Bonds - Warnsignal für Staatsanleihen der Eurozone nähert sich Gefahrenzone

Der Ausverkauf der schwächsten europäischen Staatsanleihen setzt sich fort und erhöht den Druck auf die Europäische Zentralbank, deutlicher zu sagen, wie sie die auseinanderdriftenden Renditen in den Griff bekommen will.
10.06.2022 18:45
Flaggen in Athen. Griechische Anleihen reagieren noch stärker auf die Geldpolitik der EZB als italienische.
Flaggen in Athen. Griechische Anleihen reagieren noch stärker auf die Geldpolitik der EZB als italienische.
Bild: Bloomberg

Der Renditeabstand zwischen 10-jährigen italienischen und deutschen Anleihen vergrösserte sich am Freitag den dritten Tag in Folge auf 226 Basispunkte, den höchsten Stand seit Mai 2020. Damit nähert sich das Mass der Schwelle von 250 Basispunkten, die Strategen zuvor als “Gefahrenzone” bezeichnet haben, die Massnahmen der politischen Entscheidungsträger auslösen könnte.

EZB-Präsidentin Christine Lagarde unterstrich am Donnerstag die Entschlossenheit der Notenbanker, die so genannte Fragmentierung innerhalb des Euroraums zu stoppen, eine Einschätzung, die der Gouverneur der Banque de France, Francois Villeroy De Galhau, am Freitag bekräftigte.

Allerdings wurde bislang kein neues Instrument - wie etwa ein weiteres Anleihekaufprogramm - näher beschrieben. Das halten einige Anlegern und Analysten für notwendig, um eine unverhältnismäßige Verschärfung der finanziellen Bedingungen in den stärker verschuldeten Mittelmeerländern zu verhindern, wenn die EZB in den kommenden Monaten mit der Anhebung der Zinssätze beginnt.

“Ein solch vager Ansatz zur Schaffung eines Backstops für die Spreads bedeutet, dass der europäische Staatsanleihenmarkt erst in den Krisenmodus und eine ungerechtfertigte Spread-Ausweitung übergehen muss, bevor die EZB handelt”, schrieb Jorge Garayo, Zinsstratege bei der Societe Generale.

Der Abwärtstrend griff auch auf griechische Anleihen über, die noch stärker auf die Geldpolitik der EZB reagieren als italienische. Die Benchmark-Rendite für 10-jährige Bonds stieg um bis zu 29 Basispunkte auf 4,41 Prozent und damit auf den höchsten Stand seit Januar 2019.

Für einige Strategen besteht das Risiko, dass mehr verschuldete Nationen durch gestiegene Fremdkapitalkosten so stark unter Druck geraten könnten, dass die EZB die Zinserhöhung ganz einstellen muss. “Es macht nicht viel Sinn, dass die EZB die Zinsen aggressiv anhebt, eine Fragmentierung verursacht und dann ein neues Instrument einführt, um dem entgegenzuwirken”, schrieben Strategen der Citigroup. Wahrscheinlicher sei, dass dies den Straffungszyklus unterbrechen werde.

(Bloomberg)