In Bern wurden rund 170 Personen weggewiesen, wie eine Sprecherin der Kantonspolizei auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA sagte. Knapp 30 Personen wurden demnach angehalten und in Polizeiräumlichkeiten gebracht. Die Polizei werde knapp 20 Personen anzeigen wegen Vorwürfen von Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte sowie Hinderung einer Amtshandlung, sagte die Sprecherin. Ein zur Verhaftung ausgeschriebener Mann sei festgenommen worden.

Die von der Polizei weggewiesenen Personen versammelten sich nach Mittag in der Umgebung des Bundesplatzes, den die Polizei weiträumig abgesperrt hatte. Dort weigerte sich ein Teil der Anwesenden, die Örtlichkeit zu verlassen. Etwa zwanzig Personen wurden deshalb eingekesselt und danach kontrolliert. Die Polizei war mit einem Grossaufgebot präsent.

Die Stadt Bern hatte die Organisatoren dazu aufgerufen, auf die unbewilligte Kundgebung zu verzichten. Die Stadtregierung gab der Polizei den Auftrag, gegen Demonstrationen vorzugehen, bei denen die Maskenpflicht missachtet und die Abstände nicht eingehalten werden.

Die Kundgebung war in den Sozialen Medien als Teil einer "World Wide Rally for Freedom" angekündigt worden, also als Teil einer weltweiten Freiheitskundgebung.

Mehrere hundert Protestierende in Urnäsch

Im Kanton Appenzell Ausserrhoden versammelten sich am Samstag mehrere hundert Kritiker der Corona-Massnahmen zu einer unbewilligten Demonstration. In Urnäsch setzte sich ein Umzug mit Trychler-Gruppen am frühen Nachmittag durch den Ort in Bewegung. Zahlreiche Schaulustige säumten den Strassenrand.

Es hätten sich ab 13 Uhr zunächst rund zweihundert Personen versammelt, sagte Marcel Wehrlin, Mediensprecher der Kantonspolizei Appenzell Ausserrhoden, auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Mit der Zeit sei die Teilnehmermenge auf mehrere hundert angewachsen, "möglicherweise über 500". Die Demonstrantinnen und Demonstranten stammten laut Polizei aus allen Landesteilen der Schweiz.

Sie versammelten sich im Dorfzentrum und zogen durch Urnäsch. Vor einer Gastwirtschaft mutierte der Protest in ein Volksfest mit Wurst, Bier und Ländlermusik. Masken trug trotz einigem Gedränge niemand, wie ein Journalist der Nachrichtenagentur Keystone-SDA vor Ort beobachtete.

Die Protestierenden lehnten unter anderem Impfungen ab und warben für ein "nein" zum Covid-19-Gesetz am 13. Juni. Die Stimmung war stets auffallend friedlich und entspannt. Gegen 16 Uhr begann sich die Kundgebung aufzulösen.

Spontanem Aufruf gefolgt

Die Demonstrantinnen und Demonstranten waren einem spontanen Aufruf gefolgt, wie von ihnen vor Ort zu erfahren war. Das bestätigte auch die Polizei. Die Demonstration sei weder bewilligt gewesen, noch sei ein Bewilligungsgesuch eingegangen.

Die Polizei war vor Ort mit mehreren Patrouillen präsent, blieb aber dezent im Hintergrund. Obwohl die Kundgebungsteilnehmerinnen und -teilnehmer gegen die Covid-Verordnung des Bundes verstossen hätten, habe man sich aus "polizeilicher Verhältnismässigkeit" zurückgehalten, sagte der Polizeisprecher.

Mit Konsequenzen rechnen müssen hingegen die Organisatoren, die von der Polizei ermittelt werden konnten. Sie werden angezeigt.

(AWP)