Das ist bei digitalen Bewerbungen wichtig

Viele Unternehmen akzeptieren nur noch elektronische Bewerbungen. Das hat Auswirkungen auf die Qualität der Unterlagen und Konsequenzen für digitale Anfänger, wie Personalberater Gabriel Bosson im cash-Interview sagt.
20.04.2016 00:01
Interview: Ivo Ruch
Gabriel Bosson von der Firma p3b, die Personal für die IT-Branche berät.
Gabriel Bosson von der Firma p3b, die Personal für die IT-Branche berät.
Bild: ZVG

cash: Herr Bosson, wie haben sich Bewerbungsverfahren in den letzten 20 Jahren verändert?

Gabriel Bosson: Bei Berufen aus dem Betriebswirtschafts- und Informatik-Bereich läuft seit einigen Jahren alles elektronisch ab. Papier-Dossiers werden eingescannt und vernichtet oder zurückgeschickt, selbst wenn sie wunderschön sind. Sorgfältig gestaltete Unterlagen auf Papier haben keine Chance mehr, ihre Wirkung zu entfalten.

Hat dadurch die inhaltliche Qualität der Bewerbungsunterlagen nachgelassen?

Wir nehmen schon wahr, dass viele Lebensläufe und Motivationsschreiben Fehler aufweisen, weil weniger Wert auf die deutsche Sprache gelegt wird. Als Ausrede wird häufig auf automatische Korrekturprogramme verwiesen. Hingegen sind die Unterlagen in der Regel gut dargestellt und strukturiert, da es viele elektronische Vorlagen gibt.

Führt das auch zu einer Zunahme von Floskeln und gleichen Formulierungen?

Vielerorts werden sprachliche Vorlagen verwendet und ein paar Ausdrücke ausgewechselt. Motivationsschreiben, die wirklich Bezug auf die Stelle nehmen und eine persönliche Note aufweisen, sind selten geworden.

Worauf legen die Unternehmen ihren Fokus, wenn sie Kandidaten beurteilen?

Das Motivationsschreiben wird meistens nicht als erstes gelesen. Der Lebenslauf hat Vorrang, und dort schauen die Unternehmen genau, ob die Anforderungen erfüllt werden.

Wer also nicht alle Kriterien erfüllt, hat keine Chance?

Die Kompromissbereitschaft der Firmen ist deutlich kleiner geworden. Man hat ein Anforderungsprofil mit einer Handvoll Muss-Kriterien. Wenn diese nicht erfüllt sind, ist Schluss. Es wird lieber zugewartet, als einem Quereinsteiger eine Chance zu geben. Diesbezüglich beissen wir auch als Vermittler häufig auf Granit bei den Firmen.

Wie stark haben sich Video-Bewerbungen oder Skype-Gespräche verbreitet?

Viele Unternehmen, zum Beispiel Swisscom oder VBZ, setzen Videos bei der Rekrutierung ein. Von den Kandidaten bekommen wir praktisch nie Video-Bewerbungen. Ich glaube, das wird sich eher nicht durchsetzen. Skype ist hingegen schon sehr verbreitet, vor allem für Vorabklärungen oder mit Kandidaten aus dem Ausland. Das wird auch noch viel wichtiger werden.

Was sollte bei Skype-Interviews beachtet werden?

Wir verlangen immer, dass die Kamera eingeschaltet wird. Und dann ist es ähnlich, wie wenn man sich gegenübersitzt. Nonverbale Faktoren sind wichtig wie auch Fragen, ob jemand gut vorbereitet ist oder eine gepflegte Erscheinung hat. Auch sprachliche Fähigkeiten können so überprüft werden. Am liebsten haben wir die Leute aber immer noch bei uns am Tisch.

Wie wichtig sind die Spuren, die man auf Google, Facebook oder Twitter hinterlässt?

Kandidaten nutzen diese Kanäle häufig zur Vorbereitung auf ein Vorstellungsgespräch. Das ist auch wichtig. Die Firmen wollen, dass sich Kandidaten vorher informieren. Wir wenden diese Instrumente dann an, wenn es für den Job wichtig sein kann. Auch Personalabteilungen sind eher zurückhaltend. Direkte Vorgesetzte sind diesbezüglich schon aktiver und besuchen LinkedIn- oder Xing-Profile von Bewerbern. Wichtig ist, dass diese Profile mit dem Lebenslauf übereinstimmen. Auch Facebook wird natürlich konsultiert.

Haben digitale Analphabeten in Zukunft auf dem Jobmarkt noch Chancen?

Auch solche Personen haben mittlerweile häufig ein Smartphone und eine Email-Adresse, dies wäre vor ein paar Jahren noch undenkbar gewesen. Schlussendlich wird man zu einem gewissen Standard gezwungen, auch wenn das nicht in allen Branchen gleichermassen der Fall ist. Den Takt geben aber die Firmen vor.