Die Hellas-Pessimisten lagen 2012 arg daneben

Griechenland ist auf dem Weg, diejenigen Lügen zu strafen, die den Austritt des Landes aus der Eurozone angekündigt haben. Darunter sind Star-Ökonomen wie etwa Nouriel Roubini. Hellas hat 2012 die beste Bond-Performance.
25.12.2012 13:45
Zu pessimistisch für Griechenland: Nouriel Roubini.
Zu pessimistisch für Griechenland: Nouriel Roubini.
Bild: Bloomberg

Darunter befinden sich auch Top-Ökonomen von Citigroup und Capital Economics aus London. Investoren, die auf die Unverletzlichkeit der Eurozone spekuliert haben, winken hingegen Gewinne.

Nachdem sie 2012 damit zubrachten, den Austritt des Landes aus der Währungsunion als unmittelbar bevorstehendes Ereignis anzusehen, heißt es unter den Auguren nun, dass der Austritt möglicherweise in zwei Jahren kommt - oder unter Umständen gar nicht. Citigroup hatte den Euro-Abschied Griechenlands etwa mit dem Datum 1. Januar 2013 verknüpft. Nun hat die US-Bank die Wahrscheinlichkeit, dass dieses Szenario in den kommenden 18 bis 24 Monaten eintritt, auf 60 Prozent gesenkt. Roubini, der die Finanzkrise 2008 kommen sah, gibt das Risiko mit weniger als 50 Prozent an.

Die Untergangsszenarien wurden vertagt und griechische Anleihen haben in dieser Anlageklasse weltweit 2012 die höchsten Renditen erbracht. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat ihre Haltung gegenüber Griechenland vor den Bundestagswahlen 2013 gelockert. Die Europäische Zentralbank sagte neue Rettungsbemühungen zu und der griechische Premierminister Antonis Samaras hielt sich an Sparzusagen. Gleichwohl ist der Ausblick für Griechenland geprägt von einer Rezession und Schuldenlast.

“Wir haben vor etwa einem Jahr den möglichen Austritt Griechenlands 2012 angesetzt. Wir haben immer eingeräumt, dass es mit viel Unsicherheit behaftet war”, sagte Ben May, Volkswirt bei Capital Economics. “Eine stabile Regierung, die die Rettung unterstützt, blieb im Amt. Es gab größere Bereitschaft von Politikern aus dem Kern der Eurozone, Zugeständnisse zu machen.”

Prognostiker lagen falsch

Griechische Anleihen brachten in diesem Jahr fast 90 Prozent Ertrag. Wetten auf dem Portal Intrade.com zeigen eine Wahrscheinlichkeit von 20,5 Prozent für einen Euro-Austritt Griechenlands bis Ende 2013 an. Im Mai waren es noch 63 Prozent.

Am Dienstag hob die Ratingagentur Standard & Poor’s die Bonität Griechenlands von “Selective Default” auf “B-” und legte den Ausblick mit “stabil” fest. Die Rendite zehnjähriger griechischer Anleihen sank unter 13 Prozent nach einem Hoch von über 35 Prozent vor der Schuldenrestrukturierung im März.

Damit haben die Prognostiker, die mit einem Ausscheiden Griechenlands aus der Eurozone rechneten, bislang falsch gelegen. Im Februar hatte Citigroup-Chefvolkswirt Willem Buiter die Wahrscheinlichkeit des Ausscheidens Griechenlands auf Sicht der kommenden 18 Monate auf 50 Prozent angehoben, von zuvor 25 bis 30 Prozent. Die Bereitschaft der Gläubiger, das Land zu stützen, sei “erheblich gesunken”, sagte Buiter damals. Im Juli erhöhte Citigroup die Wahrscheinlichkeit auf 90 Prozent.

Noch eindeutiger positionierte sich das auf wirtschaftliche Analysen fokussierte Beratungsunternehmen Capital Economics aus London. Es gewann in diesem Jahr den mit 250'000 Pfund dotierten Wolfson Economics Prize, für den Vorschlag eines Notplans für das Auseinanderbrechen Zerfall der Eurozone. Ende 2011 hatte Capital Economics das Ausscheiden Griechenlands aus der Eurozone als “zentrale Hypothese” für 2012 bezeichnet.

(Bloomberg)