Dieses betrieb einen grossangelegten Kokainhandel und war in Geldwäscherei verwickelt. Neben der Bank und einer ihrer Anlageberaterinnen sind zwei Bulgaren und ein ehemaliger Angestellter der Bank Julius Bär angeklagt. Der auf fast einen Monat angesetzte Prozess ist der Abschluss des schweizerischen Teils eines Verfahrens, das seit rund 15 Jahren insbesondere in Bulgarien, Italien, Rumänien, Spanien und Portugal geführt wurde.

Im Visier der Bundesanwaltschaft (BA) stehen die Credit Suisse und vier Angeklagte, die in unterschiedlicher Weise mit Evelin Banev zusammengearbeitet haben sollen. Banev ist der Chef eines kriminellen Netzwerks, das Dutzende Tonnen von Kokain aus Lateinamerika nach Europa importierte.

Mit Hilfe der Bank und der anderen Angeklagten soll Banevs Organisation einen Teil des Geschäfts-Erlöses gewaschen haben. Zwischen 2004 und 2007 sollen es über 70 Millionen Franken gewesen sein. In den beiden Anklageschriften der BA zu diesem Fall, die zusammen mehr als 600 Seiten umfassen, wird davon ausgegangen, dass der Gewinn pro Tonne Kokain 30 Millionen Euro betrug.

Banevs Vertrauensmänner

Die Credit Suisse muss sich im Rahmen der Unternehmens-Strafbarkeit wegen qualifizierter Geldwäscherei verantworten. Die BA ist der Ansicht, die Bank habe nicht alle notwendigen organisatorischen Massnahmen ergriffen, um zu verhindern, dass die Gelder kriminellen Ursprungs auf Konten eingezahlt wurden, die von Banevs Vertrauensleuten eröffnet worden waren.

Zu diesen Vertrauten gehörten die beiden mitangeklagten Bulgaren - Banevs Finanzberater und ein im Wallis niedergelassener ehemaliger Ringer. Die beiden Männer sind wegen qualifizierter Geldwäscherei und Beteiligung an einer kriminellen Organisation angeklagt.

Die ebenfalls wegen qualifizierter Geldwäscherei angeklagte ehemalige Mitarbeiterin der Credit Suisse verwaltete die für den Banev-Clan eröffneten Konten. Laut BA ignorierte die in Bulgarien geborene Frau die starken Hinweise auf den kriminellen Ursprung der Gelder. Sie habe es auch versäumt, die Meldestelle für Geldwäscherei (MROS) zu informieren. Darüber hinaus habe sie die Identifizierung, Entdeckung und Beschlagnahmung des Geldes behindert.

Der letzte Angeklagte war ein Freund von Banevs Finanzberater. Als Mitarbeiter bei der Bank Julius Bär hatte er zwei Konten für Briefkastenfirmen von Banev und eines für seinen Freund eröffnet.

Holding des "Bosses"

Als die Zürcher Bank sich weigerte, diese Beziehungen weiterzuführen, kündigte der Mann und stellte sich in den Dienst des bulgarischen Netzwerks. Laut Anklageschrift traf er sich persönlich mit Banev in Sofia/Bulgarien. Dann begann er, eine Holding nach Schweizer Recht zu gründen, um die Offshore-Firmen des "Bosses" zu verwalten.

Der Ex-Banker wurde von den Bulgaren fallen gelassen, als die Justiz sich für Banev zu interessieren begann. Der Mann muss sich wegen qualifizierter Geldwäscherei, Unterstützung einer kriminellen Organisation und Urkundenfälschung verantworten.

Vom Spitzensport zur Mafia

Wie die BA in der Anklageschrift ausführt, hat der bulgarische Staat seine Unterstützung für den Spitzensport mit dem Ende des Kommunismus stark zurückgefahren. Viele Sportler der früheren bulgarischen Spitzen-Disziplin Ringen seien damals von mafiösen Clans angesprochen worden.

Auch Banev war einer von ihnen. Er baute jedoch seine eigene Organisation auf, indem er sich auf andere Ringer stützte. Dabei konzentrierte er sich vor allem auf solche, die wie er aus Topolovgrad stammten.

Das Schweizer Verfahren wurde 2008 von der BA eingeleitet, nachdem Bulgarien im Jahr zuvor ein Rechtshilfegesuch gestellt hatte. Die Ermittler konzentrierten sich zunächst auf den ehemaligen Ringer und folgten schliesslich den Verzweigungen des Netzwerks in der Schweiz.

Banev wurde in Bulgarien, Italien und Rumänien zu langjährigen Freiheitsstrafen verurteilt. Er war seit 2015 auf der Flucht und wurde im September 2021 in der Ukraine festgenommen. Er soll an mehreren Morden in Bulgarien beteiligt gewesen sein.

(AWP)