Bitcoin und Co. - Experten sagen Digitalgeld keinen globalen Siegeszug voraus

Finanzmarktexperten rechnen für das nächste Jahrzehnt nicht mit einem globalen Siegeszug von Digitalgeld und einer massenhaften Verbreitung neuer Krypto-Zahlungsmittel.
20.09.2019 20:40
Bitcoin, Ethereum und Ripple: Die nach Marktkapitalisierung derzeit drei grössten Kryptowährungen.
Bitcoin, Ethereum und Ripple: Die nach Marktkapitalisierung derzeit drei grössten Kryptowährungen.

Für Ende des Jahres 2030 wird die Wahrscheinlichkeit, dass digitale Währungen das Hauptzahlungsmittel sein werden, im Durchschnitt mit 23 Prozent veranschlagt, wie aus einer Umfrage des Mannheimer Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) hervorgeht.

"Die jüngsten kritischen Äusserungen der Finanzministerien Deutschlands und Frankreichs scheinen die Erwartungen der Experten dabei nachdrücklich eingetrübt zu haben", so das ZEW. Frankreich und Deutschland zufolge ist die von Facebook geplante Kryptowährung Libra mit unkalkulierbaren Risiken behaftet. Finanzminister Olaf Scholz betonte jüngst, "eine Parallelwährung" sei nicht zu akzeptieren.

Die vom ZEW befragten Finanzmarktexperten halten Digitalgeld ohne strenge staatliche Aufsicht für gefährlich. Rund 88 Prozent sehen für diesen Fall eine Gefahr für die Finanzstabilität. Selbst bei einer an die Marktverhältnisse angepassten Aufsicht sehen nur 45 Prozent der 193 Umfrageteilnehmer in digitalen Währungen eine "wohlfahrtsfördernde" Neuerung.

China wird dominieren

Die Finanzexperten gehen zugleich davon aus, dass China eine Vorreiterrolle bei der Einführung von Kryptowährungen einnehmen wird. Für 2020 messen sie dem alltäglichen Einsatz einer digitalen chinesischen Zentralbankwährung in der Volksrepublik eine ähnlich grosse Wahrscheinlichkeit bei wie dem Einsatz der bereits heute nutzbaren Digitalwährung Bitcoin. "Vermutlich steht dahinter die Erwartung, dass China in den kommenden Monaten eine staatliche digitale Währung emittieren könnte", sagt ZEW-Experte Dominik Rehse. Das US-Finanzmagazin "Forbes" berichtete jüngst, die Volksrepublik wolle ihr Digitalgeld am 11. November herausbringen und damit Facebook ausstechen, das Libra erst im ersten Halbjahr 2020 an den Start bringen kann.

Manche Fachleute trauen Facebook allerdings zu, damit das Finanzsystem auf den Kopf zu stellen - weil Geldtransfers zwischen Personen und zwischen Ländern schneller und günstiger werden dürften. Gegen Libra laufen Notenbanken, Aufseher und Politiker schon länger Sturm. Wegen der potenziellen Zahl der Nutzer - bei Facebook sind etwa 2,4 Milliarden Menschen registriert - könnte Libra im internationalen Geldsystem langfristig eine wichtige Rolle spielen.

(Reuters)