"Das ist ein einseitiger Entscheid Italiens, den ich zur Kenntnis nehme", sagte Justizministerin Karin Keller-Sutter in der "Samstagsrundschau" von Radio SRF. Die Schengenstaaten seien nicht darüber informiert worden.

"Die Schweiz wird eigenständig entscheiden, ob sie zu diesem Zeitpunkt ebenfalls Personen aus Italien wieder einreisen lässt", sagte die Bundesrätin. "Wir hatten Kontakt mit Italien letzte Woche, da war noch keine Rede von dieser Öffnung." Für sie sei klar, dass der Entscheid Italiens auch dem wirtschaftlichen Druck geschuldet sei, wegen des Tourismus.

Sie habe ohnehin in den nächsten Tagen ein Gespräch mit der zuständigen italienischen Innenministerin Luciana Lamorgese geplant. "Mir ist es auch wichtig, dass wir uns in dieser Frage stark mit dem Kanton Tessin absprechen, der ja sehr stark von der Pandemie betroffen war", sagte Keller-Sutter.

Für koordiniertes Vorgehen

Sie bevorzuge ein koordiniertes Vorgehen mit allen Nachbarstaaten, sagte Keller-Sutter. Die Schweiz habe sich mit Deutschland, Österreich und Frankreich bereits auf ein Grenzöffnung am 15. Juni geeinigt.

Heinz Karrer, Präsident von Economiesuisse, begrüsste diesen Entscheid. "Der Tourismus braucht eine Perspektive. Wir erwarten deshalb vom Bundesrat, dass er am 27. Mai die nächsten Schritte bekannt gibt", sagte er in einem Interview mit dem "SonntagsBlick". So sollten die Bergbahnen ab dem 8. Juni wieder fahren dürfen.

Dies gehe einher mit Grenzöffnungen: Der Binnentourismus alleine werde die Ausfälle der letzten Monate nicht annähernd kompensieren können. "Deshalb sind wir froh um den Entscheid des Bundesrats, die Grenzen zu Deutschland, Frankreich und Österreich wieder zu öffnen", sagte Karrer.

Lockerungen mit Deutschland und Österreich

Für einige Menschen sind die Grenzen zwischen der Schweiz, Österreich und Deutschland seit Samstag um Mitternacht wieder offen. Wer die Familie, einen Partner oder eine Partnerin besuchen oder aber zu seiner Liegenschaft will, darf passieren. Die Lockerungen gelten nicht für die Übergänge nach Frankreich und Italien.

An den Grenzen mit Deutschland und Österreich finden allerdings weiterhin "risikobasierte" Kontrollen statt, wie die Eidgenössische Zollverwaltung (EZV) am Samstag schrieb. Denn wer allein aus touristischen Gründen oder zum Einkaufen oder zum Tanken in die Schweiz einreisen will, dem wird die Einreise verweigert.

Auch wer Eingekauftes in die Schweiz einführen will und ausschliesslich als Einkaufstourist oder -touristin im Ausland gewesen ist, erhält weiterhin eine Busse. Einkaufen gelte nicht als ein triftiger Reisegrund, schrieb die EZV dazu.

Die Zollverwaltung zog am frühen Samstagabend ein positives Fazit. Der Tag sei ruhig verlaufen, sagte EZV-Mediensprecher Matthias Simmen. Der Verkehr über die Grenzen sei zwar etwas stärker gewesen als in den vergangenen Wochen, habe aber in etwa einem Drittel eines normalen Samstags entsprochen. Einkaufstourismus sei kein Thema gewesen.

(AWP)