WEF-Ticker

Deutsche Kanzlerin am WEF - Merkel: Multilateralismus löst Probleme, Nationalstaat eher nicht

Angela Merkel hat am WEF einmal mehr «Abschottung» als Übel hingestellt. Die deutsche Kanzlerin will Probleme multilateral lösen und dabei die Bedürfnisse aller berücksichtigen.
24.01.2018 15:45
Von Daniel Hügli, Davos
Multilateral: Der französische Präsident Emmanuel Macron und die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel.
Multilateral: Der französische Präsident Emmanuel Macron und die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel.
Bild: Bloomberg

Victor Chu, Grossinvestor aus Hongkong mit britischem Pass, erwartet eine baldige Korrektur an den Aktienmärkten. Im Interview mit cash.ch sagt der frühere Verwaltungsrat der Zurich Insurance Group aber auch, wo der derzeit Investiert.

Das Interview mit Victor Chu:  «Anleger sollten jetzt Gewinne realisieren»

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Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel hatte ihren WEF-Besuch kurzfristig angekündigt. In ihrer WEF-Rede hat sie der internationalen Gemeinschaft trotz der schleppenden Regierungsbildung in Berlin versichert, Deutschland werde weiterhin als starke Kraft zur Lösung von Konflikten beitragen. "Deutschland will ein Land sein, das auch in Zukunft seinen Beitrag leistet, um gemeinsam in der Welt die Probleme der Zukunft zu lösen."

"Wir glauben, dass Abschottung uns nicht weiterführt. Wir glauben, dass wir kooperieren müssen, dass Protektionismus nicht die richtige Antwort ist", sagte Merkel. Wenn man der Meinung sei, dass die Dinge nicht fair zugingen, müssten multilaterale und nicht unilaterale Lösungen gesucht werden, die Abschottung und Protektionismus nur fördern würden. Auch in Deutschland gebe es Schwierigkeiten und eine Polarisierung wie seit Jahrzehnten nicht, ausgelöst durch die mittlerweile gelöste Eurokrise und die Migration der vergangenen Jahre.

 

 

Nationale Egoismen, Populismus und eine polarisierende Atmosphäre in vielen Staaten würden möglicherweise auch durch die Sorge der Menschen ausgelöst, die sich fragten, "ob die multilaterale Kooperation wirklich in der Lage ist, ehrlich, fair die Probleme der Menschen zu lösen", sagte Merkel. Es gebe in allen Ländern Zweifel, ob es angesichts von Digitalisierung und der weltweiten Veränderungen gelinge, alle Menschen mitzunehmen.

Nach Merkel wird der französische Präsident Emmanuel Macron sprechen. Deutschland und Frankreich wollen zusammen eine neue "Vision" für Europa verwirklichen.

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EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hat seine Reise zum Wirtschaftsforum (WEF) in Davos GR kurzfristig abgesagt. Eine Begründung gab es zunächst nicht. Die EU und ihre Regierungschefs sind zahlreich am WEF vertreten, unter anderem mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron und der deutschen Kanzlerin Angela Merkel. Auch die britische Premierministerin Theresa May tritt auf: Euro-Politiker und Briten, die aus der EU austreten wollen, träfen sich in Davos zum "Showdown", hiess es in der britischen Presse.

Informierte Kreise in Brüssel - der Korrespondent des Tages-Anzeigers - sehen den Grund für Junckers Absage medizinisch bedingt:

 

 

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Die UBS werde keine Bitcoins handeln: Ein entsprechendes Angebot für Privatkunden sei ebenfalls nicht vorgesehen, sagte Axel Weber, VR-Präsident der UBS, im Interview mit Bloomberg TV am Mittwoch in Davos.

Weber verwies darauf, dass zunehmende Regulierung einen "massiven" Wertverlust bei Bitcoin auslösen könnte. Bei Bitcoin sei der Preis wirklich unklar, so Weber weiter. Die UBS befürchte, dass in der Zukunft im Fall eines Einbruchs bei diesen Anlagen und einer Korrektur Investoren die Frage stellen, wer ihnen diese Anlagen verkauft habe, so Weber weiter.

Der UBS VR-Präsident forderte, dass die Aufsichtsbehörden Bitcoin ins Visier nehmen. Am Mittwoch notierte Bitcoin bei 11.076 Dollar, nach Höchststand von 18.675 Dollar am 18. Dezember.

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US-Finanzminister Steven Mnuchin begrüsst während einer WEF-Pressekonferenz den schwächeren Dollar: "Das ist gut für den Handel." Traditionell unterstützten US-Regierungen eine starke Währung. Gemessen am Bloomberg Dollar Index ist die US-Währung derzeit auf dem tiefsten Stand seit drei Jahren.

Handelsminister Wilbur Ross, der Mnuchin während des Auftritts begleitet, sagte: "Handelskriege werden jeden Tag ausgetragen." Dies kann als Spitze gegen den indischen Premierminister Narendra Modi verstanden werden, der sich bei der WEF-Eröffnungsrede als Paragon für den Welthandel positioniert hatte.

Mnuchins und Ross' Auftritt in Davos lässt neue Spekulationen keimen, was US-Präsident bei dessen WEF-Rede am Freitag sagen könne. Erwartet wird, dass er seine protektionistisch gefärbte "America First"-Agenda verteidigen wird.

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Die industrieübergreifende Initiative digitalswitzerland war unter Anwesenheit der Spitze des Schweizer Wirtschaftsleben zu Gast bei einem einen geheimnisvollen Unternehmer: Alexander Karp, Mitbegründer des Unternehmens Palantir, das Big Data analysiert und angeblich US-Geheimdienste als Kunden hat.

 

 

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Am Mittwoch wird die deutsche Kanzlerin Angela Merkel in Davos erwartet. Sie hatte ihre Teilnahme am Forum erst letzte Woche bekannt gegeben. Ebenfalls am Mittwoch steht der französische Präsident Emmanuel Macron auf dem Programm. Am zweiten Tag des WEF wird es im Kongresszentrum zudem royaler. Der spanische König Felipe wird um 11:15 Uhr eine Rede halten. Gleich anschliessend betritt ein Internet-König die selbe Bühne. Jack Ma, Gründer und CEO des chinesischen Online-Shopping-Giganten Alibaba.

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Mit seinem Auftritt am Dienstagabend härtete Justin Trudeau seinen Ruf als personifizierter Anti-Trump. Der kanadische Premier, der perfekt zwischen englisch und französisch hin und her wechselte, sprach sich für eine gerechtere Welt aus mahnte die Unternehmensführer mehrere Male daran, mehr Frauen einzustellen und zu fördern. Dies sei nicht bloss eine nette Geste, sondern es sei der richtige Weg für jedes einzelne Unternehmen und für wirtschaftliches Wachstum. Sexismus ist laut Trudeau ein Systemproblem. Nebenbei hat Trudeau den Abschluss eines neuen Freihandelsabkommens für den Pazifikraum bekanntgegeben. Die USA sind bei der CPTPP genannten Vereinbarung nicht dabei.

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Gerade richtig zum Start des WEF hat die Gemeinde Davos zusammen mit der Firma TerraCycle ein Recycling-Programm von Zigarettenstummeln lanciert. Einwohner und Gäste sollen ihre Zigi-Resten in öffentlich zugänglichen Aschebehältern entlang der Hauptstrassen werfen. Anstatt diese wie gewohnt zu verbrennen, sollen die Stummeln zu neuen industriell verwendeten Plastikprodukten wie Transportpaletten oder Aschenbecher werden.