WEF 2017

CNN-Quest: «Das WEF ist eine aufgeblasene, selbsternannte Quasselbude»

CNN-Starmoderator Richard Quest geht im cash-Interview mit dem WEF äusserst hart ins Gericht. Er wirft den WEF-Teilnehmern Abgehobenheit und fehlenden Willen zu wirklichen Reformen vor.
17.01.2017 13:57
Interview: Daniel Hügli, Davos
Der Brite Richard Quest von CNN. Er moderiert die Sendungen "Business Traveller" und "Quest means Business".
Der Brite Richard Quest von CNN. Er moderiert die Sendungen "Business Traveller" und "Quest means Business".
Bild: ZVG

cash: Richard Quest, das wievielte Mal sind Sie bereits in Davos?

Richard Quest: 2017 ist das fünfzehnte oder sechzehnte Mal. Irgendwann habe ich aufgehört zu zählen.

Hat sich so etwas wie Routine oder Langeweile am WEF eingeschlichen?

Das würde ich nicht sagen. Das WEF ist eher anstrengend und mühsam geworden. Das WEF hat Jahr für Jahr für Jahr diesselben Themen und es kommen immer dieselben Leute mit den gleichen Antworten. Ein Beispiel: Wir hatten ja die Finanzkrise. Das ist acht Jahre her. Aber die Top-Leader hier haben nichts, aber auch gar nichts daraus gelernt. Sie haben nichts auf nur einigermassen genügende Weise reformiert. Nun haben sie einen Tritt in den Unterleib (unübersetzte Version: 'kick in the balls', Anm. der Red.) erhalten durch die Wahl von Donald Trump und den Brexit. Ich bin zum Schluss gekommen, dass die Eliten in Davos es einfach nicht raffen. Die meisten Delegierten hier erfassen die Bedeutung des Brexit und Trump nicht. Sie hätten nie für so etwas gewählt oder gestimmt. Sie sind globalisiert durch und durch.

Das tönt ziemlich pessimistisch.

Absolut. Es ist ein Versagen. Wobei ich dem WEF selber keine Schuld gebe. Es gibt 400 Panel-Diskussionen hier und recht viele mit sozialen Themen. Aber ich sage Ihnen, welche Podiumsthemen hier fehlen, zum Beispiel: 'Warum wir falsch lagen'. Ein Panel-Thema, das hier fehlt, ist auch: 'Weil wir weltfremd sind'...

...oder auch: 'Weshalb wir nichts dazu gelernt haben'?

Genau. (wird energisch) Anstelle dessen haben wir hier Themen à la 'Warum versteht das Volk die Schönheit der Globalisierung nicht'? Es steht nie jemand auf und sagt: Wir habens falsch gemacht, wir sind abgehoben. Wir müssen uns einfach bewusst sein: Das WEF ist eine Quasselbude. Nein, mehr noch: Es ist eine aufgeblasene, selbsternannte Quasselbude. Die Leute lieben es hier, sich wichtiger zu machen als sie sind.

Wie werden die Delegierten hier am WEF das Thema Trump handhaben?

Die meisten Davos-Leute halten es ja für unfassbar, wieviele Amerikaner für Trump gestimmt haben. Sie haben keine andere Wahl. Er ist da. Er hat den Job. Ich glaube, Klaus Schwab wird alles daran setzen, um Donald Trump nächstes Jahr nach Davos zu holen. Er könnte durchaus Erfolg haben, denn Trump liebt solche Bühnen wie Davos.

Hat sich das WEF dennoch irgendwie verändert?

Es fällt auf, wie das WEF in Richtung China geschwenkt hat. Da steckt sicher ein finanzieller Gedanke dahinter. Denn woher wird das Geld in Zukunft fliessen? Aus dem Osten und aus China. Da will das WEF naürlich absahnen. Aber das WEF hat auch erkannt, dass eine protektionistische und isolationistische USA eine Lücke hinterlässt, die China füllen will. China wird die Regeln aufstellen und eine Vorreiterrolle spielen. Das WEF hat sich auch elegant hin zu den Entwicklungs- und Schwellenländern gewandt. Denn von dort kommt das Wachstum. Ich bin nicht  pessimistisch wegen des WEF und auch nicht pessimistisch wegen der Dinge, welche die Davos-Leute hier tun. Ich bin es einfach überdrüssig, dass die Leute nichts aus den diversen Tritten gelernt haben, die sie kassieren mussten.

Warum haben sie denn überhaupt nichts gelernt?

Weil sie zu sich selber reden. Auch Sie und ich sind ja Teil des WEF. Wir gehören zum Medienverbund und sind 'Part of the Game'.