cash-Leser liebäugeln mit Geld-Revolution

Nur noch die Schweizerische Nationalbank soll Geld schöpfen dürfen, nicht aber die Geschäftsbanken. Die «Vollgeld-Initiative» fordert diesen radikalen Systemwechsel in der Geldpolitik. Und stösst damit auf Anklang.
23.04.2015 13:45
Von Pascal Züger
Geschäftsbanken können zwar kein Notengeld in Umlauf bringen, wohl aber Geld in elektronischer Form.

Island denkt laut über einen radikalen Umbau seines Geldsystems nach (cash berichtete). Mit der "Vollgeld-Initiative" werden aktuell in der Schweiz für das gleiche Vorhaben Unterschriften gesammelt. Konkret fordert das Initiativ-Komitee, der Verein Monetäre Modernisierung (MoMo), dass nur noch die Schweizerische Nationalbank (SNB) und nicht wie bislang die Geschäftsbanken elektronisches Geld, sogenanntes Giralgeld, erzeugen darf.

"Unterstützen Sie diese Initiative?", fragt cash in einer Umfrage seine Leser. Über 2200 Personen nahmen bisher teil und sorgen für ein überraschend klares Bild: 72 Prozent antworteten mit "Ja", hegen also Sympathien für das Anliegen. Nur 28 Prozent der bisherigen Teilnehmer unterstützen die Initiative nicht (zur Umfrage).

Ein gutes Omen für die Initiative?

Ein Ergebnis, welches mit einer solchen Deutlichkeit nicht zu erwarten war. Ist nun davon auszugehen, dass die Initiative zustande kommt und bei der Abstimmung vom Volk deutlich angenommen wird? Die Tatsache, dass cash-Leser in Abstimmungs-Umfragen der Vergangenheit, wie beispielsweise bei der Ablehnung der Gold-Initiative, immer wieder eine erstaunliche Treffsicherheit bewiesen, nährt solche Annahmen noch zusätzlich.

Doch in diesem Fall ist hinter das Umfrageergebnis ein grosses Fragezeichen zu setzen. Denn: Bisherige cash-Umfragen waren meist kurz vor der Abstimmung, als das Volk schon eine gefestigte Meinung zum jeweiligen Abstimmungsthema hatte. Zur Vollgeld-Initiative hingegen fand noch keine intensive öffentliche Debatte statt.

Vollgeld hat nicht nur Vorteile

Auf den ersten Blick klingen die Vorteile des Anliegens sehr verlockend: Den Banken Macht entziehen, mehr Stabilität im System, weniger Bank-Runs, niedrigere Zinsen für Kredite und weniger Finanzspekulationen. cash-Leser M. Scherrer bezeichnet die aktuelle Geldschöpfung durch Geschäftsbanken in einem Kommentar gar als "Schneeballsystem wie es im Buche steht".

Das Vollgeld-System ist jedoch nicht frei von Kritik. So hält beispielsweise die liberale Denkfabrik Avenir Suisse die Risiken einer Vollgeld-Reform für schwer kontrollierbar und bezeichnete in einer Analyse den Umbau des Finanzsystems als "Hochrisikosprung" mit irreversiblen Schäden. Die Schwächen im Finanzsystem liessen sich durch steuerbare schrittweise Reformen zuverlässiger beheben als durch einen gigantischen Totalumbau mit ungewissem Ausgang. Dazu gehöre die schrittweise Erhöhung der Eigenkapitalquoten, so die Autoren.

Nicht im Sinne von Thomas Jordan

Andere Kritiker stossen sich an den "kommunistisch" gefärbten Zügen der Initiative: Die Zentralbank allein würde über die Geldmenge entscheiden und nicht der Markt, bei dem das Wissen aller Teilnehmer vorhanden wäre. Die Schweizerische Nationalbank bekäme dann eine Macht, die absurder Weise nicht mal SNB-Präsident Thomas Jordan selbst anstrebt, wie er an einem Referat in Uster im November 2014 durchblicken liess.

Für cash-Leser K. Bauer kommt die Initiative gar einer Enteignung gleich: "Mit so einem System würgen sie unsere gewohnte Wirtschaftsdynamik völlig ab. Nach zehn Jahren wären die Wohlhabenden enteignet, damit der Staat der Masse die Sozialleistungen und Renten bezahlen kann und nach weiteren fünf Jahren hätten alle nichts mehr." Was sicher ist: Für Diskussionsstoff ist auch in Zukunft gesorgt.