Bond-EmissionBlockchain könnte Anleihegeschäft revolutionieren

Weniger Papierkram, eine schnellere Abwicklung und geringere Kosten - das versprechen sich Banken und andere Unternehmen im Geschäft mit Firmenanleihen durch den Einsatz der Blockchain-Technologie.
03.09.2017 09:59
Die Blockchain ist eine Art Datenbank, in der Informationen gespeichert werden.
Die Blockchain ist eine Art Datenbank, in der Informationen gespeichert werden.
Bild: Pixabay

Immer mehr Finanzinstitute und Startups springen auf den Trend auf. Die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) und der Stuttgarter Autobauer Daimler platzierten kürzlich einen privaten Schuldschein über die Blockchain. Die Londoner Handelsplattform BlockEx will in diesem Monat die erste öffentliche Anleihe in Europa über die Technik auf den Markt bringen.

"Das Thema Blockchain nimmt an Fahrt auf", sagt der für den Bereich zuständige Professor Philipp Sandner von der Frankfurt School of Finance & Management. "Immer mehr Banken und Unternehmen arbeiten hinter den Kulissen an Projekten in den unterschiedlichsten Anwendungsgebieten." Allerdings fehlt noch die gesetzliche und regulatorische Grundlage. Doch Sandner ist zuversichtlich, dass sich auch an dieser Front bald etwas tut.

Die Blockchain ist eine Art Datenbank, in der Transaktionen wie Überweisungen oder Dokumente gespeichert werden. Sie ist das Rückgrat digitaler Währungen wie Bitcoin und wurde dafür vor neun Jahren entwickelt. Verfechter der Technologie loben ihre Transparenz und Sicherheit, denn die Blockchain wird dezentral auf verschiedenen Computern weltweit abgelegt. Da zudem die Informationen verschlüsselt gespeichert werden, gelten Manipulationen als nahezu unmöglich.

Zeit und Papierkram sparen

Die LBBW und Daimler preschten im Juni mit der Emission eines Blockchain-Schuldscheins vor und sorgten damit in der Branche für Aufsehen. Das Papier mit einer Laufzeit von einem Jahr und einem Volumen von 100 Millionen Euro wurde komplett über die noch recht junge Technologie bei drei regionalen Kreissparkassen und der LBBW selbst platziert - zusätzlich zum traditionellen Papierweg, weil die Finanzaufsicht BaFin den Blockchain-Prozess noch nicht anerkennt.

Die Blockchain-Emission habe aber viele Vorteile gezeigt, sagt ein LBBW-Sprecher. So komme der Autobauer schneller an sein Geld, die Bank habe weniger Aufwand bei der Dokumentation und Umsetzung des Bonds.

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Bislang dauert eine Anleihe-Emission rund zehn Wochen, Bank und Unternehmen schicken sich sogar noch Faxe hin und her. Durch die Blockchain würde der Papierkram wegfallen, alles würde schneller gehen. Darlehensverträge, Ausweisdokumente oder die Prüfung von Zahlungseingängen können digitalisiert werden und sind offen einsehbar für alle Beteiligten. "Die technische Entwicklung eröffnet völlig neue Wege, Finanzprozesse einfacher und effizienter zu gestalten", betont LBBW-Chef Rainer Neske.

Allerdings steht die Entwicklung konkreter Anwendungen noch am Anfang und stellt vor allem Privatleute vor grosse Rätsel. Einer Studie des Marktforschungsinstituts YouGov zufolge wissen nur elf Prozent der Deutschen, was der Begriff "in etwa" bedeutet. Immerhin jeder Fünfte habe schon einmal davon gehört. "Sobald die Technologie aber aufgrund ihrer Vorteile immer mehr Anwendung und Anwender findet, kommt eine Revolution ins Rollen", ist sich YouGov-Berater Markus Braun sicher.

Anleihekosten sollen um die Hälfte sinken

Auf den Durchbruch im Massengeschäft hofft die digitale Handelsplattform BlockEx. Sie steht kurz davor, den ersten öffentlichen Blockchain-Bond zu platzieren. "Wir wollen eine völlig neue Plattform für den Anleihemarkt schaffen", sagt BlockEx-Manager James Godfrey.

Vor allem kleine und mittlere Unternehmen sollen die Möglichkeit haben, den Anleihemarkt zu geringeren Kosten anzuzapfen. Bei einer Emission müssten Firmen für Bank- und Anwaltshonorare derzeit mehrere hunderttausend Dollar auf den Tisch blättern, sagt Godfrey. BlockEx will die Kosten um 50 bis 75 Prozent senken.

Auch viele andere Institute wie die Deutsche Bank, die Commerzbank und die Deutsche Börse haben Blockchain-Projekte in der Pipeline. "Wir arbeiten viel in Konsortien zusammen, damit sich die Blockchain auch in der Breite durchsetzen kann", sagt Commerzbank-Manager Michael Spitz. "In den nächsten fünf Jahren könnte die Technologie in vielen Bereichen des Bankgeschäfts eingesetzt werden, aber die gesetzlichen und regulatorischen Rahmenbedingen müssen geregelt sein."

Professor Sandner rechnet damit, dass die BaFin bereits in den kommenden Monaten entsprechende Schritte einleitet. Denn die USA sind mal wieder vorgeprescht: Im Bundesstaat Delaware, in dem mehr Unternehmen registriert sind als Einwohner, trat im Juli ein Gesetz in Kraft, das den Handel mit Aktien auf Blockchain-Basis ermöglicht. "Das könnte den Druck auf andere Länder erhöhen, ebenfalls entsprechende Gesetze zu erlassen."

(Reuters)