CEOs in der Schweiz - Jung, international, ein Finanzass und keine Frau

Die operativen Konzernchefs in der Schweiz sind deutlich jünger als im Ausland. Knapp die Hälfte hat einen ausländischen Pass und gar 91% verfügen über einen Master-Anschluss. Der tiefe Frauenanteil ist laut Heidrick & Struggles international alarmierend.
25.09.2017 16:45
CEOs in der Schweiz sind im Schnitt jünger als im Ausland: Zum Beispiel Jan Schoch, CEO Leonteq.
CEOs in der Schweiz sind im Schnitt jünger als im Ausland: Zum Beispiel Jan Schoch, CEO Leonteq.
Bild: cash

Das Durchschnittsalter von Konzernchefs (CEO) in den USA, Grossbritannien, Frankreich und Deutschland liegt bei 56 Jahren. In der Schweiz sind die CEO im Mittel 53 Jahre alt. Dies geht aus einer am Montag veröffentlichten Studie des Beratungsunternehmens Heidrick & Struggles hervor, die die Schweiz erstmals erfasste.

Die meisten Unternehmenschefs (60%) werden hierzulande intern befördert und zwar nach durchschnittlich 12 Jahren. In den USA muss man sich den CEO im Schnitt 20 Jahre abverdienen. "In der Schweiz wird man offenbar schneller zum CEO befördert", sagt Michael Oberwegner, Managing Partner von Heidrick & Struggles, am Montag vor den Medien in Zürich.

Laut Studie stammen 49% der CEO hierzulande aus dem Ausland. So viele wie sonst nirgends. Als sicheres, konservatives Land sei die Schweiz bei Führungspersonen sehr attraktiv zum Leben, so Oberwegner. In Grossbritannien stammen 40% der CEO aus dem Ausland, in Deutschland 17% und in den USA 13%. In Frankreich ist nur jeder zehnte Firmenchef kein Franzose.

Zu viele Lippenbekenntnisse

Eine weibliche Form ist kaum notwendig, denn in Frankreich und der Schweiz sind nur 2% der CEO bei den erhobenen Firmen Frauen. Die USA verzeichnen mit 8% den höchsten Frauenanteil, Deutschland mit 1% den geringsten. Erhoben wurden Werte von 2016.

"Die Frauenförderung liegt in der Eigenverantwortung der Unternehmen, aber es gibt zu viele Lippenbekenntnisse", so Oberwegner. Der tiefe Frauenanteil sei alarmierend. Heidrick & Struggles will mit gutem Beispiel vorangehen und den eigenen Frauenanteil erhöhen. Das sei der erste Schritt.

Das Interesse der Kunden an Frauen sei klar gewachsen. "Allerdings können wir nicht nur warten, bis wir gefragt werden", sagte er weiter. Tatsache sei, dass die Heterogenität der Führungsteams der beste Weg für balancierte Entscheide sei.

Als positives Beispiel nannte er die Credit Suisse, die es geschafft habe wenigstens 50% der Verwaltungsräte mit Frauen zu besetzen. Betreffend Frauenquoten habe die Beratungsfirma keine Meinung, so Oberwegner. Die Kunden seien in der Regel dagegen. Er selber denke, dass eine Quote her müsse, um etwas zu verändern.

"Mit der Selbstverpflichtung der Firmen habe man bezüglich Frauenanteil nichts erreicht", stellt Oberwegner fest. Frauen, die CEO werden wollten, wählten am besten eine Firma, die wisse, dass sie sich verändern müsse. Eine Firma, die an alten Erfolgsstrategien festhalte, sei nicht geeignet.

MBA keine Wunderwaffe mehr

Wer nicht mindestens einen Masters-Abschluss hat, wird in der Schweiz kaum CEO. 91% der Konzernleiter haben einen Master- oder Doktortitel. In den USA und Deutschland sind es nur 69, respektive 68%. Dafür verfügen 35% der US-Konzernchef über einem MBA, verglichen mit 26% in der Schweiz.

Allerdings gibt es international einen Trend zu immer weniger MBA-Abgängern. "Der MBA ist nicht mehr die Wunderwaffe, die es einst war", beobachtet Michael Oberwegner. Der MBA sei einfacher zu kriegen und fast inflationär geworden.

Neben der Schweiz verfügen nur noch in Grossbritannien derart viele CEO über Finanzexpertise (36%). In Frankreich kommen die meisten Konzernchefs (24%) aus den Ingenieurwissenschaften.

Ausgewertet wurden die CEO der grössten Firmen der Börsenindexes SMI erweitert (Schweiz), FTSE (UK), DAX 30, MDAX 50 (Deutschland), SBF 120 (Frankreich) sowie der grössten 100 Firmen der Fortune 500 (USA). Genau wurden in der Schweiz 50 Firmen erfasst.

(AWP)