Am frühen Morgen sank der Kurs des Währungspaares Euro-Franken für einen Moment auf ein Verhältnis 1 zu 1,0290. Zuletzt war der Franken im April 2015 so stark, wenige Monate nach dem Ende der 1,20-Untergrenze der Nationalbank, die bekanntlich Knall auf Fall am 15. Januar 2015 aufgehoben worden war.
Der russische Angriff auf die Ukraine hat die Flucht in sichere Häfen verstärkt. Der Euro hat sich allerdings über den Vormittag etwas erholt, der Kurs bleibt aber nur wenig über der 1,03-Linie. Könnte der Konflikt den Kurs auf die Parität fallen lassen?
Die erste Reaktion des Franken zum Euro sei relativ heftig gewesen, sagte Thomas Stucki, Anlagestratege der St. Galler Kantonalbank. Danach sei es zu einer Gegenreaktion gekommen. "Ich würde nicht ausschliessen, dass die Schweizerische Nationalbank (SNB) heute Morgen interveniert hat." Für Thomas Flury, Devisenexperte bei der Grossbank UBS, ist der Kurs von 1,03 eine wichtige Marke. "Im Januar wurde die Marke von 1,03 schon einmal getestet. An dieser Marke prallte der Kurs aber ab."

Der Kurs Euro-Franken seit 2014 (Grafik: cash.ch).
Das schwer abschätzbare Ausmass der Eskalation erschwert unmittelbare Einschätzungen. "Solange die Eskalation in der geopolitischen Krise weitergeht, bleibt der Aufwertungsdruck auf den Franken erhalten", sagt Devisenexperte Elias Hafner von der Zürcher Kantonalbank (ZKB). Es sei schwierig, eine Prognose über den weiteren Verlauf des Konflikts zu stellen. Allerdings gebe es über den aktuellen Konflikt hinaus auch Kräfte, die den Euro wieder unterstützen werden. "Dazu gehört, dass viele Länder der Eurozone ihre Wirtschaft wegen des Nachlassens der Corona-Pandemie weiter öffnen. Deswegen rechnen wir mittelfristig mit einer Erholung des Euros gegenüber dem Franken", so Hafner.
Steigende Öl- und Gaspreise wiederum würden bezüglich Konjunktur und Inflation ein gewisses Risiko für die Eurozone und auch den Euro bergen. "Wir glauben aber, dass Regierungen mit Schecks für die Bevölkerung versuchen werden, die Folgen des Preisanstieg abzufedern", sagt der Analyst.
Der Dollar ist als sicherer Hafen wegen der Ukraine-Krise ebenfalls gesucht. Darüber hinaus wird vor allem die Zinspolitik der US-Notenbank Fed den US-Dollar stützen. Die Zinsdivergenz zwischen den Währungsräumen der USA, Kanadas und Grossbritanniens zur Eurozone und der Schweiz wird über die nächsten Monate zunehmen und damit den Dollar zum Euro und zum Franken aufwerten lassen. Die ZKB erwartet Zinsschritte der EZB und der SNB erst Ende Jahr.
(cash/AWP)
