentralbank zurückgeben werden, die Anzahl der von ihr emittierten Banknoten übersteigen. Zum Beispiel, wenn deutsche Touristen nach Spanien reisen und dorthin Banknoten, die von der Bundesbank ausgegeben wurden mitnehmen, werden diese schlussendlich beim Banco de Espana untergebracht."

Eine Problemstelle für die Bundesbank

Da die Bundesbank dazu verpflichtet ist, die Nachfrage an Euro-Banknoten zu bedienen, liegt der Grund für das überproportionale Eimissionsvolumen vollständig darin, dass Menschen Euro von ihren deutschen Bankkonten abheben. Sie geben dann einen gewissen Teil dieser Banknoten in anderen Ländern der Eurozone wieder aus, wie das Urlaubs-Beispiel der EZB zeigt. Die Zentralbank im Zielland könnte dann über einen Überschuss an Bargeld verfügen, was wiederum dazu führt - wie zum Beispiel im Fall des Banco de Portugal - dass eine Zentralbank eine negative Bargeld-Emissionstätigkeit ausweist.

Während diese Zahlen die ungefährliche Bewegung der Währung innerhalb der europäischen Grenzen zeigen, gibt es eine potentielle Problemstelle für die Bundesbank. Wenn eine Zentralbank mehr Banknoten ausgibt, als ihr per Allokation zugeteilt wurden, dann muss sie für diese zusätzliche Inanspruchnahme Zinsen in Höhe des Hauptrefinanzierungssatz an die EZB bezahlen. Im Moment ist dieser EZB-Satz bei null Prozent, und es entstehen also keine Kosten, aber das mag nicht immer der Fall sein.

Luxemburg stellt ein Rätsel dar

Sollte die EZB in Zukunft den Referenzzinssatz zum Beispiel auf zwei Prozent anheben, dann entstünden der Bundesbank jährliche Kosten von 6,5 Milliarden Euro. Diese würden dann an die anderen nationalen Zentralbanken, wie etwa Spanien und Portugal, bezahlt werden müssen, da diese weniger als die ihnen zugeteilte Allokation nutzen.

Es ist wichtig festzustellen, dass es keine echte Möglichkeit gibt, diesen Trend umzukehren, ohne dabei signifikant das Verhalten der Menschen in Deutschland zu verändern. So lange sie Bargeld lieben, werden sie weiter eine Verbindlichkeit in der Bilanz der Bundesbank aufbauen, und letztere kann wenig tun, um dies zu stoppen.

Noch eine interessante Sache zeigen die Daten, nämlich die Position der Zentralbank in Luxemburg. Sie hat eine Allokation von weniger als 3 Milliarden Euro und brachte dennoch über 96 Milliarden Euro in Umlauf. Und in diesem Fall sieht es nicht so aus, dass Urlaubern die Schuld dafür gegeben werden könnte. Auf Nachfrage bei der Zentralbank sagte diese, sie habe keine Informationen darüber, wohin das Bargeld, das an Geschäftsbanken ausgegeben wurde, fliesst.

(Bloomberg)