Devisenmärkte - Ist der Dollar unter Druck? Und welche Währungen sind noch stabil?

Die Höhenflug-Prophezeihungen für den Dollar nach der Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten haben sich bis heute nicht bewahrheitet. Es gäbe auch Alternativen zur US-Währung.
31.03.2017 06:54
Von Marc Forster
Devisenanleger suchen schnell einen sicheren Hafen, wenn die Zeiten unsicher werden.
Devisenanleger suchen schnell einen sicheren Hafen, wenn die Zeiten unsicher werden.

Nach dem Brexit-Votum und der Trump-Wahl sind Devisenanleger vorsichtig geworden. Vor allem mit Blick auf die Wahlen in Frankreich, deren zweiter Wahlgang Anfang Mai stattfindet, haben sich an den Währungsmärkten viele abgesichert.

Von politischer Seite sind vor allem der Dollar, der Euro und das Pfund unter Druck. Mittelfristig ist einer der Haupttreiber bei der Mehrheit der wichtigen Währungen aber immer noch die Geldpolitik und die Konjunkturentwicklung. cash.ch listet die wichtigsten Währungen der Welt auf und sagt, ob sie zum Franken noch Aufwärtspotenzial haben.

Dollar

Voraussagen, dass der Dollar nach der Wahl von Donald Trump einen Höhenflug erleben würde, haben sich nicht erfüllt. Zwar trieb das Wahlergebnis, das am 9. November feststand, den Greenback in Erwartung einer weniger stark regulatorischen Wirtschaftspolitik an. Der Dollar-Index DXY, der die US-Währung an einem Währungskorb (Euro, Yen, Pfund, Kanada-Dollar, Schwedenkrone und Franken, wobei der Euro 57 Prozent der Gewichtung ausmacht) misst, befand sich bei 103,3 Punkten im Dezember auf einem Höchststand (siehe auch Tabelle mit den Währungskursen zum Franken). Aktuell stehen die Zähler aber nur noch bei 100,1. Das ist allerdings immer noch weit höher als beim Einjahres-Tief bei bei 92,6 Punkten im Mai 2016.

Der Dollar-Index innerhalb der vergangenen 12 Monate (Quelle: Bloomberg)

In den vergangenen Wochen wurde die US-Währung gestützt durch die Erwartung, dass die Administration die Unternehmensteuern senken wird. Nachdem Trump aber mit seinen Änderungen in der Gesundheitspolitik am Kongress abprallte, stellen sich Anleger die Frage, ob das Weisse Haus bei Steuer- und Infrastrukturausgaben bei den Gesetzgebern nicht ähnlich abblitzen könnte.

Die Zinserhöhungen der Notenbank haben den Dollar ebenfalls nicht wie erwartet gestützt. Für Unsicherheiten sorgen Spekulationen, ob die Federal Reserve im laufenden Jahr insgesamt drei oder vier Zinserhöhungen durchführen will. Grundsätzlich aber profitiert der Dollar gegenüber den anderen wichtigen Währungen von der wachsenden Zinsdifferenz. Insgesamt dürften auch die intakten Konjunkturaussichten der USA den Dollar stützen. Zudem fliesst weiterhin Kapital in gewohntem Umfang in die USA, was für den Dollar wichtig ist. 

Euro

Im Februar fiel der Euro mehrfach in die Nähe von 1,06 Franken, nun bewegt er sich mehrheitlich zwischen 1,07 und 1,08 Franken. Im Hintergrund der gesamten Euro-Franken-Diskussion befinden sich die bekannten, nicht leicht zu beantwortenden Fragen: Weitet die Nationalbank die Negativzinsen aus, wann strafft die Europäische Zentralbank die Währungszügel, findet die Eurozone zu nachhaltigem Wachstum? Die Deviseninterventionen der Nationalbank zur Abschwächung des Frankens belegen den anhaltenden Aufwertungsdruck auf den Franken. Die Sichteinlagen, welche Aufschluss über Währungskäufe der Nationalbank geben, stiegen im Januar und Februar um 25 Milliarden Franken.

Kurzzeitig dürfte die zweite Runde der französischen Präsidentenwahl am 7. Mai den Druck auf den Franken etwas nehmen, weil mit Emmanuel Macron mit hoher Wahrscheinlichkeit jener Kandidat gewinnt, den sich die Finanzmärkte wünschen. Danach werden die Verhältnisse bald wieder schwieriger, mit Auswirkungen auf die Franken-Währungshüter: Auf Macron würde hoher Reformdruck und die Erwartung einer Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit Frankreichs lasten, des weiteren wird Griechenland neues Geld brauchen, und auch die Italien-Krise schwelt weiter. Und ein nachhaltiger Konjunkturaufschwung der Eurozone ist fraglich.

Pfund

Bei der "Brexit-Währung" dreht sich alles um den beginnenden Austritt Grossbritanniens aus der EU, der am Mittwoch offiziell eingeleitet wurde. Erwartet werden sehr harte Verhandlungen, die offiziell bis März 2019 dauern sollen. Schon Mutmassungen, dass die Gespräche feststecken oder scheitern, werden die britische Währung belasten. Sollte die Erwartung steigen, dass Grossbritannien und die EU gar keine Einigung erzielen und der gegenseitige Handel möglicherweise unter WTO-Zöllen stattfinden soll, würde dies dem Pfund zusetzen.

Die Märkte reagieren zuletzt etwas gelassener auf Nachrichten, als dies nach dem für die Finanzmärkte unerwarteten Brexit-Votum im vergangenen Juni der Fall gewesen war. So sorgte die Übergabe des britischen Austrittsgesuchs in Brüssel diese Woche kaum für Bewegungen. Nichtsdestrotrotz bleibt Sterling eine Risikowährung. Das Wechselkursverhältnis zum Franken dürfte sich tendenziell nach unten bewegen, weil Sorgen um das künftige Verhältnis des Vereinigten Königreichs zur EU die nächste Zeit am Markt vorherrschen werden.

Yen

Japan konnte trotz massiver Versuche bisher keine stabile Inflation generieren. Die Bank von Japan steht zunehmend unter Druck, die sehr umfangreiche Lockerungspolitik und auch die Nullzinspolitik zu überdenken. Die Wirtschaft entwickelt sich aber einigermassen robust, und der Yen steht grundlegend unter Aufwertungsdruck, vor allem zum Dollar.

Zum Franken ist die japanische Währung seit November in ihrem Kurs jedoch um 3,7 Prozent gesunken. Zwischen den Währungen besteht allerdings eine Sondersituation: Sie sind von den wichtigen Devisen die beiden beliebtesten "Sicherer-Hafen-Währungen". Aus Sicht von Experten ist es daher eher wahrscheinlich, dass sich der Wechselkurs seitwärts bewegt.

Nordische Währungen

Sowohl die Schwedische Krone (SEK) als auch die Norwegische Krone (NOK) dürften sich gegenüber dem Franken in den nächsten Monaten aufwerten, sagt Devisenanalyst Constantin Bolz von der UBS. Die Schwedenkrone allerdings noch stärker, weil die Reichsbank vor dem Hintergrund einer robusten Wirtschaft ihr Anleihenkaufprogramm beenden dürfte und eventuell noch vor Ende des Jahres die Zinsen anhebe. Schweden sei in der Lage, dabei einiges zügiger vorzugehen, als die USA es über die vergangenen Jahre tun konnte, sagt Bolz.

Die norwegische Währung wiederum war lange durch den tiefen Ölpreis belastet, doch dieser Effekt tritt mit dem stabilisierten Preis über 50 Dollar pro Barrel in den Hintergrund.

Kanada und Australien

Die Wirtschaft Kanadas dürfte zwar erstarken und vom stabileren Ölpreis profitieren, aber die Bank of Canada werde die Zinsen vorerst nicht anheben, sagt Constantin Bolz. Zum Euro werde der Kanada-Dollar etwas schwächer, was aber wiederum eine flache Entwicklung gegenüber dem Franken bedeute.

Die Situation des Austral-Dollars ist vergleichbar mit jener der kanadischen Währung. Die australische Wirtschaft ist allerdings strukturell etwas ins Hintertreffen geraten. Die Abhängigkeit des Rohstoffsektors von China und die gleichzeitig wachsende Konkurrenz durch China in den Dienstleistungen stellen für den Pazifik-Staat eine Herausforderung dar. Für den Kurs der Landeswährung gegenüber dem Franken bedeutet dies einen gleichbleibenden Kurs.

Währungspaar Kurs 30. März Kursveränderung seit 9. November 2016 in Prozent Tendenz Zinssatz der Zentralbank in Prozent
Dollar-Franken 0,9957 +1,2 →↑ 1 (Federal Reserve)
Euro-Franken 1,0693 -0,1 0 (EZB)
Pfund-Franken 1,2395 +1,5 →↓ 0,25 (Bank of England)
Yen (x100)-Franken 0,8956 -3,7 0 (Bank of Japan)
SEK (x100)-Franken 11,185 +3,4 -0,5 (Riksbank)
NOK (x100)-Franken 11,673 -2 0,5 (Norges Bank)
CAD-Franken 0,7468 +1,9 0,5 (Bank of Canada)
AUD-Franken 0,764 +1,6 1,5 (Reserve Bank of Australia)

Daten: cash.ch